Gert-Uwe Mende (SPD) OB-Kandidat Wiesbaden

Eine Spezi-Affäre zwang Amtsinhaber Sven Gerich zum Verzicht. Also springt Landtagsfraktions-Geschäftsführer Gert-Uwe Mende für die SPD bei der Wiesbadener OB-Wahl ein. In der misslichen Lage stärkten ihn die Mitglieder, so gut es ging.

Die Wiesbadener SPD hat den Geschäftsführer der hessischen Landtagsfraktion, Gert-Uwe Mende, zu ihrem Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl gekürt. Der 56-Jährige bekam am Samstag bei der Mitgliederversammlung 98,96 Prozent der Stimmen, wie eine Sprecherin sagte. Gegenkandidaten gab es keine.

Mende soll bei der Wahl am 26. Mai das OB-Amt in der hessischen Landeshauptstadt für die Partei verteidigen. Geplant war das nicht. Aber der sozialdemokratische Amtsinhaber Sven Gerich tritt nicht mehr an, wie er Ende Januar mitteilte - unter anderem wegen staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen ihn wegen des Verdachts der Vorteilsnahme.

Ermittlungen zwangen Amtsinhaber zum Verzicht auf neue Kandidatur

Hintergrund der Vorwürfe gegen Gerich ist eine umstrittene Urlaubsreise nach Spanien. Gerich hatte sie im April 2014 gemeinsam mit einem inzwischen freigestellten städtischen Manager mitsamt den jeweiligen Lebensgefährten unternommen.

Der städtische Manager – der CDU-Politiker Ralph Schüler, soll die Reise im Wesentlichen bezahlt haben. Kurz vorher war er zum Geschäftsführer einer städtischen Holding bestellt worden. Der Mann hatte sich wegen der Reise selbst angezeigt. Auch gegen ihn wird laut Staatsanwaltschaft ermittelt. Hessens SPD-Partei- und Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel hat dem 56-jährigen Mende bereits kräftige Unterstützung im Wahlkampf zugesichert und ihn als "unprätentiös, unaufgeregt und souverän" bezeichnet.

Frist für Bewerbungen endet am 18. März

Die Frist, bis zu der Kandidaturen für die mit der Europawahl zusammenfallende OB-Wahl möglich sind, endet am 18. März. Neben dem SPD-Anwärter stehen bislang fünf weitere Kandidaten von Parteien fest:

  • Für die CDU tritt der Dachdeckermeister Eberhard Seidensticker aus Schierstein an. Der 52-Jährige war bereits im November nominiert worden. Auch die CDU ist in Folge von Vorwürfen, die Schüler erhob, intern zerstritten.
  • Die Grünen stellten die 57 Jahre alte Fraktionsvorsitzende im Stadtparlament, Christiane Hinninger, als Kandidatin auf. Sie tritt bereits zum dritten Mal für das OB-Amt an.
  • Am vergangenen Donnerstag hatte die AfD den 71-jährigen Eckhard Müller zu ihrem Kandidaten gemacht. Der promovierte Volkswirt ist seit September 2015 Kreisvorsitzender der AfD Wiesbaden.
  • Die FDP nominierte Sebastian Rutten. Der 42 Jahre alte Rechtsanwalt ist sozialpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion und Vorsitzender des Sozialausschusses des Stadtparlaments.
  • Die Linken wählten den 32 Jahre alten Ingo von Seemen zu ihrem OB-Kandidaten. Er ist stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher und sozialpolitischen Sprecher seiner Fraktion.

Sendung: hr-iNFO, 09.03.2019, 14.00 Uhr