Voller Aufzug: Jens Spahn (2.vl), Helge Braun (5.vl), Volker Bouffier (6.vl), Michael Bußer (7.vl) und Kai Klose (rechts) im Aufzug.

Hessens Ministerpräsident, zwei Gesundheitsminister, weitere Politiker und Ärzte dicht gedrängt in einem Aufzug. Im Krankenhaus. Mitten in der Corona-Krise. Am Dienstag sorgte das Foto eines hr-Reporters aus Gießen bundesweit für Schlagzeilen. Inzwischen ist die Kritik lauter geworden und es sind Strafanzeigen eingegangen.

Die Fahrt mehrerer Politiker und Ärzte eng beieinander in einem Aufzug mitten in der Corona-Krise sorgt weiter für Diskussionen. So etwas dürfe nicht passieren, vor allem nicht bei einem Besuch in einem Krankenhaus, sagte die Vorsitzende der SPD-Fraktion im hessischen Landtag, Nancy Faeser, am Donnerstag.

Angesichts der Tatsache, dass viele Menschen wegen der Corona-Krise derzeit in existenziellen Nöten seien, sei dieses Bild "ein Desaster", kritisierte der Chef der FDP-Fraktion im Landtag, René Rock. Er erwarte von den Beteiligten eine Entschuldigung. Es reiche nicht, dies als Bagatelle abzutun.

Sieben Anzeigen eingegangen

Bei der Polizei gingen unterdessen wegen des Vorfalls sieben Anzeigen ein, wie ein Sprecher des Präsidiums in Gießen berichtete. Da es sich um mögliche Ordnungswidrigkeiten handele, seien diese an die zuständige Behörde beim Landkreis Gießen zur Prüfung weitergeleitet worden. Das Land hatte für Verstöße gegen die Verordnungen zur Eindämmung des Virus Strafen bis zu 5.000 Euro beschlossen.

Bei einem Besuch der Uniklinik Gießen am Dienstag hatten Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Bundeskanzleramtsminister Helge Braun, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und der hessische Regierungssprecher, Staatssekretär Michael Bußer (alle CDU) sowie Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) kein gutes Beispiel abgegeben. Die Politiker fuhren zusammen mit einigen Begleitern dicht gedrängt Aufzug - dokumentiert von einem hr-Reporter. Anlass war ein Besuch der Uniklinik, um mit Ärzten und Pflegern zu sprechen.

"Das hätte nicht passieren dürfen"

Klose bedauert eine Aufzugfahrt am Donnerstag. "Das war eine Situation, die so nicht hätte passieren dürfen", sagte er. Trotz aller guten Vorsätze könne Unachtsamkeit zu solchen Situationen führen. "Das war nicht gut."

Die Staatskanzlei hatte den Fehler noch am selben Tag eingeräumt: "Da muss man nicht groß drumherum reden: Das hätte nicht passieren dürfen. Auch wenn alle Mundschutz tragen ... in diesem Aufzug stehen zu viele Menschen."

Was die Strafanzeigen und mögliche Bußgelder angeht, sagte Regierungssprecher Bußer auf hr-Nachfrage: "Wenn ein Bußgeld fällig wird, wird das selbstverständlich bezahlt." Über ein symbolisches Bußgeld als Spende könne man nachdenken. "Im Moment beschäftigen wir uns jedoch mit anderen Dingen."

Sendung: hr4, 16.04.2020, 12.30 Uhr