Eine Giraffe, ein schaukelndes KInd, eine Museumsbesucherin

Tierparks, Spielplätze, Museen sollen bald keine Tabu-Zonen mehr sein. Weiter geht Hessen bei der Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen erst einmal nicht. Angesichts wachsender Ungeduld verteidigt Ministerpräsident Bouffier das behutsame Vorgehen.

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hessenschau vom 30.04.2020
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Die Menschen in Hessen dürfen bald wieder Zoos, Museen und Botanische Gärten besuchen, die wegen der Corona-Pandemie geschlossen waren. Auch Spielplätze sollen "möglichst rasch" wieder geöffnet werden. Das hat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden nach einer Bund-Länder-Schalte mit seinen Amtskollegen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt.

Über den genauen Zeitpunkt der erlaubten Öffnung werde das hessische Corona-Kabinett am Freitag beraten. Dann soll eine Änderung der bisherigen Verordnung folgen. Bouffier sprach davon, es könne kommende Woche losgehen. Voraussetzung sei in jedem Fall, dass die Corona-Abstands- und Hygieneregeln beachtet werden.

Über die speziellen Bedingungen der Spielplatz-Öffnung müsse noch gesprochen werden, sagte Bouffier und ergänzte. "Ich vertrete die Auffassung, es muss relativ praxisnah sein." Am Dienstag hatte Hessen bereits beschlossen, von Freitag an wieder öffentliche Gottesdienste und Trauerfeiern zu erlauben. Ab Montag sind auch Heimbesuche unter strengen Auflagen wieder möglich.

Perspektive für Gastronomie angekündigt

Welche Spielplätze wann geöffnet werden, soll laut dem Ministerpräsidenten zudem in den jeweiligen Kommunen entschieden werden. Das könne in Ballungsgebieten mit vielen Bewohnern anders aussehen, als auf dem Land. Die Entscheidung sei "ein bewusstes Zeichen" an die in der Corona-Krise besonders belasteten Familien mit Kindern.

Bis zum nächsten Bund-Länder-Gipfel am 6. Mai werden laut Bouffier weitere Konzepte für neuerliche Lockerungen vorbereitet. Das betreffe neben dem Handel unter anderem auch die Schulen. Er gehe davon aus, dass alle Schüler noch vor den Sommerferien zum Präsenzunterricht zurückkehren könnten.

Dann sollten auch Branchen wie der Gastronomie Perspektiven aufgezeigt werden, "in Teilen oder ganz zu öffnen“. Das heiße wiederum nicht, dass diese am darauf folgenden Samstag wieder aufmachen könnten.

Noch kein kontaktloser Sport

Ebenfalls noch nicht entschieden ist, wann kontaktlose Sportarten auf Sportstätten wieder möglich sind. Er hätte sich da eine schnellere Entscheidung für Lockerungen vorstellen können, sagte Bouffier.

Gegen wachsende Kritik verteidigte er aber die Fortsetzung der Strategie, trotz sinkender Infektionsdynamik vorsichtig und schrittweise vorzugehen. Das zeige der Blick auf Nachbarstaaten wie Frankreich und Italien. "Insgesamt sind wir auf einem guten Weg, was die Bekämpfung der Pandemie angeht."

"Die Freiheit einzuschränken ist ein schwerer Eingriff", betonte Bouffier. Für die derzeitigen Maßnahmen gebe es jedoch wegen der Bekämpfung der Pandemie ausreichend Grund. Bei jeder der Einschränkungen müsse die Politik aber "immer wieder überprüfen, ob die noch angemessen sind".

Kitas bleiben dicht, Restaurants auch

Das allmähliche Vortasten hatte sich schon vor dem Corona-Gipfel abgezeichnet: Die bundesweite Kontaktsperre war bis 10. Mai verlängert worden. Dahinter steht die auch Einschätzung, dass erst in den kommenden Tagen klar wird, wie sich Lockerungen ausgewirkt haben, die am 20. April in Kraft traten.

Derzeit sind in Hessen Kitas und Grundschulen bis auf Notbetreuungen noch ganz geschlossen, weiterführende Schulen lediglich für Abschlussklassen und an Gymnasien für Schüler der Q2 geöffnet.

Auch Hotels bleiben noch dicht, Gastronomen können weiterhin nur zum Mitnehmen verkaufen. Eine Entscheidung über einen Neustart der Fußball-Bundesliga mit "Geisterspielen" ist ebenfalls frühestens am 6. Mai zu erwarten. Veranstaltungen vor großem Publikum wird es noch länger nicht geben.

Geld für die Wiedereröffnung

Ein zehn Millionen Euro umfassendes Sofortprogramm aus dem Kulturetat des Bundes soll auch in Hessen den Museen, Gedenkstätten, Theatern und anderen Einrichtungen helfen, den Betrieb nun unter strikten Hygienebedingungen wieder aufzunehmen. Mögliche Sicherungsmaßnahmen sind begrenzte Besucherzahlen, Schutzmaskenpflicht und erhöhte Reinigungsintervalle.

Für zwischenzeitliche Verwirrung in der Terminfrage hatte eine Mitteilung der Stadt Frankfurt gesorgt. Nach ihren ursprünglichen Angaben hätte das Land eine Öffnung der Museen und des Zoos erst am 12. Mai erlaubt. Das sei enttäuschend, da man sich auf den 5. Mai vorbereitet habe. Am Abend kam der Rückzieher: Ein Sprecher des Kulturdezernats zeigte sich gegenüber dem hr erfreut, dass man wohl doch schon kommende Woche starten könne.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 30.4.2020, 19.30 Uhr