Fahrgäste an einer Haltestelle für Busse und Straßenbahnen an der Konstablerwache in Frankfurt
Fahrgäste an einer Haltestelle für Busse und Straßenbahnen an der Konstablerwache in Frankfurt. Hier hält auch die 30. Bild © picture-alliance/dpa

Aus Panik vor Diesel-Fahrverboten will Frankfurts Verkehrsdezernent eine wichtige Pendler-Buslinie kappen. Für bessere Luft sollte die Stadt vielmehr den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und die Autoflut eindämmen. Dazu fehlt ihr der Mut.

Der Stadt Frankfurt stehen wegen zu hoher Stickstoffwerte in der Luft ab kommendem Jahr Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge ins Haus. Ein Szenario, das geltenden Grenzwerten entspringt, aber das die Stadt geradezu panisch vermeiden will.

Die neueste Idee von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD): Die viel genutzte Buslinie 30 soll nicht mehr zwischen Bad Vilbel (Wetterau) und Frankfurt-Sachsenhausen durchfahren, sondern künftig an der Friedberger Warte im Norden und am Lokalbahnhof im Süden enden. Die alten Dieselbusse müssten dann nicht mehr durch die Innenstadt, die Luft würde sauberer, die Pendler könnten doch auf Straßenbahnen der Linie 18 umsteigen, die parallel zum Bus und mit Strom fahren. Echt wahr.

Die B3/521 zwischen Bad Vilbel und Frankfurt und die Friedberger Landstraße gehören morgens und nachmittags zu den verstopftesten Hauptverkehrsadern im Rhein-Main-Gebiet. Auto drängt sich an Auto, in so gut wie jedem davon sitzt nur ein Mensch. Fast jeder Zweite fährt in Frankfurt einen Diesel. In einen Linienbus passen bis zu 120 Menschen.

Vernünftige Verkehrspolitik geht genau anders herum

Einer vernünftigen Verkehrspolitik müsste daran gelegen sein, die Masse der Autos mit Solonutzung einzudämmen, den motorisierten Individualverkehr ingesamt zu begrenzen, den Öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Zu Stoßzeiten sind S-Bahnen, Trams und Busse voll – vielleicht müsste man also mehr einsetzen, den Bussen eigene Spuren geben, das Parken in der Innenstadt richtig teuer machen, ein Fahrverbot durchsetzen, wie es andernorts passiert. Einfach weil mit der wachsenden Stadt der Autoverkehr rasant zunimmt und die Autos ja immer größer werden und in Frankfurt langsam wirklich kein Platz für noch mehr SUVs und Boliden ist. Stattdessen will Oesterling den Buspendlern, die kein Auto haben oder dankenswerterweise so vernünftig sind, ihre Umgebung etwas zu schonen, das Leben schwerer machen.

Warum? Wegen der Steigung stießen die alten Dieselbusse auf der 30er-Strecke richtig viele Abgase aus. Das belaste die Stadtluft. Ein schmerzhafter Schritt, sagt Oesterling, aber einer, der am wenigstens weh tue. Andere Schritte täten vielleicht den Autofahrern weh, aber das darf man nicht, das steht in Deutschland und in Frankfurt ganz besonders quasi im Grundgesetz.

Auch die Grünen trauen sich nicht ans Auto ran

Als stießen die Autos in ihrer Masse nicht auch massenhaft Abgase aus. Als hätte die Stadt nicht rechtzeitig in ausreichender Zahl E-Busse bestellen können, die auf der 30er-Strecke fahren könnten. Ganze fünf E-Busse hat die Stadt geordert, die demnächst durchs Westend fahren. Die NO-Grenzwerte gelten seit 2010, aber an die Autofahrer und die Industrie dahinter traut sich keiner ran.

Auch Oesterlings Vorgänger von den Grünen haben den individuellen Autoverkehr, an dem Frankfurt langsam erstickt, nicht zurückgedrängt. Irgendwo im Norden der Stadt haben sie mal eine Autospur zugunsten der Fahrradfahrer weggenommen, ansonsten gibt es viele ungefähr 20 Meter lange Radstreifen, die plötzlich beginnen und aufhören. Nirgends wurde auch nur eine Verkehrsinsel verbreitert für die an den Ampeln wartenden Radfahrer. Eigene Busspuren? Wo denn?

Politik für Besitzstandswahrer

Die Frankfurter Grünen finden auch Oesterlings Idee mit der 30er-Streichung okay, weil dann endlich über eine Verlängerung der 18er-Tram nach Bad Vilbel nachgedacht werden könne. Vielleicht fährt dann in zehn Jahren die erste Tram über die Unfallklinik hinaus. Super. Lediglich aus Bad Vilbel selbst kommt Widerspruch zu der Idee, den öffentlichen Nahverkehr unattraktiver zu machen zugunsten des individuellen Abgasautoverkehrs.

In grüblerischen Momenten mag Oesterling darüber nachdenken, warum seiner einst progressiven Partei keinerlei Gestaltungskraft für die Zukunft mehr zugetraut wird. Er kann sich dann selbst die Antwort geben.

Ihre Kommentare Buslinie aus der Innenstadt verbannen: Was halten Sie davon?

40 Kommentare

  • Sehr gut ! Rollifahrer und die Oma mit dem Rollator müssen dann halt 2 x Umsteigen, man kann ja nicht auf jeden Rücksicht nehmen ! Die 18 ist ja jetzt schon brechend voll mit Studenten der Fachhochschule.... Die Stadt nimmt ja schon Rücksicht auf den Porsche Cayenne Dieselfahrer der 18 Liter auf 100 km braucht, das ihm kein Fahrverbot droht !

  • Man kann doch so machen das man mehr Elektrobuuse kauft für gelenkbusse der B Linie 30.
    Solaris hat so oder so elektro busse für gelenkbusse

  • Lächerlich

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