Gastronomie: Kunststoffscheiben trennen die einzelnen Gäste voneinander.

Lockdown und Distanzunterricht soll es in Hessen künftig nicht mehr geben. Die neue Corona-Verordnung der Landesregierung soll ab Donnerstag in Hessen das Leben für Geimpfte, Getestete und Genesene einfacher machen. Auch das Feiern in Clubs wird wieder möglich.

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Während sich Baden-Württemberg bereits von der Sieben-Tage-Inzidenz losgesagt hat, will Hessen seine Corona-Regeln weiterhin nach diesem Wert ausrichten. Das beschloss das hessische Corona-Kabinett am Dienstag.

"Die Inzidenz ist und bleibt ein Indikator für das Infektionsgeschehen vor Ort", sagte der stellvertretende Ministerpräsident, Tarek Al-Wazir (Grüne), der die Ergebnisse im Anschluss gemeinsam mit Kultusminister Alexander Lorz (CDU) in Wiesbaden vorstellte.

Die Corona-Schutzverordnung des Landes werde verlängert und an die Ergebnisse der Bund-Länder-Konferenz von vergangener Woche angepasst, sagte Al-Wazir. Sie tritt am Donnerstag (19. August) in Kraft und gilt zunächst bis zum 16. September. Dazu gehört weiterhin das Eskalationskonzept mit drei Inzidenzstufen.

Eskalationskonzept ausgeweitet:

  • Allerdings wird ab einer Inzidenz über 35 jetzt die sogenannte 3-G-Regel ausgeweitet: 3-G steht für "geimpft", "getestet" und "genesen". Dass eines davon zutrifft, musste man in Hessen bisher nur beim Besuch der Innengastronomie und bei größeren Zusammenkünften nachweisen. Ab Donnerstag gilt die Nachweispflicht in vielen Einrichtungen des öffentlichen Lebens - etwa in Kultur- und Sportstätten, bei Hotelübernachtungen, körpernahen Dienstleistungen oder etwa beim Besuch in Behinderteneinrichtungen. Nicht geimpfte und nicht genesene Hotelgäste müssen künftig zweimal wöchentlich einen Negativnachweis vorlegen. Zuletzt war das nur einmal bei der Anreise nötig.
  • Bei einer Inzidenz über 50 muss zum Beispiel bei Gedränge auch draußen eine Maske getragen werden. Veranstaltungen können draußen ohne Genehmigung mit bis zu 500 Personen (bislang 200) und in Innenräumen mit bis zu 250 Personen (bislang 100) stattfinden. Geimpfte und Genesene zählen nicht mit.
  • Ab einer Inzidenz von 100 gilt die 3-G-Regel dann auch draußen, auch in der Gastronomie. Im Einzelhandel soll es bei hohen Zahlen wieder Quadratmeter-Vorgaben geben. Im Nahverkehr werden für die Fahrgäste wieder FFP2-Masken verpflichtend und Schüler müssen am Sitzplatz Maske tragen. Es soll auch wieder zu Kontaktbeschränkungen auf zehn Personen kommen: Geimpfte und Genesene zählen nicht mit.
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Bund-Länder-Vereinbarung:

Mit diesen Regelungen folgt die Landesregierung den Beschlüssen des Bund-Länder-Treffens vergangene Woche. Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten hatten sich dabei geeinigt, dass Corona-Tests bis auf wenige Ausnahmen kostenpflichtig werden. Für Ungeimpfte gilt ab dem 23. August eine erweiterte Testpflicht in Innenräumen. Das Tragen einer Maske im öffentlichen Nahverkehr oder im Einzelhandel bleibt für alle bestehen.

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Kein Lockdown mehr

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Derzeit liegen über die Hälfte der hessischen Landkreise unter der Inzidenz von 35, sodass die Maßnahmen vielerorts erst einmal noch nicht angewandt werden müssen. Da mehr als 60 Prozent der Hessinnen und Hessen inzwischen erstgeimpft seien, so Al-Wazir, seien viele Beschränkungen nicht mehr nötig.

Man wisse inzwischen, dass auch bei hohen Infektionszahlen nicht zwangsläufig viele Menschen ins Krankenhaus kommen. Deshalb soll das öffentliche Leben auch nicht mehr komplett herunter gefahren werden: "Unser Eskalationskonzept sieht keinen Lockdown mehr vor", sagte Al-Wazir. Bei Inzidenzen deutlich über 100 müsse man allerdings vor Ort neu entscheiden.

Mehr Party - auch drinnen

Gute Nachrichten gab es nach vielen Monaten der Schließung für Clubs und Diskotheken in Hessen: Sie dürfen laut der neuen Verordnung wieder ihre Innenbereiche öffnen.

FBM19 Closing Party

Doch gelte hier eine besonders strenge 3-G-Regel, kündigte Al-Wazir an: Neben Geimpften und Genesenen dürfen zwar auch Getestete in die Clubs - allerdings reicht für sie ein Schnelltest nicht aus. Es muss ein verlässlicherer und deutlich teurerer PCR-Test vorliegen. Außerdem gilt eine Maskenpflicht. Pro Gast muss der Club oder die Disko fünf Quadratmeter Platz vorsehen.

Nur noch Präsenzunterricht an Schulen

Auch an Hessens Schulen soll es keinen "Lockdown" mehr geben, kündigte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) an. Das heißt mit Blick auf den Schulstart nach den Sommerferien in zwei Wochen: kein Wechselunterricht und kein Distanzunterricht mehr - auch wenn die Inzidenzen weiter steigen.

"Aus der heutigen Perspektive sehen wir diese Möglichkeit nicht mehr vor", sagte Lorz. Lediglich eine Maskenpflicht am Platz bleibt als Maßnahme im Konzept verankert.

Schüler sitzen im Klassenzimmer einer Grundschule.

Neu ist ein sogenanntes Testheft, das die Schülerinnen und Schüler künftig bekommen sollen: Darin dokumentieren Lehrerinnen und Lehrer die Corona-Tests, die sie in der Schule durchführen. Kinder und Jugendliche könnten das Heft dann auch in der Freizeit als Testnachweis vorzeigen - etwa beim Kino-, Café- oder Friseurbesuch.

Nach Schulstart sind in Hessen zwei sogenannte Präventionswochen vorgesehen, in denen Schülerinnen und Schüler dreimal statt nur zweimal pro Woche getestet werden und am Platz ihre Masken tragen müssen. Hintergrund sind Reiserückkehrer. Nach den Präventionswochen soll es dann im gewohnten Rhythmus mit zwei Tests pro Woche weitergehen.

Lorz begrüßt Impf-Empfehlung für Kinder

Lorz begrüßte die neue Impf-Empfehlung der Ständigen Impfkommission und appellierte an die Eltern, ihre Kinder ab zwölf Jahren impfen zu lassen. Man werde die Schulen bei Impfangeboten unterstützen. Es seien aber noch zwei Wochen Ferien. Bis zum Schulstart könne sich jeder im Impfzentrum ohne Termin impfen lassen.

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