Janine Wissler gratuliert Nancy Faeser

Die neue Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag gilt als freundlich, aber auch als knallhart und scharfzüngig. Mit Nancy Faeser als Oppositionschefin dürften die Debatten im Landtag wieder hitziger werden.

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zum Video Nancy Faeser folgt Schäfer-Gümbel als SPD-Fraktionsvorsitzende

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Ein neues Gesicht an der Spitze der SPD-Landtagsfraktion: Nancy Faeser wurde am Mittwochvormittag zur Nachfolgerin von Thorsten Schäfer-Gümbel gewählt. Sie erhielt 27 Ja-Stimmen und eine Gegenstimme. Die Innenexpertin und frühere stellvertretende Fraktionsvorsitzende hatte keinen Gegenkandidaten. Ihre Nominierung war noch einstimmig gewesen, allerdings auch in offener Abstimmung erfolgt. Schäfer-Gümbel hatte am Vortag nach rund 16 Jahren im Parlament und mehr als zehn Jahren an der Spitze der Fraktion sein Mandat zurückgegeben.

Beharrlich an die Spitze

Sie sei glücklich über die breite Unterstützung, sagte Faeser nach ihrer Wahl. "Für mich ist die SPD eine tolle Partei, nach wie vor", beteuerte sie. "Ich bin mit Leib und Seele Sozialdemokratin und freue mich wahnsinnig auf diese Herausforderung."

Tatsächlich gilt die 49-Jährige schon lange als starke Frau der Hessen-SPD. In ihrer bisherigen politischen Karriere hatte sie schon einige Positionen und Ämter inne: Generalsekretärin, innenpolitische Sprecherin, Vize-Fraktionschefin und zweimal Schatten-Innenministerin.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found hr-Landtagskorrespondent: "Argumentativ knallhart"

Nancy Faeser am Rednerpult, im Hintergrund Innenminister Peter Beuth.
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Außerdem war die Juristin aus Schwalbach (Main-Taunus) schon seit längerem eine enge Vertraute und quasi die rechte Hand von Schäfer-Gümbel. Auch den SPD-Landesvorsitz will Faeser von Schäfer-Gümbel übernehmen: Auf einem Parteitag im November will sie für das Amt kandidieren.

Weniger Diplomatie, mehr klare Kante

Faeser gilt als eine freundliche und zugewandte Politikerin, die gerne und ausgiebig lacht. Am Rednerpult kann sie jedoch blitzschnell auf härtere Gangarten umschalten. Das bekamen nicht nur rechtsradikale Zeugen im NSU-Untersuchungsausschuss zu spüren, sondern auch Innenminister Peter Beuth (CDU), mit dem sie sich im Plenum schon viele Redeschlachten geliefert hat.

Diese Scharfzüngigkeit erkennt auch ihr Vorgänger Schäfer-Gümbel neidlos an: "Das ist ein offenes Geheimnis, dass die Kollegin Faeser gelegentlich etwas spitzer formuliert als ich - und dass ich vielleicht nicht immer profiliert und zugespitzt genug unsere Position vertreten habe." Mit Faeser als Fraktionschefin dürfte es also weniger Diplomatie und mehr klare Kante geben.

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Nancy Faeser vor Willy-Brandt-Porträt
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Klimaschutz als Thema

Schwieriger wird es mit der Beschreibung ihrer politischen Haltung innerhalb der SPD. Faeser wird eher dem rechten SPD-Flügel zugerechnet. Sie selbst sagt zu ihren Zielen für Hessen: "Wir müssen uns als SPD ein Stück weiterentwickeln von der Partei des sozialen Ausgleichs hin zu der Partei des sozialökologischen Ausgleichs." Das Themen Umwelt- und Klimaschutz will sie verstärkt angehen. Diese Themen "können wir nicht liegenlassen", betonte sie. "Ich habe selber einen Sohn." Als weitere Schwerpunkte nannte sie die Bildung, bezahlbares Wohnen und Mobilität.

Wichtig ist ihr auch das Lokale. Neben ihrem Landtagsmandat ist Faeser Mitglied im Kreistag des Main-Taunus-Kreises und Stadtverordnete in Schwalbach. Dort sei man "permanent mit den Alltagsthemen der Menschen konfrontiert", sagt sie. Da gebe es kein Wegducken. Das dürfte auch für den Landtag gelten. Mit Faeser als Oppositionschefin werden vermutlich viele Debatten im Plenum, die nach der Landtagswahl etwas eingeschlafen wirkten, wieder hitziger werden.  

Sendung: hr-fernsehen, 04.09.2019, 13:00 Uhr