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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sperrung des Mainkais wohl bald Geschichte

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Die umstrittene Sperrung des nördlichen Mainufers in Frankfurt wird wahrscheinlich nach dem Sommer beendet. Um den Verkehrsversuch bewerten zu können, fehlen die Zahlen - weil durch die Corona-Krise weniger Auto gefahren wird.

Das nördliche Mainufer in Frankfurt ist seit August vergangenen Jahres für den Autoverkehr gesperrt. Der Verkehrsversuch ist auf dreizehn Monate angelegt, bis Ende August dieses Jahres. Dabei wird es höchstwahrscheinlich zunächst bleiben: Eine nahtlose Verlängerung der Maßnahme scheint ausgeschlossen, wie die Frankfurter Neue Presse (FNP) am Mittwoch berichtete.

Demnach fehlen dem städtischen Verkehrsdezernat belastbare Zahlen, um einen Vorher-Nachher-Vergleich zu ziehen und den möglichen Nutzen zu zeigen.

Zahlen wegen Corona-bedingtem Verkehrsrückgang irregulär

Zur Überprüfung, wie die Sperrung am Mainkai den Verkehr reduziert und wo mehr Verkehr entsteht, hatte die Stadt im März 2019 Fahrzeuge an einem Stichtag gezählt. Die Vergleichsmessung fand nun ein Jahr später am 17. März statt. Wegen der Schul- und Kitaschließungen und anderer Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus arbeiteten viele Menschen an diesem Tag bereits im Homeoffice, der Autoverkehr ging stark zurück.

"Das werden sicherlich keine verwertbaren Zahlen sein", sagte Oesterling der FNP. Daher müsste das Mainufer wieder geöffnet werden, so der Dezernent, der für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen war. Für eine Verlängerung des Versuchs wäre ein erneuter Beschluss notwendig. Die schwarz-rot-grüne Koalition im Römer hatte den Verkehrsversuch vereinbart und die Stadtverordnetenversammlung letztlich beschlossen.

"Sogar Grüne sehen in der Sperrung mehr Nachteile als Vorteile"

Laut Verkehrsdezernat nutzten täglich rund 20.000 Autos und Lastwagen die Strecke zwischen Untermainbrücke und der Straße Zum Pfarrturm nahe der Alten Brücke. Bald nach Beginn der Sperrung formierte sich Widerstand; Anwohner anderer Stadtteile klagen über mehr Verkehr.

Herbert Schmoll gründete die Bürgerinitiative "Sachsenhausen wehrt sich". Dem hr sagte Schmoll am Mittwoch, seine Mitstreiter und er seien bereits davon ausgegangen, dass der Versuch nicht verlängert wird. Die CDU-Fraktion im Römer habe signalisiert, dass sie nicht zustimmen werde. "Sogar die Grünen sehen in der Sperrung mehr Nachteile als Vorteile", sagte Schmoll.

SPD-Ortsbeirat: Fehlende Zahlen im Juni oder August erheben

Die SPD ist seit Jahren für die Stilllegung des Maikais. Die fehlenden Vergleichszahlen könnten im Juni vor den Sommerferien oder aber im August nach den Ferien erhoben werden, "wenn der Verkehr sich bis dahin normalisiert hat", sagte der für die Altstadt zuständige SPD-Ortsvorsteher Oliver Strank dem hr.

Strank hatte eine Bürgerinitiative für die Sperrung gegründet, die unter dem Namen "Lebensqualität am Mainufer" Chancen aufzeigen möchte. Dabei sind Mitglieder aus Verkehrs- und Umweltorganisationen. "Gerade jetzt, in der Corona-Krise nutzen viele Menschen das autofreie Mainufer", betonte Strank. Dort gebe es "Luft und Platz um Abstand zu halten".

Die Priorisierungen in der Kommunalpoltitik in Sachen Nachhaltigkeit müssten nach der Krise neu bewertet werden. "Der Mainkai ist ein wichtiger Abschnitt für eine mögliche autofreie Innenstadt", sagte Strank. Er gehe stark davon aus, dass die SPD eine Fortsetzung der Sperrung des Mainufers auch zum Thema im Kommunalwahlkampf machen werde. Gewählt werden soll im Frühjahr 2021.

Sendung: hr4, 8.4.2020, 17:30 Uhr