Eine Tafel in einem Restaurant-Interieur. Darauf steht mit Kreide geschrieben "Bitte beachten Sie die 2-G-Regel in unserem Restaurant".

2G und 2G-plus in der Gastronomie, 3G im ÖPNV - auch in Hessen dürften ab kommender Woche strengere Corona-Regeln gelten. Die Betroffenen finden sie eher unpraktikabel.

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hessenschau vom 18.11.2021
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Wenn an diesem Freitag das hessische Corona-Kabinett in einer Sondersitzung tagt, gilt es als gewiss, dass es die am Tag zuvor von Bund und Ländern beschlossenen, härteren Corona-Maßnahmen auch in einer Landesverordnung umsetzt. Es gäbe dann flächendeckende Zugangsbeschränkungen im öffentlichen Leben für Ungeimpfte und strengere Corona-Regeln in Restaurants und in Bussen und Bahnen. Wie reagieren die Betroffenen darauf?

"Kontrollen nicht Aufgabe der Landespolizei"

Nach dem Willen der Politik sollen die strengeren Zugangsregeln von der Polizei überwacht werden. "Das ist nicht die Aufgabe der Landespolizei", sagt dazu Jens Mohrherr, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Hessen (GdP), auf hr-Anfrage. Viel eher müssten die kommunalen Ordnungsämter kontrollieren, ob sich die einzelnen Betreiber an ihre Zugangsbeschränkungen halten. "Polizisten kommen nur ins Spiel, wenn sich während dieser Kontrollen Konflikte ergeben sollten", sagt Mohrherr.

Dass die Beamten bei der Überwachung der Zugangskontrollen eingebunden werden, scheitere in der Umsetzung schon daran, "dass wir gar nicht das nötige Personal haben, um flächendeckende Kontrollen durchzuführen". Die Pläne der Ampel-Koalitionäre findet der Polizeigewerkschafter daher "wenig realistisch".

Pflegeverband fragt nach der Bundeswehr

Der Ambulante Stationäre PflegeVerband Hessen (ASPV) reagiert mit Unverständnis auf die nun angekündigte Impfpflicht für das Personal in Krankenhäusern, Altenheimen und der mobilen Pflege. "Unsere Pflegedienste fragen sich: 'Wer versorgt denn die Patienten, wenn wir ungeimpfte Mitarbeiter entlassen müssen?'", sagte Richard Graubert, der Vorstandsvorsitzende des ASPV. "Darauf hat die Politik bislang keine Antworten." Also stelle Graubert Fragen: "Schicken die uns dann die Bundeswehr? Helfen uns dann deren Sanitäter bei unseren Patienten?" Es gäbe ja schon jetzt einen enormen Fachkräftemangel in der Pflege.

Ob eine Impfpflicht inhaltlich nun richtig sei, darüber könne man streiten, sagt Graubert. Aber diese Diskussion hätte man schon im Vorjahr führen und beantworten können. "Jetzt einfach eine Pflicht anzuordnen, ohne sicherzustellen, dass die Versorgung der Patienten sichergestellt ist, können wir als Verband nicht gutheißen."

Dehoga Hessen fordert Abweichung von Bundesregeln

Der Hotel- und Gastronomieverband Hessen (Dehoga) äußert sich besorgt über die neuen Corona-Regeln. Vor allem wegen des Automatismus, ab einer Hospitalisierungsrate von 6 in Gastronomiebetrieben 2G-plus (Zugang nur für Geimpfte und Genese mit zusätzlichem negativen Test) einzuführen. "Das wäre insbesondere für die Gastronomie ein Nackenschlag und käme einem Lockdown gleich, ohne ihn allerdings so nennen", teilt Hauptgeschäftsführer Julius Wagner mit. Allerdings scheine es so, dass die Länder in diesem Punkt von der Bundesregelung abweichen könnten.

"Und das erwarten wir von der hessischen Landesregierung", sagt Wagner. Es wäre allein organisatorisch vollkommen unpraktikabel, den Gästen, die essen gehen wollen, neben der Kontrolle der Impfnachweise und Personalausweise einen Schnelltest abzuverlangen. "Sollen diese an der Restauranttür durchgeführt werden, so führte dies zu einem logistischen Desaster", glaubt Wagner. Bei 2G-plus würde die Restaurantschwelle zur Prüfstation. "Mag dies bei drei, vier Gästen noch machbar sein - sobald in Stoßzeiten zwischen 19 und 19.30 Uhr zum Beispiel 30 Gästegruppen mit Reservierungen zum Essen kommen, funktioniert das nicht mehr."

Die aktuellen Regeln mit 3G-plus und 2G müssten beibehalten werden, sie führen Wagner zufolge ohnehin "zu einem faktischen flächendeckenden 2G in der Branche". Mit Blick auf die zu erwartende strikte 2G-Pflicht in ganz Hessen sei der Gastronomiebesuch stark reguliert und daher weitaus sicherer als eine Fahrt in Bus und Bahn zum Beispiel.

3G im ÖPNV "nicht kontrollierbar"

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) lehnt die geplante 3G-Regelung für Bus und Bahn ab. Das Vorhaben sei selbst bei massivem Einsatz der Bundespolizei nicht kontrollierbar. In RMV-Gebiet gebe es über 1.000 Bus- und Bahnlinien sowie mehr als 12.000 Haltestellen, dort stiegen täglich etwa 1,8 Millionen Menschen ein und aus. 

"Zudem wären die 3G-Kontrollen deutlich aufwendiger als die Maskenkontrollen, da nicht auf den ersten Blick erkannt werden kann, ob jemand geimpft, genesen oder getestet ist", hieß es jüngst vom RMV. Dessen Chef Knut Ringat sagte nun, es sei die Eigenverantwortung der Menschen, sich an die Vorgaben zu halten, ähnlich einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Straße, deren Einhaltung auch nicht lückenlos kontrolliert werde. Die 3G-Regel solle im öffentlichen Nahverkehr stichprobenartig überprüft werden.

KV hält Wiederaufbau der Impfzentren nicht für sinnvoll

"Die Situation in den Praxen ist aktuell sehr herausfordernd", teilt die Kassenärztliche Vereinigung (KV) auf hr-Anfrage mit. Der "Zickzackkurs der Politik rund um die Boosterimpfung" mache es nicht einfacher. "Wir müssen klar festhalten: Boosterimpfungen für alle, so wie es die Politik möchte, das kann so nicht funktionieren." Dafür gebe es nicht genug Impfkapazitäten. Die KV fordert klare Vorgaben "und aus unserer Sicht auch bei der Auffrischung eine Priorisierung nach Alter beziehungsweise Risikoabwägung".

Außerdem müssten dringend die Bürokratie verschlankt und mehr Flexibilität bei der Bestellung der Impfstoffe geschaffen werden. Den Wiederaufbau der Impfzentren in der früheren Größe "halten wir dennoch nicht für sinnvoll", teilt die KV mit. Kleine Zentren wie beispielsweise in Frankfurt seien aber durchaus hilfreich.

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