Die beiden Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl Mitte März in Fulda: Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) und Jonathan Wulff (SPD) (von links)

In der CDU-Hochburg Fulda haben Herausforderer bei Direktwahlen meist wenig zu melden. Jonathan Wulff versucht es dennoch - als einziger Gegenkandidat bei der OB-Wahl.

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Fulda ist seit Jahrzehnten ein politisches Kraftzentrum der CDU. Im Kreis und in der Stadt hat die Union das Sagen. Daher ist auch der Oberbürgermeister ein CDU-Mann. Für die Direktwahl am Sonntag im Rahmen der Kommunalwahlen steht diesmal sogar nur ein Gegenkandidat parat.

Einziger Herausforderer des erneut antretenden, 47-jährigen Amtsinhabers Heiko Wingenfeld ist der um ein Jahr jüngere Jonathan Wulff. Der Jurist ist Fraktionschef der SPD im Stadtparlament. Er warf als einziger seinen Hut in den Ring und will sich gegen den Verwaltungschef in dem rund 69.000 Einwohner zählenden osthessischen Oberzentrum versuchen.

Bei der Oberbürgermeisterwahl vor sechs Jahren, bei der Wingenfeld ins Amt kam, gab es neben einer Herausfordererin von der SPD immerhin noch einen Gegenkandidaten von den Grünen. Wingenfeld setzte sich mit 66,6 Prozent durch.

Wulff will CDU-Hochburg zum Wackeln bringen

Wulff sagt zu seiner Solo-Gegenkandidatur: "Ich nehme es als vertrauensvolles Zeichen der Oppositionsparteien, dass sie es nicht für nötig erachten, einen weiteren Kandidaten zu nominieren." Seine Chancen auf mehr Stimmen stiegen damit auf jeden Fall.

"Grundsätzlich", findet Wulff, "ist es immer schwer, gegen Amtsinhaber anzutreten." Aber in der heutigen Zeit wackelten auch mal vermeintliche Hochburgen.

Wie schwer das ist, erfuhr Wulff selbst im Jahr 2011, als er Amtsinhaber Bernd Woide (CDU) bei der Landratswahl mit nur 20 Prozent der Stimmen deutlich unterlag.

Wingenfeld souverän und skandalfrei im Amt

OB Wingenfeld - seit August 2015 souverän und skandalfrei im Amt - sagt zum Zweikampf um den Chefsessel im Stadtschloss: "Grundsätzlich ist es immer gut, wenn eine demokratische Wahl auch Auswahl bedeutet, wenn die Bürgerinnen und Bürger nicht nur mit Ja oder Nein stimmen können, sondern zwischen unterschiedlichen Kandidaten und Programmen auswählen können."

Herausforderer Wulff wollte im Wahlkampf deutlich machen, dass er "einige Dinge besser machen kann als der Amtsinhaber". Er will den Wohnungsbau stärken und für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen. Außerdem fordert er bessere Angebote für die Kinderbetreuung. Wulff leitet in Fulda das Hessische Amt für Versorgung und Soziales.

Wegen der Corona-Pandemie musste Wulff seinen Wahlkampf vor allem auf digitalem Weg führen. Er versuchte über Soziale Medien, mit möglichst vielen Menschen in Kontakt zu kommen.

Corona-Wahlkampf mit Wandern und Radeln

Ähnlich machte es Amtsinhaber Wingenfeld. Er kündigte auf Instagram an, zu Fuß eine Fulda-Tour zu starten und jeden Samstag Stadtteile der Domstadt zu besuchen. Bei diesen Visiten wollte er herausfinden, wo die Menschen der Schuh drückt. Er präsentierte sich sich als Kümmerer, der Probleme anpackt.

Wulff hatte eine ähnliche Idee und schwang sich aufs Fahrrad, um in der Stadt unterwegs zu sein. In dem Zusammenhang warb er auch für sein Ziel, im gesamten Stadtgebiet ein anständiges Radwegenetz zu schaffen, um die Verkehrssituation zu entschärfen.

Umgekehrt will auch Wingenfeld sich für Investitionen in Kitas und Schulen, für die Schaffung von Wohnraum, die Sicherheit in der Stadt und die Stärkung des Klinikums und der Hochschule einsetzen. Und er will Fulda als Kultur- und Tagungsstandort mitten in Deutschland ausbauen.

Das beherrschende Thema war zuletzt natürlich der Umgang mit der Corona-Pandemie. Wochenlang hatte Fulda hessenweit den höchsten Inzidenzwert und lag zwischenzeitlich bundesweit unter den zehn Kreisen mit den meisten Infektionen pro 100.000 Einwohner.

Miese Stimmung wegen Corona-Lockdown

Die Auswirkungen der Corona-Schutzmaßnahmen mit der wochenlangen Schließung der meisten Geschäfte belastete die Stimmung in der Stadt schwer. Händler demonstrierten für klarere Öffnungsperspektiven.

Davon abgesehen geht es der Stadt wirtschaftlich aber gut. Seit Jahrzehnten ist die Arbeitslosenquote die niedrigste im ganzen Land. Trotz Corona betrug sie zuletzt nur 3,7 Prozent. Hessenweit liegt sie bei 5,7 Prozent.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 02.03.2021, 19.30 Uhr