Pflegeheim

Am schlimmsten trifft Corona diejenigen, die besonders anfällig sind: Menschen in Alten- und Pflegeheimen. In mehreren Städten und Kreisen gab es größere Ausbrüche mit fatalen Folgen. Der Kreis Gießen reagiert jetzt.

Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 282,2 war der Kreis Gießen auch am Mittwoch am stärksten in ganz Hessen von Corona betroffen. Einen großen Anteil an dieser Zahl hat der Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim in Lollar. Mindestens 98 Bewohner haben sich hier mit dem Virus infiziert. 13 von ihnen sind gestorben, einige weitere werden in Krankenhäusern versorgt. Auch beim Personal hat es 43 positive Fälle gegeben.

Gießener Landrätin Anita Schneider

In dem kleinen Ort sorgte das für eine Explosion der Inzidenz: Rekordverdächtige 1.581,1 wurden in Lollar gezählt. Die Zahlen eigneten sich aber nicht, um die Infektionslage im Kreis Gießen aktuell zu beurteilen, meint Landrätin Anita Schneider (SPD). Durch Silvester und die freien Tage seien die Labore beim Auswerten der Tests überall im Rückstand. Das gesamte Bild werde sich erst in den kommenden Tagen zeigen.

Heimleitung: Alle Regeln wurden eingehalten

Glaubt man der Leitung des betroffenen Pflegeheims, dann scheinen solche Ausbrüche wie in Lollar nicht komplett zu verhindern sein. Alle Hygieneregeln vor Ort seien eingehalten worden, teilte die Heimleitung auf Anfrage des hr mit. Allerdings: "Unsere Mitarbeiter, Angehörige und auch Bewohner pflegen außerhalb der Einrichtung soziale Kontakte, auf die wir keinen Einfluss haben."

Landrätin Schneider fordert deshalb dazu auf, mit Verwandten in Heimen lieber Spazieren zu gehen, statt sie für eine Weile zu sich nach Hause zu holen. Aber auch für die Heime im Landkreis hat der Fall Konsequenzen: "Wir haben drei Teams, die seit dieser Woche drei Pflegeheime pro Woche unangemeldet begehen, um zu überprüfen, ob den Bewohnern denn auch gute Bedingungen geboten werden, um sie gut durch die Corona-Pandemie zu bringen."

Mehr Kontrollen als Konsequenz

Es stelle sich schon die Frage, "wie kann es sein, wenn die Mitarbeiter einmal wöchentlich getestet werden, dass es bei einer Reihentestung dann 43 positive Fälle gibt". Hoffnung macht die angelaufene Impfkampagne. In fast der Hälfte aller 27 Pflegeeinrichtungen im Kreis Gießen seien schon Bewohner geimpft, sagt Landrätin Schneider. In den restlichen Einrichtungen würden die Impfungen gerade vorbereitet. Auch im schwer getroffene Heim in Lollar wurden in dieser Woche laut Leitung die ersten Spritzen gesetzt.

Der Kreis Gießen hat beschlossen, Reihentests durchzuführen, wenn das Virus in einem Pflegeheim ausbricht. "Wir wollen keine Dunkelziffer", betont Landrätin Schneider. Das heißt: Ausnahmslos alle Bewohner und Pfleger werden getestet. Vom 23. Dezember bis zum 5. Januar habe der Kreis fast 1.000 Tests in Alten- und Pflegeheimen durchgeführt.