Janine Wissler, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke in Hessen, und Michael Roth (SPD), Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, nehmen an einer Kundgebung gegen die NPD teil.
Janine Wissler, Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke in Hessen, und Michael Roth (SPD), Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, bei der Kundgebung gegen die NPD. Bild © picture-alliance/dpa

Ein Bündnis aus Parteien, Vereinen und Kirchen hat am Samstag in Büdingen ein Zeichen gegen Rechts gesetzt. Rund 300 Menschen nahmen an der Gegenkundgebung zum NPD-Bundesparteitag teil.

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hs

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An einer Gegenkundgebung zum Bundesparteitag der NPD haben sich rund 300 Demonstranten aus Büdingen, der Wetterau, Gießen, Fulda und Gelnhausen (Main-Kinzig) beteiligt. Die Demonstranten machten deutlich, dass Rechtsradikale und Nazis in Büdingen nicht willkommen sind: "NPD Hessen - ungeliebt und bald vergessen" und "Kein Ort für Nazis" hieß es unter anderem auf den Schildern und Transparenten.

Zahlreiche Redner, darunter Bundes- und Landtagsabgeordnete, Vertreter und Kirchen und Initiativen oder der "Lagergemeinschaft Auschwitz" forderten ein Verbot der NPD. Auch die Finanzierung der verfassungsfeindlichen Partei mit mehreren Millionen Euro durch den Bund müsse gestoppt werden. Zwischenfälle gab es laut Polizei nicht.

Wissler: "Menschenrechte gelten für alle"

Janine Wissler, Fraktionsvorsitzende der Linken in Hessen, sagte, die AfD habe den Diskurs nach rechts verschoben. "Wo kommen wir denn hin, wenn wir inzwischen diskutieren, ob wir Menschen in Seenot retten oder nicht", rief sie ins Mikro. Man dürfe Rechten nicht das Feld überlassen: "Menschenrechte gelten für alle."

Mit einem Trauerkranz protestiert die Partei Die Partei auf einer Kundgebung gegen die NPD.
Mit einem Trauerkranz protestiert "Die Partei" auf einer Kundgebung gegen die NPD. Bild © picture-alliance/dpa

Uwe Hartwig, Mitglied im Internationalen Auschwitz-Komitee, plädierte für ein freies Europa. Neben der Darmstädter Bundestagsabgeordneten der Grünen, Daniela Wagner, und Michael Roth (SPD), Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, kamen auch Vertreter der Satire-Partei "Die Partei". Sie trugen die NPD symbolisch zu Grabe.

Bürgermeister: "Büdingen ist kein braunes Nest"

Demonstrant gegen NPD
Im Schutzanzug gegen die NPD Bild © hr

Zum Abschluss der Kundgebung ließen die Demonstranten rund 200 rosa Luftballons in die Luft steigen. Im Anschluss folgte ein Bürgerfest mit mehreren Bands unter dem Motto "Büdingen rockt gegen Rechts" - unmittelbar gegenüber der Willi-Zinnkann-Halle, in der die NPD-Delegierten tagten. Etwa 800 Menschen kamen zu dem Konzert, wie Bürgermeister Erich Spamer (Freie Wählergemeinschaft) erfreut feststellte. "Büdingen ist kein braunes Nest", rief Spamer und erntete dafür tosenden Applaus.

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NPD in Büdingen

Bei den Kommunalwahlen 2016 hatte die NPD in Büdingen 10,2 Prozent und vier Sitze im Stadtparlament geholt. Seitdem hält sie - wie auch die AfD, die bei den Landtagswahlen in Büdingen rund 18 Prozent einfuhr - dort regelmäßig Veranstaltungen ab. Die Stadt kämpft mit unterschiedlichen Initiativen gegen ein "braunes Image".

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Organisator Andreas Balser von der Antifaschistischen Bildungsinitiative Friedberg zeigte sich nach der Kundgebung zufrieden: "Wir standen hier schon mit wesentlich weniger Leuten", sagte er. Tatsächlich konnten die Veranstalter am Samstag deutlich mehr Protestierende mobilisieren, als es bei früheren Demonstrationen gegen Veranstaltungen rechter Parteien in Büdingen der Fall gewesen war.

Le Pen nicht dabei

Zum Bundesparteitag der rechtsextremen NPD erschienen rund 200 Parteimitglieder und Gäste. Auf dem Parteitag wollte die Partei ihre Liste für die Europawahl aufstellen. Anders als erwartet war der Gründer des rechtsextremen französischen "Front National", Jean-Marie Le Pen, nicht nach Büdingen gekommen. Er habe krankheitsbedingt abgesagt, hieß es. Neben NPD-Chef Frank Franz und seinem Vorgänger Udo Voigt wurde unter anderem auch der Franco-Vertraute Alberto Torresano erwartet. Auch der slowakische Parlamentsabgeordnete Marian Kotleba, Chef der rechtsextremen "Volkspartei Unsere Slowakei", stand auf der Rednerliste.