Nancy Faeser ist neue hessische SPD-Vorsitzende.

Schäfer-Gümbel geht, Faeser übernimmt: Die hessische SPD hat am Samstag die bisherige Generalsekretärin der Partei, Nancy Faeser, zur Parteivorsitzenden gewählt. Zuvor hatte sich ihr Vorgänger Thorsten Schäfer-Gümbel sichtlich bewegt verabschiedet.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Nancy Faeser: "Ein sehr ehrliches Ergebnis"

Faeser und Schäfer-Gümbel
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Die 49 Jahre alte Nancy Faeser ist neue Vorsitzende der hessischen SPD. Auf dem Landesparteitag in Baunatal (Kassel) stimmten 88,8 Prozent der rund 330 Delegierten für die bisherige Generalsekretärin der Partei. Die Juristin hatte keinen Gegenkandidaten. Zuvor hatte sich der langjährige Vorsitzende, Thorsten-Schäfer-Gümbel, sichtlich gerührt von seiner Partei verabschiedet.

In ihrer Vorstellungsrede betonte die streitbare Innenexpertin Faeser, dass sie antrete, um die Partei "wieder nach vorne zu bringen." Die SPD bezeichnete sie als "Bollwerk gegen Rechts". "Wir lassen nicht zu, dass Rassisten in unserer Gesellschaft akzeptiert werden."

Faeser forderte zudem unter anderem einen auskömmlichen Mindestlohn und ein 365 Euro ÖPNV-Jahresticket für alle. "Damit niemand im Alter arm ist, damit alle am Leben teilhaben können, brauchen wir einen hessischen Mindestlohn von mindestens 13 Euro in der Stunde", sagte sie. Außerdem stellte sie sich hinter die Klimabewegung "Fridays for Future". "Die jungen Leute haben recht", sagte sie. "Ich will eine Energiewende für Hessen."

Faeser wirbt für Vertrauen in Partei

Faeser gilt als empathisch und den Menschen zugewandt. Sie ist aber auch eine scharfzüngige Rednerin. Die Juristin hat die Gabe, ihre Argumente in der politischen Auseinandersetzung gut zuzuspitzen und zu profilieren - was Schäfer-Gümbel nicht immer gelang.

In ihrer Rede versuchte Faeser mit eindringlichen Worten, den Genossen angesichts der Krise der Sozialdemokratie Mut zu machen. "Ich werbe um euer Vertrauen in die Stärke unserer Partei", sagte sie. "Seid mutig!" Bereits ihr Großvater und ihr Vater seien SPD-Mitglieder gewesen, sagt Faeser. "Die Sozialdemokratie war in meiner Familie eine Frage der Lebenshaltung."

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An der Spitze der SPD-Fraktion im Landtag in Wiesbaden hatte Faeser bereits Anfang September das Zepter übernommen. Auch in der Fraktion hatte die 49-Jährige große Zustimmung bekommen. Zum Abschied ihres Weggefährten Schäfer-Gümbel sagte sie: "Es endet eine Ära."

Auch Schäfer-Gümbel, der 2009 die Parteiführung nach dem Ypsilanti-Desaster übernommen hatte, sparte nicht an Lob. Der 50-Jährige sagte, Nancy Faeser werde jetzt als Nachfolgerin durchstarten. Sie sei eine "Menschensammlerin" und strahle die nötige Zuversicht aus.

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Faeser: Seit 30 Jahren SPD-Mitglied

Faeser ist seit mehr als 30 Jahren SPD-Mitglied und sitzt seit 1993 für ihre Partei im Kreistag des Main-Taunus-Kreises. Seit 2003 ist sie Landtagsabgeordnete und seit 2006 Stadtverordnete ihrer Heimatgemeinde Schwalbach am Taunus.

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In seiner Abschiedsrede übernahm Schäfer-Gümbel noch einmal die Verantwortung für das Abschneiden bei der Landtagswahl 2018, bei der die Hessen-SPD ihr bislang schlechtestes Ergebnis eingefahren hatte. Nach der Wahl sei klar gewesen, dass ein Neuanfang in der Partei nötig sei. Der Parteitag verabschiedete den sichtlich gerührten Schäfer-Gümbel mit lang anhaltendem Applaus.

Wechsel an der Parteispitze nach zehn Jahren

Nach der Landtagswahl hatte sich Schäfer-Gümbel schrittweise aus der Politik zurückgezogen. Im Oktober war er nach rund zehn Jahren an der Parteispitze zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gewechselt.

Auch Parteivorstand wurde neu gewählt

Neben der Wahl der Landesvorsitzenden mussten die Delegierten des Parteitags weitere personelle Entscheidungen treffen: An der Seite von Faeser wird künftig der Bildungsexperte und Abgeordnete Christoph Degen als Generalsekretär an der Spitze der Hessen-SPD stehen. Der Wunschkandidat der neuen Parteichefin bekam 64,6 Prozent der Stimmen.

Stellvertretende SPD-Landesvorsitzende sind die beiden Bezirksvorsitzenden Timon Gremmels (Hessen-Nord) und Kaweh Mansoori (Hessen-Süd) sowie die Landrätin des Kreises Marburg-Biedenkopf, Kirsten Fründt. Gremmels bekam eine Zustimmung von 74 Prozent, Mansoori von 88 Prozent und Fründt von 94,3 Prozent. Zu Beginn dieser Woche hatte die designierte Chefin der Hessen-SPD ihr Wunschteam für den Parteivorstand vorgestellt.

Gratulation von der politischen Konkurrenz

Die politische Konkurrenz im Landtag gratulierte Faeser zur Amtsübernahme. Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender Volker Bouffier bezeichnete Faeser "als versierte Landespolitikerin", die nun die Geschicke der SPD Hessen lenke.

Der Landesvorsitzende der FDP, Stefan Ruppert, wünschte der frischgekürten Parteichefin "viel Kraft, Erfolg und Schaffenskraft für ihr neues Amt". "Ich schätze Nancy Faeser als integere und kluge Sozialdemokratin", so Ruppert. Seine Partei stehe weiterhin "für Dialog und Zusammenarbeit im Rahmen der Gemeinsamkeiten" mit der SPD zur Verfügung.