Der Beschuldigte im Mordfall Lübcke, Stephan ernst, wird begleitet von zwei schwer bewaffneten Polizisten an den BGH in Karlsruhe gebracht.

Stephan Ernst, der Verdächtige im Fall des ermordeten Politikers Walter Lübcke, hat sein Geständnis widerrufen. Ermittler vermuten eine Taktik. Zuvor war er nach Karlsruhe an den Bundesgerichtshof überstellt worden.

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zum Video Fall Lübcke: Ernst widerruft Geständnis

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Im Mordfall Walter Lübcke hat der Verdächtige Stephan Ernst nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) sein Geständnis widerrufen. Vor dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes (BGH) in Karlsruhe wollte Ernst demnach sein Geständnis nicht wiederholen und schwieg ansonsten.

Aus Ermittlerkreisen hieß es laut SWR, dass der Widerruf wohl Taktik von Ernst sei. Sein ursprüngliches Geständnis sei aber derart ausführlich und detailreich gewesen, dass keine Auswirkungen auf die weiteren Ermittlungen zu erwarten seien. Noch vor kurzem hatte Ernst den Mord als "Fehler" bezeichnet.

Stephan E. hat vor dem Ermittlungsrichter #BGH sein Geständnis im Mordfall #Lübcke widerrufen, höre ich aus Ermittlungskreisen. Allerdings dürfte das wenig helfen, da er die Tat zuvor detailliert beschrieben hatte.

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Begleitet wurde Ernst in Karlsruhe von einem neuen Rechtsanwalt. Dabei handelt es sich nach Informationen der "Bild" um den Dresdner Juristen Frank Hannig. Hannig bestätigte der "Bild", dass er das Mandat übernommen und Ernst seine Aussage widerrufen habe.

Hannig ist selbst alles andere als ein Unbekannter. Nach einem Bericht des Rechercheportals "Correctiv" und der "Sächsichen Zeitung" gehörte Hannig zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins von Pegida, dem Trägerverein hinter den gleichnamigen islamfeindlichen Demonstrationen. Hannig soll für Pegida unter anderem ein Treuhandkonto verwaltet haben. Als Jugendlicher soll Hannig in der DDR für die Stasi tätig gewesen sein.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Stephan Ernst widerruft sein Geständnis vor dem BGH

Tatverdächtiger im Mordfall Lübcke: Stephan Ernst beim Wahlkampf für die NPD in Kassel (Archiv)
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Nach Karlsruhe geflogen

In dem Mordfall hatte am Dienstagvormittag ein Ermittlungsrichter am BGH in Karlsruhe einen neuen Haftbefehl gegen den dringend tatverdächtigen Ernst erlassen und Untersuchungshaft angeordnet. Das hatte der Generalbundesanwalt (GBA) am Vormittag mitgeteilt.

Der neue Haftbefehl ersetzt den des Amtsgerichts in Kassel von Mitte Juni. Er ist aus formalen Gründen nötig, weil der GBA die Ermittlungen inzwischen übernommen hat. Ernst sitzt bereits seit Mitte Juni in Untersuchungshaft. Am Morgen war der 45-Jährige mit einem Hubschrauber nach Karlsruhe gebracht und dann vom Areal der Bundesanwaltschaft auf das BGH-Gelände gefahren worden.

Dort wurde er dem BGH-Richter vorgeführt. Der 45-Jährige ist mehrfach vorbestraft und war in früheren Jahren durch Kontakte in die rechtsextreme Szene aufgefallen. Der Kasseler Regierungspräsident war Anfang Juni neben seinem Haus erschossen worden. Der CDU-Politiker war in der Vergangenheit wegen seiner Haltung zu Flüchtlingen bedroht worden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Fragen und Antworten zum widerrufenen Geständnis von Ernst

Bewaffnete Polizisten geleiten Stephan Ernst zum BGH
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