SPD fordert Modernisierung des Fremdsprachenangebots an hessischen Schulen.

Die SPD im Landtag will das Angebot von Sprachunterricht in der Schule modernisieren und häufig gesprochene Herkunftssprachen aufwerten. Sie fordert, dass künftig auch Türkisch und Griechisch unterrichtet werden können. Kultusminister Lorz widerspricht.

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Türkisch und Griechisch sollten nach einer Forderung der hessischen SPD-Landtagsfraktion in das Fremdsprachenangebot an Schulen aufgenommen werden. Der Landtag beschäftigte sich am Donnerstag im Rahmen einer Aktuellen Stunde mit dieser Forderung.

"Dazu benötigt die Landesregierung ein Konzept zur Modernisierung des Fremdsprachenangebotes", sagte der integrationspolitische Sprecher, Turgut Yüksel. Es solle sich an den Bedürfnissen der Eltern und Kinder vor Ort orientieren.

Bisher handle die schwarz-grüne Landesregierung an der Lebensrealität der hessischen Bürgerinnen und Bürger vorbei. Es sei "eine Frage der Chancengleichheit und des Abbaus von Diskriminierung, in der Bevölkerung häufig gesprochene Herkunftssprachen aufzuwerten", sagte der türkischstämmige Abgeordnete.

Kultusminister: Chinesisch und Arabisch künftig möglich

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte, es sei bislang geplant, neben Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Altgriechisch und Latein in Zukunft auch Polnisch, Chinesisch, Portugiesisch und Arabisch in das Lehrangebot aufzunehmen.

Man wolle mit dieser Auswahl nicht die türkischstämmigen Bürger und Bürgerinnen kränken, müsse sich allerdings bei der Zahl der Sprachen beschränken.

Grüne und FDP unterstützen SPD-Forderung

Die vier zusätzlichen Sprachen seien aufgrund von Nachfrage-Prognosen ausgewählt worden, sagte Daniel May, schulpolitischer Sprecher der mitregierenden Grünen. Europäische Partnerschaft, kultureller Austausch, Anzahl der Sprecherinnen und Sprecher weltweit und in Deutschland waren demnach die dafür entscheidenden Kriterien. "Es war keinesfalls die Intention der Koalitionsfraktionen, türkischsprachige Mitbürgerinnen und Mitbürger auszugrenzen", sagte May.

Generell seien auch die Grünen offen für die Erweiterung des Fremdsprachenkatalogs um Türkisch. May plädierte für einen Schulversuch, um zu evaluieren, ob die Nachfrage groß genug ist.

"Besondere Bedeutung für unser Land"

Auch die FDP plädiert für eine Aufnahme von Türkisch. Die Sprache "hat eine besondere Bedeutung für unser Land: sowohl wegen der vielen Menschen in Hessen mit türkischem Migrationshintergrund als auch wegen der zahlreichen wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Verbindungen", sagte Moritz Promny, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Auch Griechisch solle ins Lehrangebot aufgenommen werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found SPD fordert Türkisch und Griechisch im Lehrangebot

SPD fordert Modernisierung des Fremdsprachenangebots an hessischen Schulen.
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"Grundsätzlich ist jedes zusätzliche Angebot, eine Fremdsprache zu erlernen, ein Gewinn für die Bildungslandschaft", sagte Promny. Mehrsprachigkeit sei eine Ressource für die sprachliche Bildung und Sprachförderung. "Umso enttäuschender ist die Haltung der schwarz-grünen Landesregierung, das Angebot der zweiten und dritten Fremdsprachen außer um Chinesisch, Portugiesisch, Polnisch und Arabisch nicht auch um Türkisch erweitern zu wollen."

Linke: Türkisch in Hessen wichtigste Sprache nach Deutsch

Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Elisabeth Kula, sagte, das geplante Angebot an Sprachen sei nicht ausreichend. Schließlich sei in Hessen Türkisch die wichtigste Herkunftssprache nach Deutsch.

