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Münster beschließt Schwimmbad-Abriss

Die Frage einer Sanierung des Schwimmbades im südhessischen Münster ist vom Tisch: Das Bad wird abgerissen. Ob es ein neues geben wird, steht in den Sternen. Der Wille ist aber da.

Seit August 2019 liegt das Hallenbad in Münster (Darmstadt-Dieburg) brach. Der in die Jahre gekommene Bau ist so marode, dass er nicht mehr nutzbar war. Was sich seit längerem abzeichnete, hat die Gemeindevertretersitzung jetzt endgültig beschlossen: Das Schwimmbad wird abgerissen.

Lebhafte Debatte

Einige Enthaltungen habe es bei der Abstimmung am Montagabend nach lebhafter Debatte gegeben, berichtet Bürgermeister Joachim Schledt (parteilos), vornehmlich aus den Reihen der SPD. Teile der Sozialdemokraten hatten bis zuletzt gehofft, den aus dem Jahre 1971 stammenden Bau doch noch erhalten zu können.

Darüber, dass man ein Schwimmbad in Münster haben will, ist man sich weitgehend einig. Allein, wie das zu realisieren ist, bleibt ungewiss. "Ich habe nun die Hausaufgabe, nach geeigneten Wegen zu suchen", sagt Schledt. Eine Aufgabe, die der Bürgermeister angesichts klammer Kassen selbst als "ambitioniert" bezeichnet.

Neues Bad könnte 18 Millionen Euro kosten

Förderprogramme wie etwa das Programm "SWIM" des Landes, private Investoren, Bürgerbeteiligung, Betrieb durch Vereine - alle Möglichkeiten will Schledt ausloten. "Wir haben das Tor sehr weit aufgemacht." Auch Art und Größe eines neuen Bades sind offen. Vom simplen Becken bis hin zum Spaßbad mit Sauna ist die Bandbreite groß.

Letztlich werden darüber auch die Kosten entscheiden. Die FDP veranschlagt sie für ein dem jetzigen vergleichbares Bad mit etwa 18 Millionen Euro. Für einen kreditfinanzierten Neubau erwartet der Bürgermeister inklusive der Betriebskosten eine jährliche Belastung von 1,3 Millionen Euro.

Viele Besucher von außerhalb

Viel Geld für die 15.000-Einwohner-Gemeinde, die im diesjährigen Haushalt ein Minus von 800.000 Euro stehen hat und einen Sanierungsstau abarbeiten muss. Allerdings kostet auch das nicht genutzte Schwimmbad die Kommune 180.000 Euro im Jahr, zu Betriebszeiten war es rund eine halbe Million.

Bedenkt man, dass von den bislang rund 90.000 Besuchern pro Jahr nur etwa ein Drittel aus Münster kam und darunter viele wiederkehrende Gäste waren, dann stellt sich natürlich die Frage, ob es Sinn macht, so viel Geld für so wenige Bürger aus den eigenen Reihen auszugeben. Schließlich gibt es in dem Landkreis mit den Schwimmbädern in Dieburg, Groß-Umstadt oder Groß-Zimmern auch Alternativen in der Nähe.

Schwimmbad wertet Standort auf

Und doch sind Schledt und mit ihm große Teile Münsters überzeugt, dass ein Schwimmbad die Kommune aufwertet. "Man muss sich fragen: Was haben wir denn sonst zu bieten, um ein attraktiver Wohnstandort zu sein?" Da sei ein Hallenbad schon etwas Besonderes - mal ganz abgesehen vom Aspekt der Gesundheitsprävention. Und wenn Menschen von außerhalb kommen, spricht das ja für die Anziehungskraft, die von solch einer Einrichtung ausgeht.

In der Gemeinde gab es denn auch gleich mehrere Initiativen, die sich für ein Schwimmbad stark gemacht haben wie etwa eine Unterschriftenliste mit rund 200 Unterzeichnern. In einer Online-Umfrage sprachen sich laut Schledt knapp 2.900 Menschen für ein Schwimmbad aus, davon 711 namentlich aus Münster.

Auch der politische Gegenwind hält sich in Grenzen. Schließlich hätten sich im Kommunalwahlkampf alle Parteien für ein Schwimmbad ausgesprochen, betont Schledt. "Da besteht natürlich ein gewisser Druck, sich jetzt auch an die Wahlversprechen zu halten."

Es dürfte noch lange dauern

Doch bis man sich in Münster wieder in überdachte Fluten stürzen kann, wird noch viel Wasser die Gersprenz hinunter fließen. Mit dem Abriss des Altbaus ist 2022 nicht zu rechnen. Der allein kostet nach Worten des Rathauschefs rund 600.000 Euro. "Das können wir in diesem Jahr nicht mehr stemmen."

Und auch der Entscheidungsfindungsprozess für ein neues Bad braucht Zeit. "Das muss natürlich alles seriös und solide aufgebaut sein", so Schledt. An eine Schätzung, wann in Münster ein neues Hallenbad stehen könnte, will sich der Rathauschef nicht wagen. Sollte es ein neues Hallenbad geben, so werden bis dahin sicher noch einige Jahre ins Land gehen.

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