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Der hessische CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch hat seinen 60. Geburtstag mit zahlreichen Gästen gefeiert - mitten in der Corona-Pandemie. Willsch räumt die Feier ein, seine Erklärung wirft aber Fragen auf.

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hs
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Menschen, die sich umarmen, singen und tanzen: Klaus-Peter Willsch aus Hohenstein (Rheingau-Taunus) hat es an seinem 60. Geburtstag krachen lassen, als gäbe es keine Corona-Pandemie. Das bringt den CDU-Bundestagsabgeordneten und ehrenamtlichen Kreistagschef nun in Bedrängnis. Denn von der ausgelassenen Feier mit mindestens zwölf Gästen gibt es ein Handyvideo, das dem hr aus dem Umfeld der Jungen Union zugespielt wurde.

Wer es in den letzten Tagen in politischen Kreisen verbreitet hat, ist noch unklar. Als erstes hatte das Nachrichtenportal Spiegel Online darüber berichtet.

Willsch: Nicht meiner Vorbildfunktion gerecht geworden

Willsch räumte in einem Facebook-Post inzwischen ein, dass er anlässlich seines 60. Geburtstages am 28. Februar den Abend im privaten Bereich mit seiner Familie beziehungsweise seiner Hausgemeinschaft verbracht habe. Im weiteren Verlauf des Abends sei "unangekündigt eine befreundete Familie zur Runde" hinzugestoßen, um ihm zu gratulieren, so Willsch. Dies sei in Hessen nicht verboten.

In der Tat: In Hessen gab es zu diesem Zeitpunkt nur eine dringende Empfehlung für den privaten Bereich. Diese besagte, dass sich nur ein Haushalt mit einer weiteren Person aus einem anderen Haushalt treffen soll. Darauf bezieht sich Willsch offenbar, wenn er in seinem Facebook-Post schreibt: "Dass ich damit meiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden bin, bedaure ich." In einem internen Schreiben an Parteikollegen, das dem hr vorliegt, schreibt Willsch von einer "Kampagne" gegen sich. Am Sonntag finden die Kommunalwahlen in Hessen statt.

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Gäste aus verschiedenen Haushalten

Allerdings: Dass nur Willschs Familie und eine befreundete Familie bei der Geburtstagsparty gewesen sein sollen, kann so nicht stimmen. Denn wie auf dem Handyvideo zu sehen ist, waren unter anderem der ehemalige Landesvorsitzende der Werteunion Sebastian Reischmann (auf dem Video mit braunem Hemd) sowie zwei Mitglieder der Jungen Union und eine Mitarbeiterin von Willsch unter den Gästen. Es feierten also Menschen verschiedenster Haushalte ohne Maske und Abstand zusammen.

Inzwischen meldete sich auch der CDU-Landesvorsitzende und Ministerpräsident Volker Bouffier in dem Fall zu Wort: "Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass man sich an die Verordnungen und dringenden Empfehlungen hält. Gerade von Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen, insbesondere von Abgeordneten, erwarte ich, dass sie ihrer Vorbildfunktion gerecht werden", sagte Bouffier dem hr.

SPD, Linke und Grüne kritisieren Willsch

Heftige Kritik kam von der hessischen SPD: Der Parlamentarische Geschäftsführer Günter Rudolph bezeichnete Willsch als "Superspreader". Mitten in der Corona-Pandemie eine größere Menschengruppe einzuladen sei "dreist und instinktlos". "Es mangelt Herrn Willsch nicht nur an Abstand, sondern auch an Anstand."

Auch Hessens Linkspartei kritisierte den CDU-Politiker. Willsch meine offenbar, dass "Corona-Verordnungen und allgemein gültige Vorsichtsmaßnahmen für ihn nicht gelten", erklärte Jan Schalauske, stellvertretender Fraktionschef der Linken. Während viele Menschen sich um ihre Gesundheit sorgten und Existenznöte hätten, ließen es CDU-Abgeordnete krachen.

Aus dem Rheingau meldeten sich die Grünen. Dort kandidiert Willsch am Sonntag bei der Kommunalwahl auf der CDU-Liste für den Kreistag auf Platz 1: "Auch ein Herr Willsch hat keine Sonderrechte in der Pandemie. Wer meint, sich solche herausnehmen zu können, zeigt ein sehr fragwürdiges Verständnis seiner Rolle als Volksvertreter", twitterte der grüne Kreisverband.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 11.03.2021, 19.30 Uhr

Disclaimer: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir berichtet, Willschs Bruder habe das Video aufgenommen. Diese Angabe müssen wir korrigieren. Er habe nur telefonisch gratuliert und sei nicht persönlich anwesend gewesen, betonte Manfred Willsch gegenüber dem hr. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.