Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Man muss den Aufbruch auch verkörpern"

Michael Roth bei einer  SPD-Regionalkonferenz mit Teampartnerin Christina Kampmann

Die SPD setzt die Suche nach einer Parteispitze auf einer Regionalkonferenz in Baunatal fort. Michael Roth will bei dem Heimspiel mit seiner Teampartnerin weiter punkten. Im Interview spricht der Kandidat über den Aufstieg in den Favoritenkreis und eine Wahlempfehlung Kevin Kühnerts.

Tagsüber Berlin, London oder Paris. Und abends Ettlingen, Neubrandenburg oder Nieder-Olm: Michael Roth, Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, durchlebt kontrastreiche Zeiten. Der Bundestagsabgeordnete aus Bad Hersfeld ist mit seiner Teampartnerin Christina Kampmann, der früheren NRW-Familienministerin, einer der Akteure der großen SPD-Regionalkonferenz-Tournee.

Im Wettbewerb um den Parteivorsitz hatten die beiden überraschend und als erste ihren Hut in den Ring geworfen. Dann überraschten sie weiter: Erst mit einem einschneidenden Programm zur Parteireform und seitdem mit ihren Auftritten beim Kandidaten-Schaulaufen vor der Mitgliederbefragung. Inzwischen ist Vize-Kanzler Olaf Scholz längst nicht mehr haushoher Favorit - und Roth/Kampmann zählen zu seinen ernsthaftesten Konkurrenten.

Am Montagabend ab 19 Uhr hat Roth auch noch eine Art Heimspiel. Bei der Kandidatenschau in der Stadthalle in Baunatal (Kassel) will der 49-Jährige mit seiner 39 Jahre alten Teampartnerin weiter Punkte sammeln.

hessenschau.de: Herr Roth, mal ehrlich: Baunatal ist erst die 11. von 23 Stationen der Kandidatentour. Und alles läuft nach dem gleichen strengen Muster ab. Fängt es nicht schon an, langweilig zu werden?

Michael Roth: Überhaupt nicht. Jede Regionalkonferenz ist anders. In Thüringen waren die Mitglieder zum Beispiel etwas zurückhaltender, in Nürnberg geradezu euphorisch. Eines ist überall gleich: Die Säle sind voll, die Stimmung ist gut und die Neugier riesig auf eine SPD, die sich basisnah und diskussionsfreudig präsentiert. Und überall ist der Umgang mit den Kandidierenden ausgesprochen fair.

hessenschau.de: Bleibt bei insgesamt rund zehn Minuten Redezeit für Ihr Duo überhaupt Zeit für einen besonderen, regionalen Akzent?

Roth: Wir bereiten uns jedenfalls auf jede Veranstaltung besonders vor. In Baunatal könnte ich vermutlich eine Konferenz alleine nur mit Geschichten aus meiner politischen Heimat Nordhessen bestreiten. Da werde ich mich sicherlich ein bisschen zurücknehmen.

hessenschau.de:  Anders als zuvor haben Sie schon bei der ersten hessischen Konferenz in Friedberg Ihrer Partnerin Kampmann das Feld fast allein überlassen. War das Strategie oder Tagesform?

Roth: So eine Regionalkonferenz kann man ja nicht generalstabsmäßig vorplanen. Christina Kampmann und ich entscheiden oft spontan, wer von uns welche Frage beantwortet. Wir achten aber schon sehr genau auf eine Balance bei unseren Redeanteilen. Grundsätzlich ist uns wichtig: Wir arbeiten als Team auf Augenhöhe!

hessenschau.de: Besondere Rückendeckung von der Landespartei oder gar eine Wahlempfehlung gab es für Sie bisher nicht.

Roth: Die SPD hat sich erstmals auf einen Prozess verständigt, in dem nicht mehr wie bisher die Gremien und die Hinterzimmer das letzte Worte haben, sondern unsere Mitglieder. Am Ende entscheiden alle und nicht einige wenige über die neue Parteispitze.

Weitere Informationen

Generalsekretär, Staatsminister, Kandidat

Michael Roth, Jahrgang 1970, stammt aus dem osthessischen Heringen, studierte Politologie bis zum Diplom in Frankfurt und landete rasch in der praktischen Politik. Vize-Bundesvorsitzender der Jusos war er, Generalsekretär der Hessen-SPD und Landtagsabgeordneter. Seit 1998 ist er mit Direktmandat Bundestagsabgeordneter (Wahlkreis Werra-Meißner/Hersfeld-Rotenburg) und seit 2013 Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. Dem SPD-Bundesvorstand, dessen Co-Chef er nun werden will, gehört er auch an.

