CDU-Generalsekretär Manfred Pentz

Friedrich Merz ein "Spalter", seine Fans "Dschihadisten": Für diese Beschimpfungen hat sich der hessische CDU-Generalsekretär Pentz entschuldigt. Für Landesparteichef Bouffier ist die Sache damit erledigt, für andere noch nicht.

Hans-Jürgen Irmer weiß selbst, dass Volker Bouffier mit den Wirren der Corona-Politik genug am Hals hat. Der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Wetzlar kontaktiert den viel beschäftigten Ministerpräsidenten, wie er sagt, bei aller "alten persönlichen Freundschaft" auch eher selten. Und hatte Bouffier die Angelegenheit nicht bereits am Wochenende für erledigt erklärt?

Für Irmer ist sie das jedenfalls nicht. Deshalb hat er Bouffier, dem Vorsitzenden der Landespartei, ein persönliches Schreiben in der Sache "Manfred Pentz" zum Wochenbeginn auch nicht erspart.

Nun hat der Ministerpräsident schriftlich, was Irmer bereits der Bild-Zeitung gesagt hatte: Als Generalsekretär der hessischen CDU habe sich Pentz mit seinen Attacken gegen Friedrich Merz ("größter Spalter") und gegen dessen zahlreichen innerparteilichen Anhänger ("Dschihadisten") bleibend disqualifiziert. Die Äußerungen über den unterlegenen Kandidaten bei der Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden waren aus einer internen Videoschalte mit den Spitzen der hessischen Jungen Union in die Öffentlichkeit getragen worden.

"Zusammenführen statt Öl ins Feuer gießen"

"Was er gesagt hat, gehört sich nicht. Als Generalsekretär muss er zusammenführen statt Öl ins Feuer zu gießen. Ich wüsste, was ich an seiner Stelle zu tun hätte", umschrieb Irmer seine Rücktrittsforderung auf hr-Anfrage. Irmer, jahrelang Vize-Fraktionschef der CDU im Landtag, ist Mitglied des konservativen Berliner Kreises der Union.

Er zählt damit zu denen, die Merz bei der Wahl zum Nachfolger Annegret Kramp-Karrenbauers an der Spitze der Bundespartei erfolglos unterstützten. Gerade in der Hessen-CDU sind das viele. Und anders als Pentz hätten die Merzianer nach der verlorenen Wahl gegen den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet eben nicht nachgetreten. "Ich habe Laschet in einem Brief meine Unterstützung zugesagt", betonte Irmer.

Schlechte Verlierer, schlechte Gewinner

Auch andere reagierten empört, weil der CDU-Generalsekretär die eigenen Parteikollegen angriff und sich damit als schlechter Gewinner erweise. Vom "Wiederholungstäter" ist die Rede. Im Oktober hatte sich Pentz im Streit zwischen beiden Lagern auf eine Seite geschlagen und Merz frontal in einem Meinungsartikel attackiert. Überschrift des Beitrags in der Zeitung Die Welt: "Merz ist ein schlechter Verlierer."

Außer Irmer forderte nun zwar kaum jemand öffentlich den Rücktritt des 40-Jährigen aus Groß-Zimmern (Darmstadt-Dieburg), der seit 2014 Generalsekretär ist. Christean Wagner tat es noch, wie Irmer ebenfalls zum Berliner Kreis und nicht mehr zu den maßgeblichen Leuten der Hessen-CDU zählender Ex-Justizminister des Landes. Aber auf Facebook wird manch andere ebenfalls deutlich.

"Wenn das nicht so eine ungeheuerliche und bodenlose Frechheit wäre, könnte es ein Faschingsscherz sein", regte sich zum Beispiel die frühere CDU-Landtagsabgeordnete Judith Lannert aus Erbach auf und fragte rhetorisch in die Runde: "Muss ich mich jetzt als Odenwälder Merz-Dschihadistin beschimpfen lassen?" Dass so viel innerparteilicher Disput nach außen dringt, ist im sonst notorisch geschlossen auftretenden hessischen Landesverband bemerkenswert.

Wofür ist die Zeit reif?

Das galt schon für die Wutrede Pentz' selbst: Bei der Videokonfererenz mit dem Parteinachwuchs muss sich der gelernte Versicherungskaufmann im Schutz der üblichen Vertraulichkeit gewähnt haben. Dass in der JU die Merz-Fans zahlreich sind, dürfte er allerdings schon vorher gewusst haben.

Nachdem ein verärgerter Teilnehmer den Ausbruch des Generalsekretärs durchsteckte, beklagte dann auch Lannert, dass Pentz seine wichtigste Aufgabe verfehlt habe: nach der knappen Vorsitzendenwahl alles zu tun, die zwei zerstrittenen Lager in der Union zusammenzuführen. Flankiert von einem Wut-Emoji schloss sie ihre Retourkutsche mit dem Befund: "Die Zeit ist wohl reif!"

Wenn damit, was anzunehmen ist, die Ablösung von Pentz gemeint ist: Die steht nicht zur Debatte. Zwar kann auch das tonangebende Anti-Merz-Lager der Hessen-CDU den neu aufgebrochen Streit überhaupt nicht gebrauchen. Das machte Landeschef und Laschet-Befürworter Bouffier mit seinem Einschreiten gleich am Samstag klar: Pentz habe sich schließlich für die "Dschihadisten"-Äußerung entschuldigt. Ginge es nach Bouffier, hieße das: Ende der Debatte.

Denn die Kommunalwahl in Hessen steht kurz bevor, dann steht die Bundestagswahl an - und die Opposition im Landtag freut sich schon über die öffentliche Uneinigkeit der Partei des Ministerpräsidneten. Den Generalsekretär zu hart anzugehen, empfiehlt sich für die CDU auch aus anderem Grund nicht: Pentz ist Landtagsabgeordneter - und die schwarz-grüne Koalition regiert mit einer Mehrheit von nur einer Stimme.