Finanzminister Thomas Schäfer lobt die bisherige Auswertung der Panama Papers.
Finanzminister Thomas Schäfer lobt die bisherige Auswertung der Panama Papers. Bild © picture-alliance/dpa

Acht Steuerfahnder werten 49 Millionen Daten aus. Das klingt nach Sisyphusarbeit, doch laut Finanzministerium lohnt sich die Durchforstung der "Panama Papers": für die Staatskasse und das Gerechtigkeitsgefühl.

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Nach der Enthüllung der "Panama Papers" vor rund drei Jahren laufen in Deutschland mittlerweile rund 150 Strafverfahren - neun davon in Hessen. Das hat Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am Mittwoch in der Oberfinanzdirektion Frankfurt berichtet.

Bisher kann sich der deutsche Fiskus demnach über 4,2 Millionen Euro Mehreinnahmen freuen - in Hessen sind es 175.000 Euro. Tendenz: steigend. Denn die Aufarbeitung sei noch lange nicht abgeschlossen, sagte Schäfer.

Nach Erkenntnissen des Rechercheverbunds von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung nahm der deutsche Fiskus dank der "Panama Papers" sogar bereits 150 Millionen Euro mehr ein. Diese Zahl könne er nicht bestätigen, sagte Schäfer.

Hessische Ermittler bilden zentralen Knotenpunkt

Für die akribische Kleinarbeit im Hintergrund ist eine eigens dafür eingerichtete Task Force aus Hessen verantwortlich: Das Team wertet seit eineinhalb Jahren bundesweit federführend die Ergebnisse der Finanzströme in die mittelamerikanische Steueroase aus. Ein Teil der Ermittlungsgruppe sitzt im Bundeskriminalamt in Wiesbaden, ein anderer Teil im Finanzamt Kassel II-Hofgeismar. Dort arbeiten acht Experten daran, die "Panama Papers" zu durchleuchten - unterstützt von der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft und der Oberfinanzdirektion in Frankfurt.

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Hessens Finanzminister Thomas Schäfer bei einer Zwischenbilanz zu den "Panama Papers"

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Schäfer: Steuersünder sollen sich nicht mehr sicher fühlen

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Was das Team herausfindet, wird an Finanzbehörden im In- und Ausland weitergegeben. Laut Schäfer hat allein das Kasseler Ermittlungsteam bisher Zahlen, Daten und Fakten zu über 1.500 Offshore-Firmen recherchiert und zur Verfügung gestellt. "Wir knüpfen von Hessen aus ein dichtes Netz im Kampf gegen Steuerkriminalität, das immer engmaschiger wird. Ich hoffe sehr, dass sich darin immer mehr Steuerkriminelle verfangen," sagte der Minister.

Acht Finanzfahnder werten 49 Millionen Dokumente aus

Die "Panama Papers" - geleakte Daten vom Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca in Panama-Stadt - umfassen fast 49 Millionen Dokumente, allesamt ungeordnet und meistens auf Englisch oder Spanisch. Ausgewertet ist bisher erst ein kleiner Teil. "Die Ermittlerinnen und Ermittler benötigen einen langen Atem," sagte Schäfer. Das sei im Kampf gegen Steuerkriminalität aber absolut notwendig. Man setze von Hessen aus ein starkes Zeichen. "Wer die Gemeinschaft betrügt, indem er sich bereichert, gehört bestraft."

Im April 2016 hatte ein internationales Rechercheteam Details über Briefkastenfirmen in Panama enthüllt. Dadurch waren Politiker, Geschäftsleute und Prominente weltweit unter Druck geraten. Das Bundeskriminalamt hatte die "Panama Papers" im Sommer 2017 gekauft, um sie im Kampf gegen Geldwäsche und Steuerbetrug aufzuarbeiten. Hessen hatte sich mit mehr als 300.000 Euro daran beteiligt.

Auch an Sichtung der "Paradise Papers" beteiligt

Nach Angaben des Finanzministeriums werten hessische Ermittler nicht nur die "Panama Papers" federführend für Deutschland aus, sondern auch andere Daten-Leaks - wie zum Beispiel die "Paradise Papers".

Diese wurden Ende 2017 veröffentlicht und zeigen, wie Reiche überall auf der Welt Steuern vermeiden. Schäfer sagte, dass der Bund auf die hessische Steuerverwaltung setze, liege an der großen fachlichen Expertise: "Manpower und Know-how - davon haben wir in Hessen im Kampf gegen Steuerkriminalität jede Menge zu bieten."