Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) kurz nach der Verkündung seines Rücktritts.
Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) kurz nach der Verkündung seines Rücktritts. Bild © picture-alliance/dpa

Thorsten Schäfer-Gümbel hat sich um die SPD in Hessen außerordentlich verdient gemacht, kommentiert hr-Landtagskorrespondent Christopher Plass. Zum Hoffnungsträger taugte der Landeschef aber nicht mehr. Sein Abgang? Nur konsequent. Die Art und Weise? Fragwürdig.

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Spätestens mit der Wahlschlappe vom 28. Oktober war klar, dass Thorsten Schäfer-Gümbel an der Spitze der Hessen-SPD keine Zukunft haben konnte. Man kann Politik grausam finden, dass auch ein noch so verdienter Parteichef am Ende Konsequenzen ziehen muss. Aber so ist es nun mal, und Schäfer-Gümbel war klug genug, das selbst zu erkennen. Er habe schon vor Jahresfrist beschlossen, dass er im Falle einer Wahlniederlage nicht mehr antreten würde, sagte er am Dienstag. Ehrlich gesagt: Es hat auch niemand erwartet.

Sein Rückzug auf Raten gibt seiner Partei Raum, um neu anzufangen. Die SPD, dreimal erfolglos bei Landtagswahlen, braucht auch ein neues Gesicht an der Spitze. Nach seinem dritten erfolglosen Anlauf, Ministerpräsident zu werden, fehlte Schäfer-Gümbel vor allem eines: Motivation. Und ohne diese kann man Truppen nicht sammeln und für den nächsten politischen Streit rüsten.

Sauberen Schnitt verfehlt

Porträt Christopher Plass
hr-Landtagskorrespondent Christopher Plass Bild © hr, Christian Christes

In diesem Licht finde ich den Rückzug auf Raten merkwürdig: Schäfer-Gümbel kündigt an, im Herbst das Zepter abgeben zu wollen, bis dahin ist noch ein halbes Jahr Zeit. Ein sauberer Schnitt sieht meines Erachtens anders aus als dieser zähe Abgang in Schritten. Denn eigentlich müsste erkennbar die Zukunft eingeläutet werden. Parteitage mit Neuwahlen kann man auch kurzfristig ansetzen: Wer wüsste das besser als die SPD?

Nun ist in der SPD niemand, der Schäfer-Gümbel offen vom Chefsessel schubsen will. Zumindest bis zur Wahl war der Landeschef in den eigenen Reihen unangefochten. Er hat das nicht zu unterschätzende Verdienst, seine 2008 schwer gebeutelte SPD Stück für Stück wieder aufgebaut und geeint zu haben. Damit war TSG, wie ihn viele nennen, ungemein erfolgreich. Es gehört zur Tragik dieses Politikers, dass ein fast schon sicherer rot-grüner Machtwechsel 2013 versemmelt wurde. Am Ende galt auch für ihn: Wenn sich kein Erfolg einstellt, muss man gehen.

Richtiger Riecher, aber kein zündender Hoffnungsträger

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Schäfer-Gümbels Schicksal ist letztlich auch die zunehmende Bedeutung der Mediengesellschaft: Welche Stärken der SPD-Politiker menschlich haben kann, erkannte man vor allem aus der Nähe. In gestanzten Fernseh-Statements kam das zu wenig zum Ausdruck. Politisch hatte er oft den richtigen Riecher für Themen, aber zum zündenden Hoffnungsträger reichte es nicht mehr, schon gar nicht, um gegen die bundesweite SPD-Talfahrt anzukämpfen.

Der Wechsel an der SPD-Spitze kommt, wie es aussieht, langsam. Ob er gewaltig kommt, ist noch nicht klar. Aber er bringt Bewegung in die politische Landschaft. Das könnte die politische Konkurrenz unter Zugzwang setzen.