In Hessen ist ein weiterer Mensch nach einem Taser-Einsatz der Polizei gestorben. Innenminister Beuth bestätigte einen Fall aus dem vergangenen Jahr. Es sei möglich, dass die Elektroschock-Waffe den Tod mit verursacht hat.

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Ein Polizist testet einen Elektroschocker.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Debatte über Risiken von Taser-Einsätzen der Polizei

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In Hessen sind in den vergangenen Jahren zwei Menschen nach Taser-Einsätzen der Polizei gestorben. Neben einem Fall in Frankfurt, der bereits Mitte Mai bekannt wurde, gab es auch in Fulda einen Todesfall, der möglicherweise mit einem Taser-Einsatz zu erklären ist. Das hat Innenminister Peter Beuth (CDU) auf eine Anfrage der Linken-Fraktion mitgeteilt.

Der Fall liegt anderthalb Jahre zurück, die Polizei hatte damals nicht über den Taser-Gebrauch und seine Folgen berichtet. Wie Beuth nun erklärte, setzte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei den Taser gegen einen 63 Jahre alten Mann ein. Dieser hatte zuvor in seiner Wohnung um sich geschossen und dabei auch einen Polizeihund getötet. Der Mann brach nach dem Elektroschock durch den Taser zusammen und wurde ins Krankenhaus gebracht. Dort starb er etwa zwei Wochen später.

Die Polizei hatte in der Pressemeldung über den Einsatz nur mitgeteilt, der Mann sei bei der Festnahme "kurz kollabiert". Von einem Taser war damals nicht die Rede. Die Staatsanwaltschaft Fulda ermittelte allerdings wegen fahrlässiger Tötung gegen den Polizisten, der den Taser eingesetzt hatte. Die Ermittlungen wurden aber bald wieder eingestellt.

Ermittlungen im Frankfurter Fall nicht abgeschlossen

Anders im Frankfurter Fall, der etwa zwei Monate zurückliegt. Da dauern die Ermittlungen noch an, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt dem Hessischen Rundfunk bestätigte. Ermittelt werde gegen zwei Beamte wegen des Verdachts auf schwere Körperverletzung mit Todesfolge. Der Taser-Einsatz komme laut Obduktion als "mittelbare Todesursache" in Betracht.

Nach bisherigem Stand der Erkenntnisse haben die Polizisten Ende April mit einem Taser einen Mann außer Gefecht gesetzt, der sich gegen eine ärztliche Behandlung gewehrt hatte. Der Mann war schwer zuckerkrank. Nach dem Elektroschock übergab er sich, wurde ohnmächtig und kam ins Krankenhaus. Er starb vier Tage später - laut Obduktion unter anderem an Lungenentzündung, weil er nach dem Taser-Einsatz Erbrochenes eingeatmet hatte.

Todesfälle auch in Rheinland-Pfalz und Bayern

Auch in Rheinland-Pfalz und Bayern werden Todesfälle mit Taser-Einsätzen der Polizei in Zusammenhang gebracht. In Pirmasens erlag ein 56 Jahre alter Mann im Januar einem Herzinfarkt, nachdem Polizisten ihm kurz zuvor per Taser ruhig gestellt hatten. In Nürnberg taserten Polizisten einen 43-jährigen Randalierer, der ebenfalls kurze Zeit später starb. Die Obduktion ergab allerdings "keine fassbare Todesursache".

Angesichts dieser Fälle hat die Linke im Hessischen Landtag wachsende Zweifel an der Ungefährlichkeit dieser Waffen. Deshalb forderte ihr innenpolitischer Sprecher Hermann Schaus vor wenigen Wochen, das Land Hessen solle den Taser-Gebrauch aussetzen, bis die Todesfälle abschließend geklärt seien.

Der hessische Innenminister Beuth ist dieser Forderung bisher nicht nachgekommen. Er betont, dass sich die Elektroschocker im Testbetrieb seit 2017 bewährt hätten. So könnten Störer "aus der Distanz ohne anhaltende Verletzungen kampfunfähig gemacht werden."