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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Marburgs Oberbürgermeister: "Wegschauen ist keine Lösung"

Blick auf die Lahn und die Stadt Marburg.

Tausende Flüchtlinge sitzen im Niemandsland zwischen der Türkei und Griechenland fest. Die Stadt Marburg hat Hilfe angeboten. Ob sie auch helfen darf, entscheiden freilich andere.

Die Stadt Marburg ist wegen der angespannten Situation an der türkisch-griechischen Grenze bereit, kurzfristig Flüchtlinge von dort aufzunehmen. Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) sagte dem hr am Freitag, man könne über Nacht aus dem Stand 50 Geflüchtete unterbringen, Familien und etwa 15 unbegleitete Minderjährige. "Das gilt für die, die die Europäische Union und der Bundesinnenminister nach Deutschland lassen", sagte Spies.  

"Bei diesen Schicksalen kann man nicht zögern"

In Marburg gibt es die Unterkunft Portal, die weitere Flüchtlinge aufnehmen könnte. Außerdem gebe es eine große Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger zu helfen, fügte Spies hinzu. Schon 2015, als hunderttausende Flüchtlinge nach Deutschland kamen, hätten sich 1.500 Freiwillige Helfer aus Marburg gemeldet.

Marburgs Oberbürgermeister Spies (SPD)

Viele hätten ihm in den zurückliegenden Tagen E-Mails geschrieben und ihn aufgefordert, noch mal deutlich zu machen, dass Marburg bereit sei, Menschen in Not aufzunehmen. "Wenn man sich klar macht, was das gerade für Minderjährige für ein Schicksal ist, dann kann man auch nicht zögern", sagte der Oberbürgermeister.

Spies räumte ein, dass sich so mancher in Marburg mit neuen Flüchtlingen überfordert fühlen könnte. Das seien aber relativ wenige. "Wenn wir in einer Stadt mit 78.000 Einwohnern über 50 Menschen reden, dann kann das doch nicht wirklich sein, dass wir uns davon überfordert fühlen", findet Spies. Stadtverwaltung und Jugendhilfe seien jedenfalls gut vorbereitet.

Marburg ist Sicherer Hafen

Spies unterstützt die gemeinsame Erklärung des Städtebündnisses Sichere Häfen und der Evangelischen Kirche. Marburg ist Mitglied in diesem Bündnis. Es wurde im Juni 2019 auf einem Kongress der Organisation Seebrücke gegründet und hat nach eigenen Angaben aktuell in Deutschland 138 Mitglieder. In Hessen sind das neben Marburg die Städte Darmstadt, Gießen, Kassel und Wiesbaden, außerdem die Kreise Darmstadt-Dieburg, Werra-Meißner und Groß-Gerau.

Nicht zum Bündnis gehört Frankfurt. Die dort mitregierenden Grünen sprachen sich am Freitag dafür aus, dass sich die Stadt zu einem Sicheren Hafen erklärt und "dass die Aufnahme von Geflüchteten durch aufnahmebereite Kommunen unbürokratisch möglich gemacht wird". Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) müsse seinen Worten, wonach er Deutschland in der Pflicht sehe, nun Taten folgen lassen.

Sendung: hr-iNFO, 06.03.2020, 19 Uhr