Ende der weiteren Informationen

Deshalb halten sich viele Landesverbände, Bezirke oder Unterbezirke auch ganz bewusst zurück mit Wahlempfehlungen. Ich habe mich gefreut, die offizielle Nominierung für unsere Kandidatur von meinem Heimatbezirk Hessen-Nord bereits sehr frühzeitig erhalten zu haben. Alles weitere bleibt unseren Mitgliedern überlassen. Und das ist auch gut so.

hessenschau.de: Die Jusos mit ihrem Bundeschef Kevin Kühnert haben aber gerade sehr vernehmlich die Wahl Ihrer Mitbewerber Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken empfohlen. Ärgert Sie das nicht?

Roth: Kein bisschen. Der Vorstand der Jusos kann das machen, wenn er glaubt, sein Ratschlag passe zum Konzept eines offenen, transparenten Prozesses. Ich weiß jedenfalls auch aus den Regionalkonferenzen, dass viele jüngere Mitglieder davon völlig unbeeindruckt sind und sich lieber ein eigenes Bild machen. Wir finden auch bei Jusos ganz viel Zuspruch.

Michael Roth beim Konferenz-Auftritt

hessenschau.de: In der Berichterstattung kommen Sie bisher gut weg. Für die Kollegen von der Welt haben sie in Hannover die Bühne beherrscht. Und in der Zeit nennt Merkels Wahlkampfberater Lutz Meyer Sie schon die telegene SPD-Antwort auf das Grünen-Spitzenduo Habeck/Baerbock.

Roth: Wir waren von Anfang an auch überzeugt davon, dass unser Angebot gut ankommt. Und wir wollen der SPD eben nicht nur gute Inhalte bringen, sondern auch Frische und Hoffnung vermitteln. Die vielen positiven Rückmeldungen geben uns natürlich Rückenwind für die kommenden Konferenzen.

hessenschau.de Den lautesten Beifall erhält aber fast immer Ihr Mitbewerber Karl Lauterbach, wenn er das Ende der Großen Koalition fordert. Wenn das beim Mitgliederentscheid der wichtigste Aspekt ist, haben Sie als GroKo-Minister am Ende trotz guter Auftritte schlechte Karten.

Roth: Ein Wunschbündnis ist die Koalition für niemanden. Dass das im Beifall einfach mal raus muss, dafür habe ich allergrößtes Verständnis. Wir sind sie beim letzten Mal nur schweren Herzens eingegangen und wollen sie überwinden. Christina Kampmann und ich stellen ja auch konkrete Bedingungen an die Fortführung der Koalition, zum Beispiel in Sachen Europa, Klimaschutz oder der Bekämpfung von Kinderarmut.

Am Ende ist das hier aber nicht der Wettbewerb, wer der Moses ist, der die SPD ins vermeintlich gelobte Land der Opposition führt.  Die Devise "Egal wie, nur raus" reicht eben nicht. Opposition ist keine Reha-Maßnahme, in der man automatisch wieder stärker wird. Und die Ursachen für die Krise der SPD liegen doch viel tiefer.

Wer weiß: Falls Sie verlieren, bedauern Sie am Ende vielleicht doch noch, sich nicht wie die neue Landtagsfraktionschefin Nancy Faser um die Nachfolge von SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel  beworben zu haben.

Roth: Die hessische SPD hat mit Nancy Faeser großes Glück, mein Platz ist auch künftig in Berlin. Und im Wettbewerb um den SPD-Bundesvorsitz setzte ich ja nicht auf Platz, sondern gemeinsam mit Christina Kampmann auf Sieg.

Das Gespräch führte Wolfgang Türk  

Weitere Informationen

So geht es bei der Vorsitzendenwahl der SPD weiter

Nach der ersten Regionalkonferenz in Saarbrücken sind neben Michael Roth und Christina Kampmann sechs weitere Duos im Rennen um den SPD-Bundesvorsitz. Der einzige Einzelbewerber Karl-Heinz Brunner ist gerade abgesprungen.

  • Das Regionalkonferenz-Finale steigt in München am 12. Oktober.
  • Dann dürfen die Parteimitglied online oder per Brief abstimmen. Das Ergebnis der Mitgliederbefragung wird am 26. Oktober verkündet.
  • Schafft niemand die absolute Mehrheit, gibt es vom 19. bis 29. November eine Stichwahl zwischen den beiden Führenden.
  • Zum Schluss müssen die Delegierten des Bundesparteitags vom 6. bis 8. Dezember in Berlin den Vorschlag der Parteibasis noch absegnen.
Ende der weiteren Informationen