Die beiden Vorstandssprecher der hessischen Alternative für Deutschland (AfD), Andreas Lichert (l) und Robert Lambrou (r), stehen am Rande des Landesparteitages der AfD nach ihrer Wahl vor der Halle im Frankfurter Stadtteil Zeilsheim

Die hessische AfD hat eine neue Doppelspitze: Neben Robert Lambrou hat der Parteitag Andreas Lichert zum Vorstandssprecher gewählt. Lichert war Anhänger des als rechtsextremistisch eingestuften "Flügels".

Videobeitrag

Video

zum Video Lichert und Lambrou bilden Doppelspitze der Hessen-AfD

hessenschau vom 20.11.2021
Ende des Videobeitrags

Die hessische AfD wird auch in den kommenden zwei Jahren von einer Doppelspitze geführt. Auf dem Parteitag in Frankfurt-Zeilsheim wurde der bisherige Vorstandssprecher Robert Lambrou in seinem Amt bestätigt. Neu an der Parteispitze ist Andreas Lichert, der den bisherigen Co-Vorstandssprecher Klaus Herrmann ablöst. Lichert erhielt 109 der 199 abgegebenen Stimmen. Lambrou wurde in einem weiteren Wahlgang mit 114 von 206 Stimmen im Amt bestätigt.

Als vierter Bewerber hatte sich der Landtagsabgeordnete Volker Richter zur Wahl gestellt. Er wurde zusammen mit Heiko Scholz, der ebenfalls dem Landtag angehört, zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Neuer Parteivorsitzender war "Flügel"-Anhänger

Lichert sagte nach seiner Wahl, er wolle gemeinsam mit Lambrou die inhaltliche Breite der Partei repräsentieren. Er selbst stehe für ein freiheitlich-konservatives, rechtes Profil. Rechtsextremismus-Vorwürfe seien aber Unsinn. Bei seiner Wahl handele es sich nicht um eine Richtungsentscheidung.

Vor dessen formaler Auflösung zählte Lichert zu den Anhängern des "Flügels". Der Verfassungsschutz hatte die Aktivitäten des "Flügels" um Gründer Björn Höcke im März 2020 als rechtsextrem eingestuft. Lichert sagte zum "Flügel", dieser existiere nicht mehr. Er sei aber froh darüber, dass die ehemaligen Mitglieder noch da wären. Lichert darf seit einem Rechtsstreit mit einem Parteikollegen im Jahr 2019 per Gerichtsentscheid offiziell als "stolzes Mitglied der Identitären Bewegung" bezeichnet werden. Auch diese Bewegung wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Lichert rief Partei zu Einheit auf

Lichert ist Diplom-Ingenieur und hat unter anderem als Unternehmensberater sowie bei Firmen im Bereich Energieversorgung gearbeitet. Der 46-Jährige ist verheiratet und lebt in Bad Nauheim. In der Landtagsfraktion ist Lichert Sprecher für Energie-, Mittelstands-, Wirtschafts- und Digitalpolitik. Seine Reden im Parlament sind gekennzeichnet von viel Polemik und Zuspitzungen.

Gegendemonstranten am Rande des AfD-Landesparteitags

In seiner Bewerbungsrede vor der Wahl kritisierte er unter dem Applaus der Delegierten die staatliche Corona-Politik als irrational. Die Parteimitglieder rief er auf, zusammenzuarbeiten und nicht länger mit dem Finger aufeinander zu zeigen - um nicht "den ständigen Radikalismusvorwurf" von außen zu bestätigen. Inhaltlich gehe es ihm darum, dass mehr staatliche Unterstützung bei den Menschen ankomme, die auf sie angewiesen seien. Bisher bleibe zu viel Geld in der Bürokratie hängen.

Lambrou im Amt bestätigt

Sein Amtskollege Lambrou ist wohl das bekannteste Gesicht der AfD in Hessen. Der 54-Jährige wird dem gemäßigteren Lager in der AfD zugeordnet. Er wurde nach dem Einzug der Rechtspopulisten in den Landtag im Jahr 2018 klar zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. Lambrou stammt aus Münster in Nordrhein-Westfalen, hat einen griechischen Vater und eine deutsche Mutter.

Der Diplomkaufmann ist verheiratet und war vor seinem Eintritt in die Alternative für Deutschland kurzzeitig auch SPD-Mitglied. Ausgangspunkt für sein Engagement bei der AfD sei die damalige Euro-Rettungspolitik gewesen. "Die Masseneinwanderung aus vorwiegend muslimisch geprägten Ländern und die fehlende Integration von Einwanderern sehe ich ebenfalls mehr als kritisch", begründet Lambrou sein politisches Engagement bei der AfD.

Parteispitze für zwei Jahre gewählt

Die Wahl zum Landessprecher gilt für zwei Jahre. Ein Antrag, anstelle der bisherigen Doppelspitze nur noch einen Vorstandssprecher zu wählen, fand auf dem Parteitag am Samstag keine Mehrheit.

Die AfD hat bei der Bundestagswahl ein Ergebnis von 10,3 Prozent der Stimmen erzielt nach 12,6 Prozent bei der vorangegangenen Wahl. In Hessen kam die AfD bei der Bundestagswahl auf 8,8 Prozent (-3,1) der Stimmen.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen