Hibba Kauser, Lukas Mühlbauer und Kathrin Schmidt

Erste Wahl: In einigen Städten und Gemeinden in Hessen haben junge Kandidatinnen und Kandidaten besonders gut abgeschnitten. Wir stellen fünf von ihnen vor.

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Jung macht offenbar erfolgreich: Bei der Kommunalwahl in Hessen am 14. März haben einige junge Kandidatinnen und Kandidaten für Aufsehen gesorgt - und sind zum Teil mit unerwartet vielen Stimmen in die Parlamente eingezogen. Viele von ihnen wollen denen eine Stimme geben, die aus ihrer Sicht in der Politik manchmal zu kurz kommen.

Hibba Kauser (21, SPD, Offenbach): Die "Voting Queen"

Hibba Kauser hat bei der SPD Offenbach den Spitznamen "Voting Queen" bekommen, denn sie erreichte bei der Kommunalwahl die zweitmeisten persönlichen Stimmen - direkt hinter Oberbürgermeister und SPD-Politiker Felix Schwenke.

Kauser wurde schon als Teenager politisch aktiv, erzählt sie. "Seitdem ich 15 bin, habe ich Demos organisiert, habe mich als Stadtschulsprecherin eingebracht und immer wieder versucht, auf verschiedenen Ebenen etwas zu bewirken."

Die 21-Jährige möchte in der hessischen Politik dafür sorgen, dass sich mehr Menschen repräsentiert fühlen: "Der Durchschnittskandidat in Hessen heißt Andreas Müller und ist Mitte 50. Das zeigt schon: Unsere Politik ist nicht vielfältig, sie ist nicht geschlechtergerecht."

Deshalb sieht sich Kauser vor allem als Aktivistin, die versucht, politisch Einfluss zu nehmen: "Ich möchte in der Stadtverordnetenversammlung sitzen, damit ich die Stimmen, die sonst nicht gehört werden, reintragen kann." Dabei hat sie vor allem diejenigen im Blick, die zum Beispiel wegen ihres Migrationshintergrundes Rassismus erleben.

Kathrin Schmidt (21, CDU, Gießen): Die Zielstrebige

Kathrin Schmidt von der CDU Gießen

Sie kam als Teenager zur Jungen Union - demnächst sitzt Kathrin Schmidt für die CDU im Stadtparlament. Dass sie von ihrem Parteivorsitzenden bei ihrer ersten Kandidatur auf Listenplatz drei gesetzt wurde, hat sie sehr überrascht, erzählt sie. "Aber ich freue mich, weil es auch ein Signal ist, dass mehr junge Leute an den Entscheidungen unserer Stadt beteiligt werden."

Was sie an der Kommunalpolitik stört? "Ich habe manchmal das Gefühl, dass man von vornherein gegen gewisse Dinge ist, weil sie nicht aus der eigenen Partei kommen." In ihrer politischen Karriere möchte sich Schmidt deshalb dafür einsetzen, "dass wir mehr über die Ideen streiten".

Die 21-Jährige möchte sich verstärkt für die wirtschaftlichen Interessen ihrer Generation einsetzen, kündigt sie an. "Unsere Stadt lebt von Studenten, aber wir schaffen es nicht, sie nach dem Ende des Studiums in der Stadt zu halten." Das Problem betreffe sie als Studentin der Wirtschaftswissenschaft auch selbst. "Ich möchte es persönlich angehen, dass wir allen Absolventen auch ein attraktives berufliches Angebot machen.

Lukas Mühlbauer (18, SPD, Habichtswald): Der Senkrechtstarter

Lukas Mühlbauer von der SPD

Es war seine erste Kandidatur - und er ist direkt an allen anderen vorbeigezogen: Lukas Mühlbauer war bei der Wahl zur Gemeindevertretung in Habichtswald im Kreis Kassel über alle Parteien hinweg der Kandidat mit den meisten Stimmen. "Ich konnte erst mal gar nicht richtig glauben, dass das passiert ist. Man fängt mit 18 Jahren an, möchte sich engagieren und landet am Ende auf Platz eins. Das war emotional sehr überwältigend für mich."

Seine große Beliebtheit hat wohl ihren Ursprung in Mühlbauers Engagement in der Gemeinde - von der Musikgruppe über den Fußballverein bis zur freiwilligen Feuerwehr.

"Wenn man in vielen Vereinen aktiv ist, dann kennt man viele Menschen", sagt Mühlbauer. Inhaltlich möchte er sich in der Lokalpolitik besonders für Chancengleichheit, Umweltschutz und Mobilität einsetzen, kündigt der 18-Jährige an.

Eileen O'Sullivan (24, Volt, Frankfurt): Die Europäerin

Eileen O'Sullivan

Sie ist mit einer neuen Partei zum ersten Mal bei einer Kommunalwahl angetreten und hat damit in Frankfurt 3,7 Prozent der Stimmen geholt: Eileen O'Sullivan. Ihre Partei Volt wirbt für "Fahrradfahren wie in Kopenhagen" oder "sozialen Wohnungsbau wie in Wien", definiert sich als gesamteuropäisch.

Dazu passt Eileen O'Sullivan gut als Spitzenkandidatin: Die Frankfurterin hat irische und türkische Wurzeln und studiert Politikwissenschaft. Dass Volt ab April mit vier Sitzen im Stadtparlament vertreten sein wird, kam für sie überraschend: "Tatsächlich war das erste, das ich gedacht habe: krass", erzählt O'Sullivan.

Sie möchte mit Volt Frankfurt mit mehr Grünflächen klimafreundlicher machen, den Radverkehr und Sharing-Angebote ausbauen. Ihr Herzensthema sei aber die Bürgerbeteiligung, sagt O'Sullivan, "weil ich mehr Menschen in Frankfurt repräsentiert sehen möchte". Dafür wünscht sie sich eine Demokratie-App und Jugendparlamente.

Yannick Schwander (32, CDU, Frankfurt): Der Erfahrene

Yannick Schwander von der CDU

Mit seinen 32 Jahren ist Yannick Schwander aus Frankfurt schon fast ein alter Hase in der Politik - er saß mit 23 zum ersten Mal im Ortsbeirat seines Stadtteils Nieder-Erlenbach. Mit 28 Jahren wurde er dort Ortsvorsteher. Jetzt wurde er ins Frankfurter Stadtparlament gewählt.

An der Kommunalpolitik mag er, dass man die Ergebnisse der eigenen Arbeit unmittelbar spüre, sagt Schwander. Wenn ihn in seiner Straße ein Schlagloch störe - "dann schreibt man einen Antrag, dann wird das Schlagloch repariert. Diese unmittelbaren Auswirkungen zum Wohle meiner Mitmenschen begeistern mich einfach."

Schwander betont, dass er über die sozialen Netzwerke versuche, auch jüngere Menschen für Politik zu begeistern. Auf seiner Facebook-Seite postet er zum Beispiel politische Memes: "Ich glaube, dass es der Kommunalpolitik gut tut, wenn man komplexere Dinge auch mal vereinfachter darstellt, ohne einfache Antworten zu geben." Im Frankfurter Römer will sich Schwander vor allem für die ländlichen Stadtteile einsetzen - zum Beispiel für den Erhalt landwirtschaftlicher Flächen und eine bessere Anbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr.

Sendung: hr-iNFO, Politik, 18.03.2021, 20.35 Uhr