Paketzusteller in der Wiesbadener Innenstadt
Paketzusteller in der Wiesbadener Innenstadt Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

DHL, DPD, Hermes, UPS oder Amazon Logistics: Die vielen Paketdienste blockieren Straßen, Fuß- und Radwege, beklagt die Frankfurter CDU. Sie will Verteilzentren am Stadtrand und weniger Lieferwagen. Eine gescheiterte Idee aus den 90er-Jahren, kritisieren Logistik-Forscher.

Die Transporter der Paketdienste sind gelb, braun, blau oder weiß. Meist halten sie direkt vor der Haustür ihrer Kunden. Sei es auf der Straße, auf dem Geh- oder Radweg, nur selten in einer freien Parkbucht. In viel befahrenen Innenstädten wie Frankfurt oder Darmstadt werden die Lieferwagen der Paketzusteller zunehmend als Verkehrshindernisse wahrgenommen.

Die Frankfurter CDU will das nicht länger hinnehmen. Die Partei, die auch in der Stadtregierung sitzt, fordert, dass in Zukunft weniger Lieferwagen von Paketdiensten in die Innenstadt fahren. CDU-Frankfurt-Chef Jan Schneider: "Es ist weder umweltfreundlich noch wirtschaftlich sinnvoll, dass fünf bis sechs Lieferwagen durch dieselbe Straße fahren."

Seine Partei schlägt vor, dass die verschiedenen Paketdienste kooperieren. So könnten in Umschlagzentren am Stadtrand Paketsendungen der verschiedenen Lieferdienste gebündelt werden und im Anschluss einzelne Straßenzüge nur noch durch einen Transporter angefahren werden. "Dies würde nicht nur zu einer deutlichen Verkehrsentlastung beitragen, sondern wäre auch ökologisch wie ökonomisch sinnvoll."

Sendungen an Haushalte von 2009 bis 2018 verdoppelt

Durch den boomenden Online-Handel ist die Zahl der Paketsendungen deutschlandweit in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Der Bundesverband der Online- und Versandhändler (bevh) meldet ein nachhaltiges Wachstum im Internet-Handel: Im ersten Halbjahr 2018 sei der Bereich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 um 11,1 Prozent gewachsen.

Immer mehr Online-Bestellungen führen zu einer Zunahme an Paketsendungen: Zwischen 2009 und 2018 hat sich die Zahl der Kurier-, Express und Paketsendungen, die im Durchschnitt jedes Jahr an Privathaushalte gehen, von 22 auf 44 verdoppelt, wie der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) in seiner jüngsten Marktanalyse berichtet. Zum BIEK gehören die großen Paketdienstleister DPD, GLS, GO!, Hermes und UPS.

Externer Inhalt
Ende des externen Inhalts

Logistik-Wissenschaftler: Konzept aus den 90er-Jahren

Aus Sicht von Verkehrs- und Logistik-Wissenschaftlern ist der Vorschlag der Frankfurter CDU nicht zielführend. Logistik-Professor Kai-Oliver Schocke von der Frankfurt University of Applied Sciences und Bastian Chlond vom Institut für Verkehrswesen am Karlsruher Institut für Technologie kennen diesen Ansatz aus den 90er-Jahren unter dem Namen "City-Logistik".

Alle diese Konzepte seien eingestellt worden, sagt Schocke. Ein praktisches Problem sei die Haftung bei zerstörten Paketen gewesen, wenn sie von einem zentralen Fahrzeug ausgeliefert worden seien, erklärt Chlond. Außerdem sei Kooperation in diesem stark umkämpften Markt nicht unbedingt gewünscht.

"Nicht-Sachverstand"

Der Frankfurter Logistik-Professor Schocke nimmt sogar die Paketdienstleister in Schutz: Sie seien nur gefühlt ein großes Verkehrsproblem, weil sie durch ihre Farbe und Wiedererkennbarkeit im öffentlichen Raum gut zu identifizieren seien, wenn sie in der zweiten Reihe parkten. Gründe dafür seien auch, dass die vorgesehenen Ladezonen von Handwerkern oder Privatpersonen blockiert würden.

