Ein Radfahrer auf einem Fahrradweg.
Volle Kraft voraus in Richtung direkte Demokratie: Ein Radfahrer auf einem Fahrradweg. Bild © picture-alliance/dpa

Nach Darmstadt und Frankfurt haben Aktivisten nun auch in Kassel ein Bürgerbegehren für bessere Radwege gestartet. Sie haben acht konkrete Forderungen.

Die Idee kam, als Robbin Meisel mit Freunden auf dem Rückweg von einer Fahrrad-Demo in Frankfurt war. "Da beschlossen wir: wir brauchen auch einen Radentscheid in Kassel", sagt er. Denn Fahrradfahrer hätten ähnlich wie in Frankfurt auch in Kassel mit vielen Problemen zu kämpfen.

"Viele Radwege sind zu schmal, andere hören einfach auf oder fangen irgendwo an und viele Kreuzungen sind für Radfahrer gefährlich", sagt er. An diesem Samstag nun war es soweit: Der Radentscheid Kassel startete mit einer Auftaktveranstaltung auf dem Campus der Uni.

Kassel ist damit nach Darmstadt und Frankfurt die dritte hessische Stadt, in der Bürger per Bürgerbegehren die Verwaltung zwingen wollen, sich verstärkt für den Fahrradverkehr einzusetzen. Acht konkrete Maßnahmen fordern die Initiatoren, darunter durchgehende Radwege, Sicherheit für Radfahrer an Hauptverkehrsstraßen oder mehr Abstellplätze für Fahrräder. Kosten soll das alles sechs Millionen Euro im Jahr.

Bis Oktober sollen die Unterschriften zusammen kommen

Bisher habe es mit allen Fraktionen Gespräche gegeben, und alle zeigten sich für das Vorhaben an sich aufgeschlossen. Das Problem sei die Höhe der Investition. Wenn sie diese Summe hören, "runzeln die Stadtverordneten mit der Stirn", sagt Meisel.

"Wir brauchen 5.000, hoffen aber auf 15.000 Unterschriften", sagt Meisel. Und die wollen sie am liebsten bis Oktober zusammen haben. Falls das Stadtparlament dann entscheidet, die Forderungen nicht umzusetzen, kommt es zum Bürgerentscheid. Den würden Meisel und seine 15 bis 20 Mitstreiter gerne gemeinsam mit der Europawahl im Frühjahr 2019 durchführen.

Enger Kontakt mit Darmstadt und Frankfurt

Unter den Kasseler Aktivisten seien mehrere Studenten im Bereich Stadtplanung, daneben aber auch Leute vom Fahrradclub ADFC oder vom Verkehrsclub VCD, sagt Meisel. Sie alle hätten mit ihren Kenntnissen an den Vorschlägen mitgearbeitet.

Auch mit den Initiativen in Frankfurt und Darmstadt stehen die Kasseler in engem Kontakt, fast wöchentlich schreibe man sich Mails, erzählt Meisel. Da die Stadt Darmstadt vor einem Monat den dortigen Radentscheid für unzulässig hat, haben die Kasseler Aktivisten ihre Forderungen eigens nochmal von einer Anwältin prüfen lassen. In Frankfurt haben die Rad-Aktivisten Anfang Juli die erste Hürde genommen und die Unterschriften eingereicht - es waren über 34.000, mehr als doppelt so viele wie nötig.

Sendung: YOU FM, 28.07.2018, 19 Uhr