Zwei Frauen sitzen in einem Café und werden von einer Kellnerin mit Maske bedient

Hessen lockert weiter: Ab Donnerstag entfällt die Testpflicht für die Innengastronomie, bis zu 25.000 Fans dürfen sich im Stadion tummeln. Noch könnte das für ganz Hessen gelten - doch einige Kreise kratzen am entscheidenden Grenzwert.

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hessenschau vom 19.07.2021
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"Die Pandemie ist nicht rum", stellte Volker Bouffier (CDU) gleich zu Beginn der Pressekonferenz am Montag klar. Und doch zeichnet der Ministerpräsident nach den Beratungen des Corona-Kabinetts ein durchaus positives Bild der Lage: Beim Impfen sei man gut unterwegs, die Inzidenzen seien sehr niedrig, die Belastung in den Krankenhäusern gering.

Seit mehreren Wochen habe man die Delta-Variante hier in Hessen, man könne aber noch nicht erkennen, dass es sich auf die stationäre Belegung übertrage. "Das ist die zentrale Botschaft - und das ist auch der Grund, warum man heute auch weitere Erleichterungen beschließen kann", so Bouffier.

Weniger Tests, größere Veranstaltungen

Gemeinsam mit seinem Stellvertreter, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne), stellte der Ministerpräsident die Lockerungen vor. Sie greifen ab kommendem Donnerstag (22. Juli), wenn die bisherige Corona-Verordnung ausläuft. Die Regeln im Überblick:

  • Gastronomie: Im Innenbereich entfällt die Testpflicht.
  • Veranstaltungen: Im Innenbereich sind ohne Genehmigung bis zu 750 Personen erlaubt. Ab 100 Teilnehmern muss ein negativer Test, Impfnachweis oder Genesenennachweis vorgelegt werden. Im Außenbereich dürfen maximal 1.500 Menschen ohne Genehmigung zusammenkommen, Geimpfte und Genesene zählen nicht mit. Bei größeren Veranstaltungen ist weiter eine Genehmigung notwendig.
  • Sportveranstaltungen: Ab einer Zuschauerzahl von 5.000 ist eine 50-prozentige Auslastung in Stadien möglich, maximal sind 25.000 Menschen zugelassen. Damit übernimmt Hessen die Regelungen für Großveranstaltungen, die auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien vereinbart wurden.
  • Übernachtungen: Bei touristischen Übernachtungen muss nur noch bei der Anreise ein negativer Test vorgelegt werden, alternativ ein Impf- oder Genesenennachweis.
  • Tanzveranstaltungen: Es darf weiterhin nur draußen getanzt werden. Die nötige Fläche pro Person wird verkleinert - von zehn Quadratmetern auf fünf.

Die Maskenpflicht in Innenräumen bleibt Al-Wazir zufolge weiter bestehen. Diese angekündigten Lockerungen sollen in allen Kreisen gelten, in denen die Inzidenz unter 35 liegt. Übersteigt ein Kreis den Wert, sollen die bisherigen Einschränkungen wieder greifen.

Allerdings, so erklärte Bouffier: Wenn das Infektionsgeschehen "konkret fassbar" sei, müsse nicht der ganze Kreis lahmgelegt werden. Sprich: Gehen viele der Corona-Fälle zum Beispiel auf eine einzelne Feier zurück, kann der Kreis selbst entscheiden, wie er agiert. Die Verordnung soll bis zum 19. August gelten, dann will das Corona-Kabinett erneut beraten.

Einige Kreise kratzen am Grenzwert

Am Montag lagen alle Kreise in Hessen unter dem Grenzwert von 35 - allzuweit waren die Städte Darmstadt (34,4), Wiesbaden (28,7) und Frankfurt (28,4) davon laut Robert-Koch-Institut aber nicht mehr entfernt. Seit wenigen Wochen ziehen die Werte vielerorts wieder an, auch die landesweite Inzidenz ist von 7,8 Anfang Juli auf 13,6 am Montag gestiegen.

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Einen Grund zur Sorge sieht Bouffier darin aber noch nicht. Vor zwei oder drei Monaten hätte man bei diesen Zahlen gejubelt, so Bouffier. Gleichzeitig sehe man, dass die Zahlen auf einem niedrigen Niveau anstiegen. "Das ist alles andere als verwunderlich - wir haben ein Delta-Variante, die ist ansteckender."

Entscheidender sei die Situation in den Krankenhäusern. Laut Bouffier werden akutell 59 Infizierte auf den Intensivstationen behandelt, 35 davon werden beatmet. Zur Hochzeit lag die Zahl der Intensivpatientinnen und -patienten bei über 570 Patientinnen. Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer hatte zuletzt im hr-Interview davor gewarnt, sich nur an dem Ziel zu orientieren, die Krankenhäuser nicht zu überlasten.

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Der FDP ist es zu wenig, der Linken zu viel

Die Opposition zeigte sich wenig begeistert von den angekündigten Lockerungen - aus unterschiedlichen Gründen. "Die Landesregierung agiert zu zögerlich", befand der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Landtag, René Rock. Er kritisierte, dass trotz steigender Impfzahlen weiter vor allem die Inzidenz betrachtet werde und Clubbetreiber immer noch vernachlässigt würden. "Gefeiert wird sowieso – da ist es doch besser, wenn dies kontrolliert und mit Nachverfolgung geschieht."

Der Linken dagegen gehen die Beschlüsse zu weit. "Offenbar hat sich das Corona-Kabinett der hessischen Landesregierung eher von Boris Johnson als von den Gefahren einer vierten Welle inspirieren lassen", sagte Christiane Böhm, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion. Sie bemängelte vor allem die Lockerungen bei der Testpflicht. Tests ermöglichten es immerhin, Infektionsketten nachzuverfolgen und unterbrechen zu können, so Böhm.

Schulen sollen mit Präsenzunterricht starten

In den Schulen soll die Testpflicht dagegen mit Blick auf die Reiserückkehrer vorübergehend ausgeweitet werden - von derzeit zwei auf drei Tests pro Woche. Das hatte Kultusminister Alexander Lorz bereits in der vergangenen Woche angekündigt. Außerdem gilt eine Maskenpflicht am Platz während des Unterrichts. Diese verschärften Corona-Regeln sollen in den ersten beiden Wochen nach den Sommerferien greifen. Lorz hatte außerdem erklärt, dass zum neuen Schuljahr alle Schulformen landesweit im Präsenzunterricht starten werden.

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