Taunus Quarzit
Taunus Quarzit kann verwendet werden, um Asphalt heller zu machen. Bild © hr

Warme Temperaturen machen Städtern zu schaffen: Die SPD will in Langen nun hellen Asphalt in Neubaugebieten durchsetzen. Der soll das städtische Mikroklima abkühlen und so Menschen, Tieren und Pflanzen helfen.

Videobeitrag
hs

Video

zum Video Heller Asphalt für Klimaschutz

Ende des Videobeitrags

Heiße Sommer bedeuten heiße Städte - auch nachts kühlen die Temperaturen in den Straßen nur noch schlecht ab. Frankfurter konnten davon im vergangenen Sommer ein Lied singen, die Temperaturen in der Innenstadt gingen oft auch nachts nicht mehr unter die Marke von 20 Grad. Die SPD in Langen (Offenbach) will dem jetzt entgegenwirken und hofft, dass heller Asphalt eine Lösung sein kann.

Als Stadt gegen den Klimawandel

In einer Klimaschutz-AG sei man auf die Idee gekommen, sagte der stellvertretende Vorsitzende Christian Rücker dem hr: "Wir möchten den Klimawandel mit den städtischen Möglichkeiten bekämpfen."

Heller Asphalt soll dabei helfen: Er reflektiert stärker und soll Wärmeinseln, die die Städte aufheizen, verhindern - auch nachts. Nicht nur der Mensch würde davon profitieren, auch Tieren und Pflanzen würden niedrigere Temperaturen Erleichterung verschaffen.

Bis zu acht Grad geringere Erwärmung

Die Langener SPD hat sich nach eigenen Angaben dabei an Köln orientiert. Aber auch Frankfurt hätte als Vorbild gedient: Laut dem dortigen Verkehrsdezernat wurde aufgehellter Asphalt unter anderem in Alt-Eschersheim unterhalb der Maybachbrücke bereits vor rund 19 Jahren eingebaut.

"Nachweislich führt der Einsatz von aufgehellten Asphaltdeckschichten zu einer bis zu acht Grad geringeren Erwärmung der Straßenoberflächen", sagte eine Sprecherin des Dezernats dem hr. Auch in Zukunft wolle man aufgehellte Asphaltdeckschichten einbauen.

Teurer, aber effektiv

Die SPD-Fraktion in Langen hat nun einen entsprechenden Antrag im Magistrat eingebracht. Es sollen für den Haushaltsplan 2020 Mehrkosten ermittelt werden. Der Asphalt sei teurer, aber die Mehrkosten würden sich im Verhältnis zum Effekt in Grenzen halten, sagte Rücker.

Für die Herstellung des Asphalts würden hellere Steine eingemischt, wie etwa der Taunusquarzit aus der Region, erklärte Lutz Weiler, Geschäftsführer eines Offenbacher Bauunternehmens. Die andere Möglichkeit sei Klarsichtbindemittel, das für Reflektionen sorgt, allerdings auch deutlich teurer sei. Auf sechs bis acht Grad schätzt der Experte den Unterschied auf der Oberfläche, weil die Wärme abgestrahlt würde.

Stadt begrünen

Der Frankfurter Architekt und Stadtplaner Jan Schulz sieht bisher keinen Trend zu hellem Asphalt, auch wenn generell gelte: Dunkle Flächen heizen sich auf und speichern die Hitze. Allerdings gebe es auch andere Möglichkeiten, der Wärme in den Städten entgegenzuwirken. Mehr bepflanzte Flächen, die Entsiegelung von Hinterhöfen - zum Beispiel zugunsten von kleinen Grünflächen und Bäumen.

Wichtig seien Oberflächen, die Wasser speichern, das später verdunsten kann und damit einen kühlenden Effekt hat. Schattenspendende Maßnahmen könnten ebenfalls helfen, das könne bereits beim Bau von Straßen berücksichtigt werden.

Die Langener SPD-Fraktion hofft, dass heller Asphalt schon bei den aktuellen Neubaugebieten Liebigstraße und Belzborn zum Einsatz kommen könnte, heißt es in einer Mitteilung: "Falls Mehrkosten anfallen sollten, sind diese eine gute Investition in eine umweltfreundlichere Zukunft."

Sendung: hessenschau, 11.06.2019, 19.30 Uhr