Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mit 450 PS unterwegs für die Gemeinnützigkeit

AWO logo

Dienstwagen-Privileg für die OB-Gattin? Mit einer "Transparenz-Offensive" will die AWO den Vorwurf entkräften. Dass Frau Feldmann ihr Auto während der Elternzeit bekam, geht demnach in Ordnung - und der 80.000-Euro-Wagen für die stellvertretende Geschäftsführerin auch.

Der Ford Focus Turnier 1.5 TDCI für Zübeyde Feldmann war laut Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt kein einzigartiges Privileg für eine Frankfurter Oberbürgermeister-Gattin. Diese bisherige Darstellung will der gemeinnützige Sozialverband mit einer "Transparenzoffensive" in Sachen Dienstwagen untermauern.

Bisherige Botschaft: Als Kita-Leiterin brauchte sie den Wagen wegen besonderer Aufgaben. Der Nachtrag in der am Donnerstag verbreiteten Stellungnahme: Es war kein Einzelfall. Demnach verfügen auch zwei weitere Kita-Leitungen über einen Dienstwagen, zwei von insgesamt 19 Einrichtungen. Hinzu komme, dass eine von 15 stellvertretenden Leitungen ein Dienstauto hat.

1.100 Beschäftigte, 38 Dienstwagen

Insgesamt hat die AWO mit ihren 1.100 Beschäftigten 38 Dienstwagen. Dazu gehört nach hr-Informationen unter anderem ein 80.000-Euro-Audi mit 450 PS für Jasmin Kasperkowitz, die stellvertretende AWO-Geschäftsführerin. Dem Chef von Frau Feldmann, Kita-Abteilungsleiter Klaus Erich Roth, stellt die AWO einen Mercedes AMG mit 306 PS und rund 55.000 Euro Listenpreis.

Roth ist gleichzeitig Geschäftsführer der AWO Protect. Das Tochterunternehmen des Sozialverbands hatte der Stadt Frankfurt sieben Millionen Euro für die Bewachung zweier Flüchtlingsheime in Frankfurt berechnet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in diesem Zusammenhang wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs gegen nicht näher benannte AWO-Verantwortliche.

In ihrer Mitteilung erklärt die AWO, Fahrzeuge der oberen Mittelklasse mit einem Listenpreis von rund 80.000 Euro entsprächen der Dienstwagenrichtlinie des Kreisverbands und seien für Vorstand und Geschäftsführung gerechtfertigt. Das habe ein Experte für Gemeinnützigkeit geprüft und bestätigt. In Zukunft soll eigens ein Compliance Officer die Einhaltung der Richtlinie prüfen und bescheinigen.

Der Wagen kam in der Elternzeit

Kritiker hatten sich mit der Begründung "besondere Aufgaben" im Falle der Frau des Oberbürgermeisters nicht zufrieden gegeben. So wendet der FDP-Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Yanki Pürsün ein, besondere Aufgaben und Auswärtstermine auch an Abenden müssten in einer Stadt wie Frankfurt die allermeisten Kita-Leitungen absolvieren. Deshalb sei auch nicht gerechtfertigt, wenn Frau Feldmann nach zwei Jahren ein Gehalt beziehe, für das andere 17 Jahre tätig sein müssten.

Die Nutzung des Dienstwagens durch Frau Feldmann wirft darüber hinaus noch immer Fragen auf. Eine wichtige: Wenn Frau Feldmann den Dienstwagen für die Erfüllung ihrer Kita-Aufgaben dringend brauchte, warum erhielt sie ihn erst, als sie gar nicht mehr arbeitete?

Abrechnung angekündigt

Denn die Leitung der deutsch-türkischen Modell-Kita hatte sie laut FAZ nur im kurzen Zeitraum von der Eröffnung im Oktober 2015 bis Januar 2016 inne, weil sie ein Kind erwartete. Den Dienstwagen nutzte sie ausweislich der dem hr vorliegenden Gehaltsabrechnung aber erst ab Juli 2016. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon in Elternzeit.

Von der AWO heißt es dazu nun: Mit Frau Feldmann sei vereinbart worden, dass die Kosten für die Nutzung des Autos nach ihrer Rückkehr abgerechnet würden.

In der Sache gab der unter Druck geratene Oberbürgermeister Feldmann am Mittwoch eine schriftliche Erklärung ab. Demnach kümmerte er sich nicht darum, was seine Frau bei seinem früheren Arbeitgeber AWO verdiente oder ob sie einen Dienstwagen hatte.

Sendung: hr-iNFO, 28.11.2019, 16.42 Uhr