Rainer Rahn soll die AfD in den Landtagswahlkampf im Herbst führen.
Rainer Rahn soll die AfD in den Landtagswahlkampf im Herbst führen. Bild © picture-alliance/dpa

Die AfD hat ihren Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Oktober bestimmt: Der 66-jährige Rainer Rahn sicherte sich Platz eins der Landesliste bei einer Stichwahl in Neu-Isenburg. Die Veranstaltung wurde von Protesten begleitet.

Rainer Rahn führt die AfD in den Landtagswahlkampf in Hessen. Er wurde auf einer Delegiertenversammlung am Samstag in Neu-Isenburg (Offenbach) in einer Stichwahl auf Platz eins der Landesliste gewählt. Vier Kandidaten hatten sich insgesamt zur Abstimmung gestellt. 30 Plätze soll die Landesliste nach dem Beschluss des Parteitags umfassen.

Rahn ist stellvertretender Sprecher der AfD in Hessen und Fraktionsvorsitzender im Frankfurter Römer. Im Stadtparlament saß er bereits für vier Gruppierungen, darunter in früheren Jahren auch für die FDP. Der 66-Jährige stammt aus Karlsruhe, hat Rechtswissenschaften sowie Medizin studiert und ist promovierter Arzt.

Rahn über Rahn: Konservativ und gegen Rechtsradikale

Auf dem Parteitag punktete Rahn vor allem mit seiner Forderung nach einem Erhalt von Rechtsstaatlichkeit und deutscher Identität. Bildungspolitik und die innere Sicherheit seien die zentralen Themen seiner Partei im anstehenden Wahlkampf, sagte der AfD-Spitzenmann. Es gebe ein Sicherheitsdefizit, das Land brauche mehr Polizei. An den Schulen müsse der Leistungsgedanke wieder stärker werden. Er selbst bezeichne sich als konservativ und wolle die AfD klar gegen Rechtsradikale abgrenzen.

Im vergangenen Jahr hatte Rahn mit einer Rede in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung zum Thema Leitkultur und Migration für Aufruhr gesorgt. Scharfe Kritik gab es damals von den anderen Fraktionen. Die Linke sprach von einem "Anfangsverdacht der Volksverhetzung".

Auf Rahn entfielen bei der Stichwahl 106 der 197 gültigen abgegebenen Stimmen. Gegenkandidat Nikolaus Pethö erhielt 81 Stimmen. Der 46-Jährige hatte bei seiner Bewerbungsrede vor allem auf seine Kompetenzen in der inneren Sicherheit abgehoben. Zehn Delegierte votierten bei der Abstimmung für Listenplatz eins mit Nein.

Auf Platz zwei der Landesliste kam Co-Landessprecher Lambrou. Er forderte in seiner Bewerbungsrede einen deutlichen Paradigmenwechsel in der Flüchtlingspolitik und sprach sich für mehr sowie deutlich schnellere Abschiebungen ab. Listenplatz drei ging an Co-Landessprecher Klaus Herrmann.

Proteste zum Start des Parteitags

Der Parteitag wurde begleitet von Protesten.
Der Parteitag wurde begleitet von Protesten. Bild © picture-alliance/dpa

Zum Start des Parteitags protestierten rund 40 Demonstranten mit Plakaten und Flugblättern gegen die AfD. "Gegen Rassismus und Diskriminierung" und "Stoppt die AfD" stand auf den Transparenten. Zwischenfälle gab es vor dem Tagungsort am Samstag nicht.

Für die zu vergebenden Listenplätze und weitere Nachrückerposten rechnete die AfD nach Angaben von Lambrou mit rund 100 Bewerbern. Die Liste sei so lang, weil man bei der Landtagswahl von "15 Prozent plus X" ausgehe. 60 Bewerbungen lagen bereits im Vorfeld vor. Allein die eingeplante Zeit für die Vorstellungsreden der Interessenten beläuft sich auf knapp 17 Stunden.

Nächster Halt: Flörsheim

Das ist offenbar an einem Wochenende nicht zu schaffen. Deswegen wollen sich die rund 240 Delegierten am kommenden Wochenende in der Stadthalle von Flörsheim (Main-Taunus) noch einmal treffen. Während andere Parteien mit also einem Anlauf auskommen, hat die AfD für die Aufstellung der gesamten Landesliste ein doppeltes Treffen über insgesamt vier Tage angesetzt.

Schon für die Aufstellung der Kandidatenliste für die Bundestagswahl hatte der AfD-Landesverband im Mai des vergangenen Jahres einen Doppel-Parteitag benötigt – allerdings unfreiwillig. Beim ersten Durchgang wählten damals nach Angaben der Partei zwei Mitglieder mit, die dazu nicht zugelassen waren. Auch für die Wahl des neuen Landesvorstands waren Ende des vergangenen Jahres zwei Anläufe nötig: Eine Technikpanne hatte zu einer Verzögerung geführt.

Auf AfD-Parteitag wurden beim Imbiss-Angebot die Preise auch in Deutscher Mark angegeben.
Auf dem AfD-Parteitag wurden beim Imbiss-Angebot die Preise auch in Deutscher Mark angegeben. Bild © picture-alliance/dpa

Vor fünf Jahren gescheitert

Bei der Wahl am 28. Oktober will die AfD erstmals den Sprung ins hessische Landesparlament schaffen. Vor fünf Jahren war sie noch mit 4,1 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Bei der Bundestagswahl im September 2017 landete die AfD in Hessen mit 11,9 Prozent an dritter Stelle der Parteien. Bei der jüngsten repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen kam sie auf zehn Prozent Zustimmung im Land. Die AfD hat in Hessen rund 2.500 Mitglieder.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 7.4.2018, 19.30 Uhr