Thorsten Schäfer-Gümbel am Rednerpult

Erst zieht SPD-Interimschef Thorsten Schäfer-Gümbel in einem Interview Parallelen zwischen Grünen und AfD. Dann rudert er betroffen zurück. Dabei hat er denselben Vergleich schon einmal im Landtag gezogen.

Wenn man der Schilderung von Thorsten Schäfer-Gümbel glauben mag, kann sein Start in den Freitag nicht besonders gelungen gewesen sein. "Manchmal gibt man ein Interview und ist am nächsten Morgen erschrocken über die Überschrift und die Kritik daran", lässt der langjährige Vorsitzende der Hessen-SPD und seit kurzem Co-Interimschef der Bundespartei seine 27.800 Follower bei Twitter wissen.

Manchmal gibt man ein Interview und ist am nächsten Morgen erschrocken über die Überschrift und die Kritik daran. Genau das ist mir heute passiert. Zur Klarstellung: @Die_Gruenen sind in meinen Augen eine wichtige politische Kraft.

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"Zur Klarstellung: Die Grünen sind in meinen Augen eine wichtige politische Kraft", setzt Schäfer-Gümbel fort. In einer Kette von Tweets bezeichnet er die Öko-Partei als "eine Stütze unserer Demokratie". Die AfD hingegen sei "das absolute Gegenteil". Es ist eine lange Verteidigungsrede. Nötig geworden war sie, nachdem Schäfer-Gümbel in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel Parallelen zwischen den Grünen und der AfD gezogen hatte.

Verkürzung auf die Klimafrage

Konkret hatte Schäfer-Gümbel den Grünen vorgeworfen, "alles Elend dieser Welt" auf "die Frage des Klimawandels" zu reduzieren. Ähnlich wie die AfD die Migrationsfrage "zum Übel der Welt" erkläre. "Beides verkürzt Politik in grotesker Weise", so Schäfer-Gümbel. Die Grünen seien in eine "programmatische Beliebigkeit abgeglitten", die es ihnen erlaube, sich "zum Objekt politischer Heilserwartungen zu stilisieren".

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"Die SPD verliert die Contenance"

Grüne und AfD in einem Atemzug nennen? Für tagesschau.de kommentiert Thomas Kreutzmann vom ARD-Hauptstadtstudio die Aussagen Thorsten Schäfer-Gümbels.

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Das Interview hatte scharfe Kritik seitens der Grünen hervorgerufen. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin bezeichnete Schäfer-Gümbels Einlassungen als "faktenfreies Gelaber". "Meinst du so ein plumper Angriff hilft Euch weiter?", wandte sich Michael Kellner, Bundesgeschäftsführer der Grünen per Twitter direkt an Schäfer-Gümbel, der Vergleich mit der AfD sei "schlicht unterirdisch".

Lieber @tsghessen , meinst du so ein plumper Angriff hilft Euch weiter? Statt Soziales, Klima und Wirtschaft gegeneinander auszuspielen, bringen wir es zusammen. Lass uns darüber streiten, wie es am besten geht. Und der Vergleich mit der AfD ist schlicht unterirdisch. https://t.co/vzCwCWeG1K

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Populismus-Vorwurf schon im Februar

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Schäfer-Gümbel den Grünen Populismus vorwirft. Und auch nicht, dass er dabei Parallelen zur AfD zieht. Bereits im Februar hatte der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende in der Generaldebatte des hessischen Landtags davon gesprochen, dass "der Kuschel- und Wohlfühl-Populismus" eine Hochphase erlebe. CDU und SPD hätten massiv Stimmen an Parteien verloren, "die auf unterschiedliche Weise Populismus" betrieben.

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zum Video Schäfer-Gümbel verärgert Grüne im Februar mit AfD-Vergleich

Schäfer-Gümbel verärgert die Grünen mit Populismus-Vorwurf
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Zwar hatte es Schäfer-Gümbel seiner Zeit vermieden, die beiden Parteien direkt zu benennen, dennoch fühlten sich die Grünen durch die indirekte Gleichsetzung mit der AfD angegriffen. "Das hat das Niveau unterboten, wie ich es nicht für möglich gehalten habe", empörte sich der Grünen-Fraktionsvorsitzende Mathias Wagner damals. Und er bekundete: Schäfer-Gümbels Attacke habe ihm den Atem verschlagen.

Diesmal allerdings sah Schäfer-Gümbel sich genötigt, sich ausgiebig zu erklären. Von seiner grundsätzlichen Kritik am Politikstil der Grünen rückte er allerdings nicht ab. Er sei weiterhin der Überzeugung, so Schäfer-Gümbel auf Twitter, "dass die Komplexität unserer Zeit durch Verkürzungen auf ein Thema" nicht gelöst werde.