"Hier leben etwa 300.000 Menschen türkischer Herkunft. Daher ist es vollkommen unverständlich, warum dieser großen Personengruppe nicht Rechnung getragen und ihre Sprache als zweite oder dritte Fremdsprache in den Schulen angeboten wird", sagte Kula. Die Sprache sei fester Bestandteil hessischer Multikulturalität.

AfD bringt Holländisch und Tschechisch ins Spiel

Arno Enners von der AfD widersprach diesen Forderungen. Er fragte, warum in Hessen ausgerechnet Türkisch und Griechisch und nicht zum Beispiel Holländisch oder Tschechisch gelehrt werden solle. "Denn mit diesen Sprachen könnte man schließlich die Partnerschaft zu unseren direkten Nachbarn deutlich vertiefen."

Bevor man Türkisch und Griechisch in den Lehrplan aufnehme, stelle sich für ihn die Frage, so Enners: "Wie viele Lehrer werden dafür benötigt und stehen diese überhaupt in ausreichender Anzahl zur Verfügung?"

Kritik türkischer Moscheevereine

Die Arbeitsgemeinschaft der Türkischen Moscheevereine hatte sich vor der Landtagsdebatte in einem offenen Brief an die Landesregierung gewandt. Ihr Koordinator Hüseyin Kurt erklärte darin seine Freude darüber, dass Hessen die Bedeutung der Mehrsprachigkeit erkannt habe.

"Wir haben jedoch keine plausible Erklärung dafür, dass die türkische Sprache in diese Erweiterung des Sprachangebots an Schulen nicht aufgenommen wurde", sagte Kurt. Er sei sehr enttäuscht und empört darüber, dass die türkische Sprache in diesem Antrag ignoriert werde. Auch SPD-Politiker Turgut Yüksel kritisierte diesen Schritt als "relative Abwertung".

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64 Kommentare

  • Ja, Türkisch und Griechisch sollten definitiv auch als Fremdsprachen an Schulen angeboten werden, denn nicht nur die Muttersprachler dieser Sprachen profitieren von diesem Angebot sondern auch Kinder und Jugendliche, die eine fremde Sprache erlernen und somit später mit fremden Kulturen in Verbindung treten möchten.


    Das bewusste Ausgrenzen dieser Fremdsprachen führt nur dazu, dass Heranwachsende weniger die Möglichkeit bzw. das Bedürfnis haben sich zu integrieren.

    Die Gastarbeiter- bzw. Zuwanderungspolitik hat in der Vergangenheit so dermaßen versagt, dass sich Menschen mit türkischem Hintergrund immer noch nicht vollständig integrieren konnten, deshalb kann man mit diesem Schritt bezwecken, dass die künftigen Generationen wenigstens ein besseres Zusammenleben ermöglicht bekommen.

  • Ich habe von Oktober 1977 bis Februar 2012 als Lehrer für den Muttersprachlichen Unterricht gearbeitet, bin davon überzeugt dass die Türkische Sprache als 1., 2. oder 3. Fremdsprache, unbedingt auf die Stundentafel gehört.
    Nicht nur für die Schülerinnen und Schüler mit Türkische
    Herkunft, sondern für alle Schülerinnen und Schüler, die dieses Fach wählt.
    Diesen Wert hat Türkisch schon längst verdient, zwar nicht nur im Land Hessen sondern in der allen Ländern der Bundes Republik Deutschland.

  • Ja, einfach aus dem Grund, weil ca. 300.000 türkischstämmige (von denen ein wichtiger Bestandteil besitzt auch deutsche Bürgerschaft) Menschen werden durch den Beschluss gekränkt. Weil sie ignoriert und dadurch von der Gesellschaft isoliert werden. Ich sehe das ein weiterer Schritt von dem, was Herr Otto Schily damals plädierte, "Beste Integration sei die Assimilation." Schade eigentlich und es ist inakzeptabel, ja sogar diskriminierend.

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