Neue und alte CDU-Vorsitzende: Kramp-Karrenbauer und Merkel am Freitag in Hamburg (v.l.)
Neue und alte CDU-Vorsitzende: Kramp-Karrenbauer und Merkel am Freitag in Hamburg (v.l.) Bild © picture-alliance/dpa

Annegret Kramp-Karrenbauer ist auf dem CDU-Parteitag in Hamburg mit knapp 52 Prozent zur neuen Bundesvorsitzenden gewählt worden. Ministerpräsident Volker Bouffier verzeichnete als ihr Vize einen großen Erfolg.

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Das gibt es nicht allzu oft: Standing ovations, bevor die Rede überhaupt begonnen hat. Doch die Delegierten auf dem CDU-Bundesparteitag in Hamburg waren an diesem Freitag entschlossen, ihrer Parteivorsitzenden einen würdigen Abschied zu bereiten. So klatschten sie zu Beginn und klatschten mehr als neun Minuten lang am Ende der Rede, zur Freude einer sichtlich gerührten Merkel.

Bouffier dankt Merkel

Partei und Vorsitzende hätten sich gelegentlich etwas zugemutet, sagte sie: "Ich Euch - und ganz, ganz selten auch mal umgekehrt!", sagte sie unter dem Gelächter der Delegierten. Doch die Zumutungen spielten heute keine große Rolle mehr: Es galt, der Parteivorsitzenden Dank zu sagen.

Das übernahm ihr Stellvertreter Volker Bouffier, der darauf verwies, dass in den 18 Jahren, die Angela Merkel die CDU führte, anderswo mehr Wechsel war: drei Päpste, 28 Trainer des HSV und zehn SPD-Vorsitzende gab es in dieser Zeit. Dass sie am Tag nach der hessischen Landtagswahl den Weg frei gemacht hat für ihre Nachfolge, habe die Partei belebt, sagte Bouffier.

Ex-Ministerpräsident Koch irritiert

Tatsächlich fieberten die Delegierten dem Moment entgegen, endlich die Wahl zu haben. Die drei Kandidaten Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn hatten sich wochenlang in Regionalkonferenzen vorgestellt, in den Ortsverbänden hatte es Diskussionen gegeben, am Donnerstagabend berieten die Delegierten in ihren Landesgruppen.

Der hessische Parteivorsitzende Bouffier versuchte erst gar nicht, die Hessen auf eine Linie einzuschwören. Zu offensichtlich war bereits, dass es in der Gruppe Unterstützer für alle drei geben würde: am meisten wohl für Merz und Kramp-Karrenbauer, wenige für Spahn.

Dass jedoch der frühere Parteichef Roland Koch das Wort ergriff, um sich für seinen Freund Friedrich Merz auszusprechen, wurde von einigen mit Stirnrunzeln registriert: "Das macht man als Ehrenvorsitzender nicht", hieß es von mehr als einem Teilnehmer.

Spannung vor Stichwahl

Um 14 Uhr am Freitag war es schließlich soweit: Kramp-Karrenbauer machte den Anfang, beschwor die Partei, mit Mut die Zukunft zu gestalten: "Wir können, wir wollen, wir werden." Friedrich Merz will einen Strategiewechsel: "Ohne klare Positionen bekommen wir keine besseren Wahlergebnisse." Und Jens Spahn sprach von seiner Ungeduld, die Probleme anzupacken: "Es ist mir nicht egal; das treibt mich an."

Kurze Fragerunde, und dann wurden die Tisch-Wahlkabinen aus Pappe aufgestellt. Geheime Wahl, erste Runde und Jens Spahn war erwartungsgemäß raus. Stichwahl, wieder verschwinden die Köpfe hinter den Tischwahlkabinen. Der Saal summt vor Aufregung, die überragende Frage: auf wen verteilen sich die 157 Stimmen, die Spahn hatte?

Bouffier als CDU-Vizechef bestätigt

Eine Minute vor 17 Uhr ist dann klar: Kramp-Karrenbauer hat mit 35 Stimmen Vorsprung gewonnen. Die beiden Männer sind faire Verlierer, gratulieren und bieten ihre Mitarbeit an. Es wirkt aufrichtig.

Hessens Ministerpräsident Bouffier bezeichnete die Wahl als gute Entscheidung für die Partei. "Ich bin davon überzeugt, Annegret Kramp-Karrenbauer wird eine sehr gute Parteivorsitzende sein", sagte Bouffier. Es spreche für sie, dass sie auch "das Herz der Partei" erreicht habe. Er arbeite seit vielen Jahren sehr gut mit Kramp-Karrenbauer zusammen, sagte Bouffier. Davon gehe er auch für die Zukunft aus.

Bouffier wurde am Abend von den Delegierten als Vize-Vorsitzender der Partei bestätigt. Die geräuschlose schwarz-grüne Koalition in Hessen und demonstrative Treue zu Merkel scheinen ihm offenbar nicht geschadet zu haben. Im Gegenteil: Mit 90,04 Prozent erhielt Bouffier die höchste Zustimmung der fünf gewählten Kandidaten. Es folgte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit 86 Prozent. Bouffier ist seit 2010 stellvertretender Vorsitzender der Bundes-CDU. Vor zwei Jahren hatte er 85,4 Prozent erhalten.

Die CDU ist mit sich mehr als zufrieden

Und die Delegierten? Wen auch immer sie gewählt haben: es herrscht einhellige Freude darüber, dass die CDU sich mit dieser Wahl so regeneriert hat. Andere Parteien, so sagt es die neue Vorsitzende und viele stimmen ihr zu, andere Parteien sehen mit Neid darauf, wie die CDU die Nachfolge von Angela Merkel geregelt hat. Die CDU ist mit sich mehr als zufrieden. Und das Wort des Tages lautet: Tischwahlkabinen.