Leerer Klassenraum

Viele hoffen auf eine Lockerung der drastischen Anti-Corona-Maßnahmen. Am Mittwoch wollen Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten entscheiden. Bei den Schulen hat die Landesregierung konkrete Vorstellungen.

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hessenschau kompakt von 16:45 Uhr vom 14.04.2020
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Die Landesregierung will im Fall einer Wiederaufnahme des Unterrichts an den hessischen Schulen möglichst mit den Abschlussklassen beginnen. Das erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstagmittag in Wiesbaden bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur möglichen Corona-Exit-Strategie in Wiesbaden.

Bouffier betonte, dass noch nichts entschieden und er um ein möglichst einheitliches bundesweites Vorgehen bemüht sei. Alle Bundesländer verfolgten in ihren Anti-Corona-Maßnahmen das gleiche Ziel. Das müsse aber nicht bedeuten, dass alle im einzelnen die gleichen Maßnahmen treffen.

Beim inzwischen abgeschlossenen schriftlichen Abitur habe Hessen sich ja auch anders als andere Länder dazu entschieden, nicht zu verschieben. Schon dadurch könne es zu unterschiedlichen Folgebeschlüssen bei den Schulen kommen.

Länderchefs entscheiden am Mittwoch über weiteres Vorgehen

Bouffier und Spahn äußerten sich einen Tag vor der Konferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten in Wiesbaden. Am Vormittag hatten beide die Uniklinik Gießen/Marburg besucht. Bei der Konferenz am Mittwoch soll es um mögliche Lockerungen der drastischen Maßnahmen gehen, die gegen die Ausbreitung des Coronavirus verhängt worden waren.

Als frühesten Termin für den Beginn mit einem allmählichen Exit hat die Bundesregierung den 20. April genannt - falls die Dynamik der Ausbreitung sich weiterhin abschwächt.

Derzeit gibt es in Hessen 6.179 bestätigte Coronafälle. Der Anstieg mit Neuinfektionen hat sich spürbar abgebremst. Waren Mitte März noch tägliche Steigerungen der bestätigten Fälle von bis zu 44 Prozent der Fall, so hat sich der Anstieg in den letzten Tage auf weniger als fünf Prozent Zunahme verlangsamt. Auch bundesweit ist ein verlangsamter Anstieg zu beobachten. Allerdings sind Experten wie die des Robert-Koch-Instituts noch skeptisch, ob dieser Trend für Lockerungen reicht.

Bouffier: mit Grundschulen beginnen "nicht überzeugend"

"Ich halte die Empfehlungen der Leopoldina, mit den Grundschulen zu beginnen, für nicht überzeugend", sagte Bouffier mit Hinweis auf die am Wochenende bekannt gewordenen Empfehlungen des Wissenschaftsgremiums aus Halle.

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina hatte in einem Gutachten erklärt, eine Öffnung der Schulen "sobald wie irgend möglich" erfolgen. Das hatten die Wissenschaftler an verschiedene Bedingungen geknüpft, wie reduzierte Gruppengrößen von maximal 15 Schülern, oder die Empfehlung sich auf Schwerpunktfächer wie Deutsch und Mathematik zu konzentrieren. Auch solle die Öffnung schrittweise und nach Jahrgangsstufen differenziert gehen.

Kritiker hatten hingegen vor einer zu schnellen Öffnung gewarnt. Auch die hessenschau.de-Nutzer hatten sich mehrheitlich in einer nicht repräsentativen Umfrage für eine längere Schließung über die Osterferien hinaus ausgesprochen.

Mehr Spielraum für Einzelhandel?

Die Landesregierung wolle bei dem für Mittwoch angesetzten Treffen der Ministerpräsidenten in Berlin dagegen dafür werben, den Unterricht zunächst wieder in den höheren Jahrgangsstufen aufzunehmen. "Nicht nur, weil die Schüler da vor ihrem Abschluss stehen. Sondern auch, weil bei den Älteren der Appell an Distanz- und Hygieneregeln besser gelingen kann."

Bouffier erklärte außerdem, dass er sich vorstellen könnte, dass die morgige Konferenz zumindest teilweise Öffnungen im Einzel- und Großhandel zur Folge haben könnte. Konkrete Maßnahmen seien jedoch seitens der Landesregierung jedoch noch nicht beschlossen worden. "Wir arbeiten an einem Plan, der über den kommenden Montag hinaus weist", so Bouffier.

Spahn: "Vorsichtige erste Schritte“

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Spahn könnte sich Lockerungen im Einzelhandel vorstellen

"Geschlossen"-Schild an einem Laden
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Sowohl Bouffier als auch Spahn äußerten sich anerkennend über das Verhalten der Bevölkerung angesichts der zahlreichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens. "Wir dürfen sehr dankbar sein, dass im Großen und Ganzen die Dinge sehr gut gelingen", sagte Bouffier. Spahn betonte, dass gerade das Osterwochenende für Viele mit "Einschnitten und Verzicht" verbunden gewesen sei. Jedoch hätte die Bevölkerung "viel Akzeptanz" gezeigt.

Der Bundesgesundheitsminister erklärte, es gehe um "vorsichtige erste Schritte zu einer neuen Normalität". Nun werde zu besprechen sein, "in welchen Bereichen des Einzelhandels das auch gehen kann". Klar sei aber auch, "dass Partys und Volksfeste mit als Letztes wieder gehen können", sagte der Bundesgesundheitsminister. Wichtigster Maßstab sei, jederzeit sicherzustellen, dass genügend Intensiv- und Beatmungskapazitäten für die an Covid-19-Erkrankten vorhanden seien. Auch die Abstandsregeln müssten bei Lockerungen weiter eingehalten werden.

Er betonte, dass sich die Bundespolitik an den Empfehlungen wissenschaftlicher Beiräte orientieren werde. "Klar ist aber auch, dass wir, die politischen Vertreter, zu entscheiden haben". Der Begriff "Exit" sei dabei aus seiner Sicht falsch gewählt. "Es geht nicht darum, dass von einem Tag auf den anderen wieder alles so ist wie vorher."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 14.04.2020, 16.45 Uhr