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So will Hessen seine Lehrkräfte-Ausbildung umkrempeln

Schülerinnen und Schüler sitzen am Montagmorgen beim Unterricht in ihrer Klasse, während ein Lehrer neben geöffneten Fenstern vor der Tafel steht. (dpa)

Alles neu in der Ausbildung für Lehrerinnen und Lehrer in Hessen: Das hat die Landesregierung beschlossen. Die Opposition im Landtag stellte ihr dafür ein äußerst dürftiges Zeugnis aus.

Die Anforderungen an Lehrerinnen und Lehrer seien in den vergangenen Jahren vielfältiger geworden, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Dienstag im Landtag in Wiesbaden. Der Minister möchte deshalb die Lehrkräfte-Ausbildung neu aufstellen und präsentierte in diesem Zusammenhang sein reformiertes Lehrerbildungsgesetz.

Praxissemester hat sich bewährt

Die Integration von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache sowie die Medienbildung und Digitalisierung sollen nun Teil der Aus- und Weiterbildung werden. Besonders Inklusion und Digitalisierung sollen künftig verbindlicher Bestandteil aller Phasen der Lehrkräftebildung sein - vom Studium bis hin zur Fortbildung.

Außerdem soll ein Quereinstieg ins Lehramt einfacher möglich sein und das in den vergangenen Jahren erprobte Praxissemester flächendeckend eingeführt werden.

Kein Rütteln an Staatsexamen

Lorz sagte: "Gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer sind die Schlüsselfiguren für den Bildungserfolg unserer Schülerinnen und Schüler. Daher ist es folgerichtig, ihre Ausbildung an die neuen Anforderungen anzupassen."

An der Art der Prüfung für angehende Lehrkräfte soll sich nichts ändern: Beim System der Staatsprüfung, also dem ersten und zweiten Staatsexamen, werde alles beibehalten. Nur so könne Qualität und Einheitlichkeit der hessischen Abschlüsse garantiert sein, erklärte der Kultusminister.

SPD-Mann Degen: "Hessen bleibt Schlusslicht"

Deutliche Kritik kam von den Oppositionsparteien. Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christoph Degen, bezeichnete Hessen als Schlusslicht in der Lehrkräfteausbildung. Das neue Gesetz sei lediglich eine kosmetische Änderung, weil eine Verlängerung der Studiendauer fehle. "Wer so tut, als könne man all das plus zusätzlich ein Praxissemester in die bundesweit kürzeste Studienzeit packen, der macht der Öffentlichkeit etwas vor."

Auch die Linken-Abgeordnete Elisabeth Kula kritisiert die Pläne mit dem Praxissemester: Dessen Verschiebung in die Vorlesungszeit sorge für eine faktische Verkürzung der realen Studienzeit. Das sei völlig absurd.

Heiko Scholz von der AfD teilte mit: "Mit diesem Gesetzentwurf wurde ein Einfallstor dafür geschaffen, vakante Lehrerstellen im Bedarfsfall mit pädagogisch nicht hinreichend qualifizierten Kandidaten besetzen zu können." Scholz kritisiert damit, dass der Quereinstieg in den Lehrerberuf erleichtert werden soll.

Wirtschaft begrüßt Quereinsteiger

Ausdrückliches Lob für diesen Schritt kam von Robert Lippmann, Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (IHKT). Gerade in naturwissenschaftlichen Fächer fehlten Lehrerinnen und Lehrer. "Ausgestattet mit pädagogischem Rüstzeug können Quereinsteiger sehr wertvolle Praxiserfahrungen in den Schulalltag einbringen", so Lippmann. Außerdem würde es Hessens Wirtschaft ausdrücklich begrüßen, dass berufliche Orientierung und Digitalisierung verbindliche Bestandteile der Lehrkräftebildung werden sollen.

Zustimmung auch vom Koalitionspartner: Daniel May (Grüne) sprach von einer zeitgemäßen Weiterentwicklung von Inhalt und Struktur der Lehrkräfteausbildung. So werde sichergestellt, dass Lehrkräfte den sich ändernden Anforderungen entsprechend ausgebildet werden.