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Frankfurt: Grüne und Linke küren OB-Kandidatinnen

Das Kandidaten-Karussell für die Wahl des Frankfurter Oberbürgermeisters im März nimmt weiter Form an. Neben den Bewerbern von Grünen, SPD und CDU stehen weitere Kandidatinnen und Kandidaten fest. Hier eine aktuelle Übersicht.

Nach der Abwahl von Peter Feldmann (SPD) zeichnen sich bereits eine ganze Reihe von Kandidatinnen und Kandidaten ab, die zur kommenden Oberbürgermeister-Wahl in Frankfurt am 5. März 2023 antreten wollen.

Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann

Die Grünen-Parteibasis segnete ihren Vorschlag der parteiinternen Findungskommission am 19. November mit eindeutiger Mehrheit ab: Die Bundestagsabgeordnete Manuela Rottmann wurde mit 209 von 220 abgegebenen Stimmen (95 Prozent) bei einer Kreismitgliederversammlung als OB-Kandidatin aufgestellt.

Dabei hatte die Personalie mangels "Stallgeruch" im Vorfeld für Unmut innerhalb der Partei geführt. Schließlich war die 50 Jahre alte Würzburgerin zuletzt vor zehn Jahren als Umweltdezernentin im Römer tätig. Seit 2017 sitzt Rottmann für die bayrischen Grünen im Bundestag, seit 2021 ist sie zudem Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Sollte Rottmann erste grüne Oberbürgermeisterin von Frankfurt werden, will sie die Stadt nach eigenen Angaben bis 2035 klimaneutral machen.

CDU-Kandidat Becker schon länger in Stellung

Zwei Wochen zuvor hatte die Frankfurter CDU bereits ihren Kandidaten kommuniziert: Der langjährige Stadtkämmerer und Vorsitzende des Frankfurter CDU-Kreisverbands Uwe Becker soll für die Partei erster Mann in der Stadt werden. Schon am Abwahl-Abend brachte sich Becker in Stellung: "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich gerne zu gegebener Zeit als Oberbürgermeister kandidieren würde", sagte der 53-Jährige damals dem hr.

Uwe Becker - Ex-Kämmerer von der CDU

Becker kündigte an, ein "handlungsfähiges Programm für die Zukunft der Stadt" anbieten zu wollen. Dazu gehörten sozialpolitische Aspekte ebenso wie wirtschaftliche Themen. Zudem gehe es darum, liegengebliebene Probleme anzupacken, wie die Situation im Bahnhofsviertel.

Auf dem Kreisparteitag Ende November wurde die Kandidatur abgesegnet: Becker holte 93 Prozent der Stimmen, wie die Partei mitteilte.

Mike Josef als Hoffnungsträger der SPD

Die Entscheidung des Frankfurter SPD-Vorstands war Anfang November einstimmig - Anfang Dezember bestätigten ihn die Parteigremien: Der Sport- und Planungsdezernent der Stadt, Mike Josef, tritt für die Partei als Kandidat bei der Oberbürgermeisterwahl im März 2023 an.

Josef bekam auf einem Parteitag 96,9 Prozent der Delegiertenstimmen, wie die FAZ berichtete. Von 199 abgegebenen Stimmen, sprachen sich 193 für Josef aus. Kümmern wolle er sich um die Schwerpunkte wirtschaftliche Stabilität, eine Stärkung der sozialen Politik, Klimaschutz sowie Investitionen für Sport und Kultur.

Foto von Mike Josef

Der 39 Jahre alte Josef gilt schon seit langem als Hoffnungsträger der Frankfurter SPD. Seit acht Jahren ist der in Syrien geborene Diplom-Politologe Dezernent im Römer, seit 2013 Vorsitzender der Frankfurter SPD. 

Linke: Daniela Mehler-Würzbach nominiert

Für die Linken zieht die Stadtverordnete Daniela Mehler-Würzbach als OB-Kandidatin in den Wahlkampf. Die Partei hatte sie nach einer Abstimmung auf der Mitgliederversammlung nominiert, bei der Mehler-Würzbach 86 Prozent der Stimmen erhielt. Sie galt auch als Favoritin des Linken-Kreisvorstands.

Daniela Mehler-Würzbach

Mehler-Würzbach kündigte an, sich für diejenigen einzusetzen, die in der Stadt keine Lobby hätten. Sie sagte: "Das Soziale konkret zu untermauern mit gezielter Nothilfe für Energiekosten, der Stärkung des sozialen Wohnungsbaus und einem kostenlosen Nahverkehr ist mein Anliegen."

