Kai Klose, Stefan Majer, Dorothea Dreizehnter

Die Akut-Psychiatrie des Klinikums Frankfurt-Höchst gilt seit einer TV-Reportage als Problemfall. Undercover-Aufnahmen zeigten erhebliche Missstände. Als Reaktion kontrollierten das Land Hessen und die Stadt Frankfurt die Station - mit Ankündigung.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Reporter: "Wie unabhängig kann so ein Gutachter sein?"

Klinikum Frankfurt Höchst
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In der Akut-Station D42 der Psychiatrie in Frankfurt-Höchst waren in der vergangenen Woche zwei ganz besondere Besucher-Gruppen unterwegs: am Mittwoch die Fachaufsicht für psychiatrische Einrichtungen, angesiedelt im hessischen Sozialministerium. Und am Folgetag Hygiene-Prüfer des Frankfurter Gesundheitsamtes. Beide Begehungen waren angekündigt. Und bei beiden wurden keine Regelverletzungen festgestellt.

Eine Sprecherin des Sozialministeriums sagte auf hr-Anfrage: "Während unserer Anwesenheit vor Ort sind keine Verstöße gegen das Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz sichtbar geworden." Ob die Prüfer Mängel entdeckt haben, die unterhalb der Schwelle eines Gesetzesverstoßes liegen, geht aus der Antwort des Ministeriums nicht hervor.

Der Besuch sei am vorhergehenden Nachmittag für den kommenden Morgen angekündigt worden, sagte die Sprecherin. Neben der geschlossenen Station D42, die durch die Undercover-Reportage des Senders RTL in Kritik geraten ist, hätten die Prüfer noch eine offene Therapie-Station besichtigt.

Auf Kontrolle vorbereitet?

Den hr haben in den vergangenen Tagen Hinweise aus Klinik-Kreisen erreicht, die Klinik habe vor der angekündigten Kontrolle versucht, Mängel in der umstrittenen Station D42 zu vertuschen. So seien etwa besonders auffällige Patienten in eine andere geschlossene Station verlegt worden. Diese sei in der Folge überbelegt gewesen.

Klinik-Geschäftsführerin Dorothea Dreizehnter wies das auf hr-Anfrage zurück. Zwar seien Patienten in andere Stationen verlegt worden. Das sei aber medizinisch veranlasst gewesen. Verlegungen dieser Art seien Tagesgeschäft in der Akut-Station.

Dreizehnter und die Ministeriumssprecherin bestätigten allerdings, dass die andere geschlossene Station (D43) von der Fachaufsicht nicht besichtigt wurde. Eine eventuelle Überbelegung dort wäre den Prüfern also gar nicht aufgefallen.

Auch Hygiene-Prüfer ohne Beanstandungen

Einen Tag nach der Begehung durch das Sozialministerium kamen Hygiene-Prüfer des Frankfurter Gesundheitsamtes in die Psychiatrische Klinik. Auch sie hatten laut Gesundheitsamt nichts zu beanstanden. Diese Kontrolle wiederum war nicht nur angekündigt - die Klinik habe selbst darum gebeten, sagte Dreizehnter.

Die Klinik-Chefin widersprach aber dem Vorwurf, die Station sei eigens für die Hygiene-Kontrolle intensiv gereinigt worden. Freilich lasse man die Station seit Ausstrahlung der RTL-Reportage häufiger reinigen als vorher.

Die Reportage vom "Team Wallraff" hatte vor zweieinhalb Wochen durch Aufnahmen mit versteckter Kamera Hinweise auf eine Vielzahl möglicher Mängel in der Akut-Station gegeben: mangelnde ärztliche Betreuung, wochenlange Fixierungen von Patienten oder verdreckte Aufenthaltsräume. Den hr erreichten zahlreiche Hinweise von ehemaligen Patienten, Angehörigen und auch Mitarbeitern, die die Vorwürfe zumindest teilweise bestätigten.

Die Undercover-Reportage zeigt diesen fixierten Patienten im Klinikum Frankfurt Höchst.

Externer Prüfer arbeitete früher selbst im Klinikum

In der vergangenen Woche kündigte der hessische Sozialminister Kai Klose (Grüne) an, sein Ministerium werde als zuständige Fachaufsicht diesen Vorwürfen nachgehen. Dabei hole man sich Unterstützung von dem "externen Experten" Hans-Joachim Kirschenbauer, der vor Jahren selbst im Klinikum Höchst gearbeitet hatte.

Mehr noch: Der jetzige Chefarzt der Höchster Psychiatrie, Michael Grube, war damals Kirschenbauers Vorgesetzter. Grube war Oberarzt, Kirschenbauer Assistenzarzt. Das hat das Klinikum auf hr-Anfrage bestätigt. Die Aufsichtsbehörden sahen darin aber - etwa wegen möglicher Befangenheit - offenbar kein Manko. Die Stadt Frankfurt und das Land Hessen hätten, so stellt es das Klinikum dar, Kirschenbauer selbst als Berater vorgeschlagen.

Sendung: hr-iNFO, 03.04.2019, 22.00 Uhr