19 Stadtteile - eine neue Stadt: Oberzent im Odenwald: der Fläche nach ist der Ort der drittgrößte in Hessen
Die neue Stadt Oberzent besteht aus 19 zum Teil weit voneinander entfernten Stadtteilen. Bild © Ulrich Anton (hr-iNFO)

Vor vier Monate fusionierten vier Odenwaldgemeinden zur Stadt Oberzent. Die Verwaltung ist schon zusammengelegt - und irgendwann wird sicherlich auch die Sache mit der Postleitzahl in den Griff zu kriegen sein. Wer der gemeinsame Rathauschef wird, muss eine Stichwahl entscheiden.

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So manches Navi kennt die neue Postleitzahl noch nicht. Auch das ein oder andere Paket verheddert sich auf dem Weg und kommt nicht an, wie Thomas Hess aus dem Stadtteil Airlenbach weiß. "Aber das sind ja nur Kleinigkeiten" sagt er. Grundsätzlich finde er den Zusammenschluss ziemlich gut.

Seit dem 1. Januar 2018 lebt Thomas Hess in einer neuen Stadt - ohne umgezogen zu sein. Da schlossen sich die vier Kommunen Hesseneck, Sensbachtal, Rothenberg und Beerfelden im Odenwald zur Stadt Oberzent zusammen. Gut 10.000 Menschen leben hier in insgesamt 19 zum Teil weit voreinander entfernten Stadtteilen zwischen Wäldern, Bergen, Feldern und Wiesen. Mit 165 Quadratkilometern ist Oberzent der Fläche nach die drittgrößte Stadt Hessens. Zwischen den dörflichen Stadtteilen Kortelshütte und Hesselbach liegen rund 30 Kilometer.

Der Name Oberzent bezieht sich auf die frühere Bezeichnung der Region, der Zent ist ein mittelalterlicher Gerichtsbezirk. Für Hess klingt das ziemlich altmodisch. Er hätte den Vorschlag des Künstlers Oskar W. Rug aus Hetzbach (einem der Stadtteile Oberzents) bevorzugt. Der hatte ein eigenes Ortsschild mit dem Namen "Monte Bosco" aufgestellt. Doch durchsetzen konnte er sich damit nicht. Inzwischen ist das Schild mit schwarzen Tüchern verhüllt.

8.500 Stimmberechtigte, 7 Kandidaten, 13 Ortsbeiräte

Die rund 8.500 Stimmberechtigten sollten am Sonntag ihren ersten gemeinsamen Bürgermeister wählen. Keiner der sieben Kandidaten konnte sich beim ersten Wahlgang durchsetzen. Wer die Stadt künftig leitet, wird deshalb erst nach der Stichwahl am 27. Mai feststehen.

Zudem waren die Oberzenter aufgerufen, über die Zusammensetzung des Stadtparlaments und der 13 Ortsbeiräte abzustimmen. Im Wahlkampf ging es vor allem um geplante Windkraftanlagen, den Bau eines Gesundheitszentrums und die Gestaltung der Zukunft der Gemeinde und ihre Strukturen.

Bis zur Amtsübernahme des ersten Rathauschefs leitet weiter Egon Scheuermann als Staatsbeauftragter die neue Stadt. Der 58-Jährige war früher Bürgermeister von Sensbachtal. In Hessens damals zweitkleinster Gemeinde führte er eine Mini-Verwaltung. "Ich war die Baubehörde, ich war die Verkehrsbehörde und das Ordnungsamt, ich war dann alles sozusagen in meiner Person", erinnert er sich. Das hat sich geändert.

Plötzlich wohnt man in einer neuen Straße

In den vergangenen Monaten wurde die neue Stadtverwaltung aufgebaut - mit eigenen Fachabteilungen. Aus vier Verwaltungen und einem Zweckverband wurde eine Verwaltung an vier Standorten. Viele Mitarbeiter und Akten sind in andere Büros umgezogen, viele Räume wurden bei der Gelegenheit renoviert und neu möbliert.

Zwei der Straßen in Oberzent, die jetzt einen neuen Namen tragen.
Zwei der Straßen in Oberzent, die jetzt einen neuen Namen tragen. Bild © Ulrich Anton (hr-iNFO)

Noch arbeitet die Verwaltung daran, die Ausweispapiere aller Bürger zu ändern. Es ist nicht nur die neue Postleitzahl. Mancher Einwohner lebt jetzt auch in einer neuen Straße mit neuer Hausnummer. Denn Straßennamen, die in den vier Kommunen mehrfach vorkamen, mussten geändert werden.

Auch das wird zu dem ein oder anderen Problem bei der Paketzustellung geführt haben. Doch bei der Verwaltung - und den Bürgern - hofft man, dass es bald überall angekommen ist, dass es im südhessischen Odenwald jetzt eine neue Stadt gibt mit der Postleitzahl 64760.

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Sparvolumen von 900.000 Euro im Jahr

Schon vor einigen Jahren suchten die vier Kommunen Hesseneck, Sensbachtal, Rothenberg und Beerfelden gemeinsam nach Sparmöglichkeiten. Deshalb fassten sie Teile ihrer Verwaltung in einen gemeinsamen Zweckverband zusammen. Neue Impuse erhielt die Zusammenarbeit durch eine Studie der Hessischen Fachschule für Polizei und Verwaltung. Sie sah neue Sparmöglichkeiten durch eine Fusion. Die vier Bürgermeister der vier Gemeinden griffen die Idee auf.

In einer Machbarkeitsstudie wurden Vor- und Nachteile einer Fusion erörtert. Bei einem Bürgerentscheid stimmten schließlich mehr als 80 Prozent der Wähler für den Zusammenschluss. Am 1. Januar 2018 fusionierten die vier Gemeinden. Durch die Fusion sollen 900.000 Euro pro Jahr gespart werden.

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