Vor zwei Jahren zählte Schocke mit einem Team von Wissenschaftlern zwischen Willy-Brandt-Platz und Eschenheimer Tor in der Frankfurter Innenstadt nach: Der Anteil von Paketdienstleistern am gewerblichen Verkehr habe bei zehn Prozent gelegen. Kollegen in Darmstadt hätten innerhalb des Cityrings einen Anteil von 30 Prozent ausgemacht, berichtet er.

Eine Bündelung von Paketen vor der Stadt sei auch deshalb nicht sinnvoll, weil die Paketfahrzeuge mit 180 bis 250 Sendungen schon jetzt rappelvoll seien. "Ein zentrales Fahrzeug brächte keine Entlastung", bilanziert Schocke. Der CDU-Vorschlag zeuge von "logistischem Nicht-Sachverstand".

CDU: "kein Patentrezept"

Der Frankfurter CDU-Vorsitzende Jan Schneider räumt ein, dass der Vorschlag seiner Partei noch kein "Patentrezept" sei. Man wolle mit den Paketunternehmen ins Gespräch kommen und Ideen für Lösungen entwickeln.

Dennoch hofft die Frankfurter CDU, dass ihr Vorschlag für eine Reduzierung der Pakettransporter in Innenstädten ins Parteiprogramm der Landes-CDU aufgenommen wird - und will auf dem Landesparteitag im September einen entsprechenden Antrag stellen.

Mikro-Depots in Innenstädten als Lösung?

DHL-Cubicycle, ein Lastenfahrrad mit Containerbox
Solche Lastenräder testete DHL bereits in Frankfurt Bild © picture-alliance/dpa

Währenddessen probieren Paketdienstleister unter anderem in Frankfurt längst Modelle aus, um ihre Sendungen flexibler und mit weniger Lieferwagen auszuliefern: UPS und DHL wollen in der Innenstadt herausfinden, ob so genannte Mikro-Depots eine Lösung sein könnten: Transporter liefern täglich Pakete in mobile Container ans Parkhaus Börse (UPS) oder an die Konstablerwache (DHL). Anschließend bringen Kuriere die Sendungen zu Fuß per Sackkarre, mit Elektromobilen oder Lastenrädern zum Endkunden.

"Und das sorgt dann für eine signifikante Reduzierung des Verkehrs", sagt der Frankfurter Logistik-Professor Schocke.

Ihre Kommentare Wie lassen sich die Verkehrsprobleme durch Paketdienste lösen?

31 Kommentare

  • Seit Jahren funktioniert es idR prima, die Sendungen an Packstationen oder Paketshops (genau die, in welchen die Pakete über Hermes oder DPD auch aufgegeben werden können) zu liefern und sie dort binnen 1 Woche abzuholen, bevor sie zurückgehen.
    Die Zustellung an die Wohnungstür könnte auf begründete Einzelfälle begrenzt werden, zB wie bei Herrn Schaupp aus OF oder wenn das Paket wirklich zu schwer ist, daß man es nicht selbst transportieren oder gar die Treppen hochwuchten könnte.
    Halten in 2. Reihe sollte für Zustellfahrzeuge gestattet werden, denn die halten da aus eigenem Interesse (absoluter Zeitdruck) wirklich nicht länger als unbedingt erforderlich.
    Generell aber betrifft das Problem aber alle Lieferdienste, ob mit großem oder kleinem LKW, ansonsten gäb's bekanntlich nicht nur leere Supermarkt-Regale und Kühlschränke!
    Ansonsten ist es dasselbe Problem wie immer, daß ausgerechnet diejenigen am meisten meckern, welche sich jeden "Furz" über's Web bestellen.

  • Wenn einige Straßen zeitweise für LKW und Kleintransporter gesperrt werden, dann stellen Paketdienstleister von allein auf kleinere Fahrzeuge um.

  • @Tilmann Böss
    1. kommt der eine Fahrer dann mit einem 40 Tonner und braucht 8 mal so lange und 2. werden die Runden nicht kürzer und der Lieferverkehr insgesamt nimmt natürlich auch nicht ab.
    Funktionieren würde das nur, wenn die jetzigen Transporter alle halb leer fahren würden. Dann würden statt 8, tatsächlich nur 4 Fahrzeuge und Fahrer benötigt werden. Ansonsten gilt: je mehr Lieferungen, desto mehr Packraum (Fahrzeuge) und Arbeitsaufwand (Fahrer).

Alle Kommentare laden