Der frühere Außenminister Klaus kinkel und Palästinenserführer Jassir Arafat umringt von einem Pulk Journalist*innen mit mikrofonen, darunter auch Christopher Plasss mit hr-Mikrofon, Aufnahme von 1997

Lebensfroh, beständig, leidenschaftlich: Christopher Plass galt als geschätzter Kollege und Journalist. Seine Arbeit nahm er sehr ernst, sich hingegen weniger. Ein persönlicher Nachruf.

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zum Video hr-Journalist Christopher Plass ist tot

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Er war ein Kerl wie ein Baum: Eine große Gestalt, kraftstrotzend, lebensfroh und beständig; immer schon da, jedenfalls für diejenigen, die Radio hörten. Als ich ins Studio Wiesbaden kam, kannte ich Christopher Plass schon seit Jahrzehnten vom Hören, als Korrespondent aus Bonn, Berlin, Madrid und Brüssel. Ein leidenschaftlicher Radiomann, der so gut war, weil er liebte, was er tat.

Ob es die Reportagen aus der spanischen Provinz waren, die Talks aus Bonn und Berlin, die die Hintergründe der politischen Ränkespiele erklärten, oder schließlich die "politische Sprengkraft der hessischen Gemeindeordnung", wie er selbst es nannte: Bei Christopher konnte man sich immer sicher sein, dass man das Wesentliche erfuhr. Er nahm seine Aufgabe ernst, weil er guten Journalismus für wichtig hielt, weil er die Welt erklären wollte.

Sein freundliches "Morgännn!"

Er nahm sich selbst aber nicht so ernst, als dass man nicht jede Menge Spaß mit ihm haben konnte. In der Früh schallte sein fröhliches "Morgännn!" über den Flur, in seinem Büro gab es Croissants und ab und zu auch ein Glas Wein (das allerdings erst später am Tag). Die Weihnachtsfeiern, die er beim Spanier für sein Team schmiss, sind bei den Wiesbadener Hörfunkkollegen legendär.

Nach den Hauptstädten Europas, in denen er als Korrespondent gearbeitet hatte, war ihm Wiesbaden keineswegs zu klein. Er vertiefte sich in die Politik der Landeshauptstadt mit dem gleichen Eifer und der gleichen Ernsthaftigkeit, wie in die seiner vorherigen Stationen. Hier "liest man sehr unmittelbar im Gesichtsausdruck des Gegenübers, dass ein Kommentar ins Schwarze getroffen hat", schrieb er über das direkte Aufeinandertreffen zwischen Politik und Presse im Landtag.

Journalistisches Schwergewicht

Ein Spitzenpolitiker warf ihm sogar einmal vor, er habe wegen Christopher die Wahl verloren - soweit reichte sein Einfluss als Radiokorrespondent vermutlich nicht, aber die Episode zeigt, als welch journalistisches Schwergewicht Christopher Plass in Wiesbaden galt.

Dass er vor etwas mehr als einem Jahr in den vorgezogenen Ruhestand ging, konnten viele nicht verstehen. Was sollte so ein Vollblut-Journalist wie Christopher ohne Mikrofon und Rotlicht nur anfangen? Er wollte reisen, durch die Pyrenäen wandern und den Jakobsweg gehen, seine Freunde in der Welt besuchen.

Wir hätten es ihm alle so sehr gegönnt und gehofft, dass er ab und zu wieder mal bei uns im Studio nach dem Rechten schaut. Das wird nicht geschehen, sein fröhliches "Morgännn!" werden wir alle nicht mehr hören. Wir vermissen es so sehr.

Weitere Informationen

Hier geht es zum Nachruf des Hessischen Rundfunks zum Tod von Christopher Plass.

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