Corona-Spritze in Hand mit Impfdose

Impfdosen gibt es inzwischen genug, dafür geht die Bereitschaft der Menschen zurück, sich den Piks auch geben zu lassen. Deshalb gibt es ab Montag die Impfung "to go" ohne Termin.

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zum Video Hessen informiert über weitere Impfstrategie

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Beim Onlineportal registrieren oder in der Warteschleife der Impfhotline hängen: Beides ist ab Montag Geschichte. Denn ab dem 2. August können Hessinnen und Hessen einfach ohne Termin zum Impfzentrum gehen und sich den Piks gegen Corona geben lassen - spontan und überall im Land.

Impfung ohne Termin

Dieses Angebot ist Teil der neuen Impfstrategie, die Innenminister Peter Beuth (CDU) und Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) am Mittwoch in Wiesbaden vorgestellt haben. Demnach spielt es auch keine Rolle mehr, aus welchem Landkreis jemand kommt:

Wer geimpft werden möchte, kann sich bei jedem beliebigen Impfzentrum in Hessen melden und ohne vorherige Anmeldung geimpft werden. Dazu sind nur ein Ausweisdokument, die Krankenkassenkarte und der gelbe Impfpass nötig. Den Termin für die Zweitimpfung bekommt man vor Ort.

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Audioseite Sofortimpfung ab Montag in allen Impfzentren

Eine Frau wird beim Hausarzt gegen das Coronavirus geimpft.
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In einigen Landkreisen würden die Impfzentren auch Kindern ab 12 Jahren Angebote machen, sagte Beuth. Interessierte sollten sich vorab informieren. Inzwischen würden die Impfzentren über ausreichend Impfstoffe verfügten und das notwendige Personal für die Aktion bereitstellen.

Nachfrage in Impfzentren sinkt

Viele leere Stühle in einer großen Halle

Der Grund für die Änderung ist eine spürbare Impfmüdigkeit in Hessen: In den 28 landesweiten Impfzentren waren zuletzt immer öfter Termine verstrichen, weil niemand kam. Die Aktion soll das Impftempo wieder erhöhen. Es gehe darum, die Schwelle möglichst niedrig zu legen für diejenigen, die sich noch nicht zur Impfung entschließen konnten, sagte Gesundheitsminister Klose.

Beuth betonte, mit Blick auf die ansteckendere Delta-Variante, sei "jeder zusätzliche Prozentpunkt ein wichtiger Erfolg für die Impfkampagne".

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Impfzahlen für Hessen

60 Prozent der Hessinnen und Hessen sind laut Gesundheitsministerium mindestens einmal gegen Corona geimpft. Rund die Hälfte sind doppelt geimpft. Das entspricht 3,8 Millionen Erstimpfungen und 3,1 Millionen Zweitimpfungen. 85 Prozent der über 60-Jährigen sind mindestens einmal geimpft. Alle Infos zum Impffortschritt gibt es hier.

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"To go"-Angebot ist zeitlich begrenzt

Da die Sofortimpfung nur in Impfzentren möglich ist, hat das Angebot eine Deadline: Anfang September. Denn spätestens am 30. September werden alle Impfzentren in Hessen geschlossen. Daran hält die Landesregierung fest.

Bis dahin müssen alle, die in einem Impfzentrum ihre Erstimpfung erhalten haben, auch ihre Zweitimpfung dort bekommen. "Die Impfzentren werden sicherstellen, dass die Intervalle der Impfungen eingehalten werden", sagte Beuth. Diese Intervalle, oder Abstände zwischen Erst- und Zweitimpfungen, betragen laut Robert-Koch-Institut:

  • 3-6 Wochen bei Biontech
  • 4-6 Wochen bei Moderna
  • 9-12 Wochen bei AstraZeneca
  • mindestens 4 Wochen bei Kreuzimpfungen

Das heißt also: Spontan vorbei schauen können Impfwillige nur bis spätestens Anfang September, mindestens drei Wochen vor Schließung der Impfzentren. Sonst reicht der Abstand nicht mehr für die Zweitimpfung.

Und nach Schließung der Impfzentren?

Schon jetzt wird in Arztpraxen mehr geimpft als in Zentren. Ab 1. Oktober sollen dann Hausarztpraxen, niedergelassene Fachärzte und Betriebsärzte die Corona-Impfungen allein stemmen und eine Regelversorgung für Hessen herstellen, teilten Beuth und Klose mit.

Das stelle kein Problem dar, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Frank Dastych: "Wir haben Kapazitäten von 350.000 Impfungen pro Woche in den Praxen." Betriebsärzte nicht eingerechnet. "Wir werden ab 1.10. nur noch einen sehr überschaubaren Prozentsatz von offenen Erst- und Zweitimpfungen zu bewältigen haben", glaubt Dastych.

Auch Menschen, die keinen Hausarzt haben, bräuchten sich nicht zu sorgen, wenn die Zentren schließen, so Dastych: "Sprechen Sie die Niedergelassenen an", appellierte er. Auch viele Fachärzte würden inzwischen impfen. Vielmehr werde es im Herbst darum gehen, Menschen zu motivieren, sich impfen zu lassen. Haus- und Fachärzte sprächen schon jetzt gezielt ihre Patienten an, um sie zu beraten.

Klose: Sonderimpfaktionen ausbauen

Darüber hinaus werde es auf niedrigschwellige und kreative Angebote ankommen, sagte Klose - und nannte als Beispiele den Impfbus im Main-Kinzig-Kreis und die Impfnacht in Gießen.

Zuletzt hatten bereits viele Kreise auf Eigeninitiative versucht, Menschen schnell und unkompliziert mit Impfstoff zu versorgen und so das Impftempo voranzutreiben: Etwa mit einer Impfaktion für Eintrachtfans im Frankfurter Stadion oder mit einem Impfmobil auf einem Supermarktparkplatz in Griesheim (Darmstadt-Dieburg). Solche Ideen gelte es bis zur Schließung der Impfzentren weiterzuentwickeln, sagte Klose: "Ich bin sicher, dass das Schule machen wird."

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