FDP soll mit Yanki Pürsün antreten, Volt verzichtet

Auch bei der FDP ist man seit Anfang Dezember einen Schritt weiter. Die Partei will den Landtagsabgeordneten Yanki Pürsün ins Rennen schicken. Er soll Mitte Dezember auf einer Kreismitgliederversammlung offiziell aufgestellt werden. Der 50-Jährige ist seit 2021 auch Fraktionschef der FDP im Römer.

Seine Kandidatur stehe für "Transparenz, solides und nicht ideologisches Arbeiten an den konkreten Herausforderungen" und einen "korruptionsfreien und nachhaltigen Umgang mit öffentlichen Mitteln".

Yanki Pürsün

Volt dagegen verzichtet auf einen eigenen Kandidaten. Das hat die Partei, die seit vergangenem Jahr erstmals im Stadtparlament sitzt, am Dienstag erklärt. In einer Mitteilung kündigte sie an, den Wahlkampf "kritisch zu begleiten" und eigene Themen sichtbar machen zu wollen. "Eine aktive Partizipation an der OB-Wahl ist aus unserer Sicht auch ohne eigene Kandidatur möglich", so die Vorsitzende der Partei in Frankfurt, Grit Winkler.

AfD nominiert Stadtverordneten und Kreisvorsitzenden Lobenstein

Porträt des AfD-Kandidaten Andreas Lobenstein für die Position des Oberbürgermeisters in Frankfurt

Die Findungskommission der AfD Frankfurt hat unterdessen einstimmig den Frankfurter Kreisvorsitzenden und Stadtverordneten Andreas Lobenstein als Kandidaten nominiert. Die formelle Wahl muss laut Mitteilung noch auf einem Kreisparteitag am 17. Dezember durch die Mitglieder erfolgen.

Der 56 Jahre alte gebürtige Frankfurter will laut Mitteilung "der Frankfurter Bürgerschaft eine Idee davon vermitteln, wie sehr unser Frankfurt unter Wert regiert wird und was man mit der immer noch beeindruckenden Wirtschaftskraft Positives erreichen könnte".

BFF treten mit Mathias Pfeiffer an

Die Bürger für Frankfurt (BFF) gehen mit Mathias Pfeiffer ins Rennen. Die Mitglieder stellten ihn am 3. Dezember einstimmig bei einer Enthaltung auf, wie die Partei mitteilte. Der 56-Jährige Handelsfachwirt gehört dem Stadtparlament seit 2014 an.

Laut BFF positionierte er sich gegen eine grüne und "ideologiegetriebene" Politik vor allem bei der Mobilität. "Klimaanpassung" sei dringend notwendig, aber mit "mehr Grün in unserer Stadt, aber weniger Grünen im Römer".

"Bahnbabo" Peter Wirth und die Unternehmerin Maja Wolff treten an

Zu erwarten ist weiterhin, dass sich eine Reihe unabhängiger Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl stellen wird. Darunter mit Sicherheit auch einige kuriose Persönlichkeiten - auch das hat in Frankfurt Tradition.

Zwei Parteilose haben ihre Kandidatur bereits angekündigt: die Künstlerin und Unternehmerin Maja Wolff, die den Frankfurtern als Veranstalterin des Grüne Soße Festivals bekannt sein könnte, und "Bahnbabo" Peter Wirth, Straßenbahnfahrer bei der Frankfurter Verkehrsgesellschaft VGF.

Maja Wolff will sich als überparteiliche Kandidatin besonders für eine "konstruktive Zusammenarbeit der Stadtpolitik" einsetzen. Ihr Schwerpunkt sei die wirtschaftliche, soziale, kulturelle und ökologische Entwicklung von Frankfurt hin zu einer zukunftsfähigen Stadt, betonte die 57-Jährige gegenüber dem hr. Ein besonderes Anliegen sei ihr dabei, "Mehrheiten für gemeinsame Ziele zu bilden jenseits parteigebundener Interessen und diese im Sinne der Menschen umzusetzen".

Porträt der Frankfurter OB-Kandidatin Maja Wolff

Peter Wirth umschrieb seine wichtigsten Themen gegenüber dem hr unter anderem mit der Verkehrswende und einer Priorisierung des ÖPNV, der zuverlässiger, sauberer und günstiger werden solle. Zudem will der 61-Jährige die Jugendarbeit in den Vordergrund rücken - "denn die Jugend ist unsere Zukunft". Dazu gehöre, ökologisch und ökonomisch sinnvoll zu handeln. Unter anderem mit günstigeren Mieten und mehr Wohnraum, insbesondere für Studenten.

"Bahnbabo" Peter Wirth, der sich als Oberbürgermeister-Kandidat in Frankfurt aufstellt
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