Thorsten Schäfer-Gümbel
Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) Bild © picture-alliance/dpa

Ende der Ära "TSG" bei der hessischen SPD: Fünf Monate nach der Niederlage bei der Landtagswahl kündigt ihr Chef Thorsten Schäfer-Gümbel seinen Abschied aus der Politik an. Bis Herbst muss seine Partei die Nachfolge klären.

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SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel zieht sich aus der Politik zurück. Der 49-Jährige unterrichtete am Dienstagmittag in Wiesbaden den Vorstand der Landtagsfraktion darüber, dass er im Laufe des Jahres alle politischen Funktionen und Posten niederlegen will.

Im Herbst wird er demnach sein Landtagsmandat und damit auch den Fraktionsvorsitz aufgeben. Beim Landesparteitag am 2. November in Baunatal (Kassel) tritt Schäfer-Gümbel nach zehn Jahren auch nicht mehr für das Amt des Parteichefs an. Auch als stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten hört er beim Parteitag im Dezember auf.

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Der Gießener soll zum 1. Oktober Vorstandsmitglied und Arbeitsdirektor der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Eschborn (Main-Taunus) werden. Dort wäre er für rund 20.000 Beschäftigte weltweit verantwortlich.

Konsequenz aus Wahlniederlage

Schäfer-Gümbel, von vielen nach seinen Initialen TSG genannt, zieht mit dem Rückzug die Konsequenz aus der Niederlage bei der Landtagswahl im vergangenen Oktober. Er war bereits zum dritten Mal erfolglos als Spitzenkandidat der SPD angetreten. Seine Partei musste Verluste von fast elf Prozentpunkten und das schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit hinnehmen.

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Die SPD wurde hinter CDU und Grünen mit 19,8 Prozent nur noch drittstärkste Kraft und blieb in der Opposition. Der Rückstand auf die Grünen war hauchdünn, es ging um 66 Stimmen. Wären die Sozialdemokraten auf Platz zwei gelandet, wäre ein Ampel-Bündnis mit Grünen und FDP unter der Führung Schäfer-Gümbels zumindest denkbar gewesen. So blieb es dabei, dass die Christdemokraten seit 20 Jahren den Regierungschef in der einstigen SPD-Hochburg Hessen stellen.

Wer wird Nachfolger?

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Schäfer-Gümbel äußerte sich am Nachmittag in Wiesbaden auf einer Pressekonferenz zu seinem Rückzug. Die innerparteiliche Diskussion um seine Nachfolge läuft, wenn auch verhalten, schon länger. Denn es war nicht vorstellbar, dass der 49-Jährige ein viertes Mal antritt, um Ministerpräsident zu werden. Gehandelt wird für beide zu besetzende Posten - Landes- und Fraktionsvorsitz - vor allem Nancy Faeser, stellvertretende Vorsitzende der Landtagsfraktion und Generalsekretärin der Hessen-SPD.

Faeser gilt auch als Favoritin Schäfer-Gümbels. Ihr Name fällt allerdings auch als mögliche Nachfolgerin von Bundesjustizministerin Katarina Barley, die SPD-Spitzenkandidatin für die Wahl zum Europaparlament Ende Mai ist. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hat der Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels aus Kassel gerade einen anderen ins Spiel gebracht: Michael Roth aus Heringen (Herseld-Rotenburg), Bundestagsabgeordneter und Staatsminister im Auswärtigen Amt.

Zerrissene Partei befriedet

Thorsten Schäfer-Gümbel ist seit 2003 Landtagsabgeordneter, seit 2009 Landesvorsitzender und Chef der Landtagsfraktion. Es gelang ihm damals, die zerrissene hessische SPD zu befrieden: Seine Vorgängerin Andrea Ypsilanti hatte 2008 entgegen ihres Wahlversprechens versucht, eine von der Linkspartei geduldete rot-grüne Minderheitsregierung zu bilden. Sie war am Widerstand mehrerer SPD-Abgeordneter gescheitert.

Die Gräben zwischen linken und traditionellen Sozialdemokraten überbrückte Schäfer-Gümbel, dem Parteikollegen Zuverlässigkeit und Loyalität bescheinigten. 2013 wurde er nach einem Achtungserfolg bei der Landtagswahl mit 30,7 Prozent stellvertretender SPD-Bundesvorsitzender. Im SPD-Bundesvorstand ist er zuständig für Steuern, Finanzen und Wirtschaftspolitik.

Andere Parteien zollen Respekt

Landtagspräsident Boris Rhein (CDU) nannte Schäfer-Gümbel einen "engagierten Parlamentarier mit Herz und Seele" und bescheinigte ihm zum angekündigten Abschied "guten Stil und Fairness im Umgang miteinander über die Parteigrenzen hinweg". Ministerpräsident Volker Bouffier und CDU-Fraktionschef Michael Boddenberg dankten dem scheidenden SPD-Landeschef dafür, die Herausforderungen durch den vermehrten Zuzug von Flüchtlingen gemeinsam mit der Landesregierung angegangen zu sein.

Die Grünen-Landeschefs Angela Dorn und Kai Klose erinnerten daran, dass Schäfer-Gümbel die SPD nach der gescheiterten Regierungsbildung 2008 "mit viel Geschick und unermüdlichem Einsatz geeint und neu aufgebaut" habe. Der hessische FDP-Chef Stefan Ruppert bedauerte, dass die Landespolitik mit Schäfer-Gümbel "eine ihrer bekanntesten und profiliertesten Persönlichkeiten" verliere. Die Linken-Fraktionsvorsitzende Janine Wissler bedankte sich für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit und schloss: "Alles Gute, TSG!"