Firma Wilke in Twistetal

Die im Wilke-Wurstskandal unter Beschuss geratene Verbraucherministerin Hinz hat Versäumnisse zurückgewiesen und den Behörden ein schnelles Handeln attestiert. Gegen den Chef des nordhessischen Betriebs wird derweil wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

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hs
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Im Skandal um mit Listerien verseuchte Wurst der Firma Wilke aus Twistetal (Waldeck-Frankenberg) hat die zuständige Verbraucherministerin Priska Hinz (Grüne) das Vorgehen der Behörden verteidigt. Die eingeleiteten Maßnahmen bezeichnete sie als "zügig".

Am Montag war bekannt geworden, dass ihr Ministerium bereits am 12. August vom Listerien-Verdacht bei Wilke wusste. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg wurde erst nach acht Tagen darüber informiert. Der weltweite Rückruf der Waren und die Schließung des Betriebs erfolgte schließlich sieben Wochen später, am 2. Oktober. Die Opposition im Landtag hatte daraufhin das Vorgehen des Ministeriums und die Informationspolitik der Ministerin scharf kritisiert.

Entscheidende Information erst im September

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Verbraucher-Hotline

Das Verbraucherministerium richtet ab Mittwoch eine Hotline ein: Unter 06151-126082 werden Fragen zur Wilke-Rückrufaktion beantwortet. Erreichbar ist die Nummer montags bis donnerstags zwischen 8 und 16.30 Uhr sowie freitags zwischen 8 und 15 Uhr.

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Hinz bestätigte der hessenschau am Dienstag, dass das Ministerium seit August von einem Listerien-Fund wusste, allerdings erst Mitte September die entscheidende Information erhalten habe, dass der vom Robert-Koch-Institut gefundene Listerien-Stamm, der zu zwei Toten geführt hatte, tatsächlich der Wurstwaren von Wilke zugeordnet werden konnte. Die Kontrollen seien daraufhin nochmals verschärft worden, ehe es Anfang Oktober zur Schließung des Betriebs kam. "Das war ein relativ zügiger Zeitablauf", sagte die Ministerin, "eine Firma wird nicht am ersten Tag eines Befundes geschlossen."

Dass der Landkreis Waldeck-Frankenberg und das Regierungspräsidium Kassel im August erst mehrere Tage nach Bekanntwerden des Listerien-Funds bei Wilke darüber in Kenntnis gesetzt worden waren, begründete Hinz mit einer erforderlichen Verifizierung der vorliegenden Informationen. Zudem habe es in der Zeit in ihrem Ministerium zahlreiche Krankheitsfälle gegeben.  

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Hessenschau vom 08.10.2019
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Trotzdem räumte sie ein, dass der Fall aufgeklärt werden müsse - dabei stünde auch auf dem Prüfstand, ob alle Meldeketten zwischen den Behörden wie vorgesehen funktionierten. "Hier kann sich keiner zurücklehenen, auf keiner Ebene", sagte sie der hessenschau.

Robert-Koch-Institut hatte bereits 2018 Listerien-Funde

Das Robert-Koch-Institut sei bereits im Jahr 2018 Listerien-Funden nachgegangen, ohne die Quelle ausmachen zu können. Es habe bis zum Sommer dieses Jahres gedauert, bis geklärt war, woher die verseuchte Wurst ursprünglich stammte. Wann es zu den beiden Todesfällen durch Listerien kam, ist weiter unbekannt.

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Ministerin Hinz war in der Causa Wilke-Wurst zuletzt unter Druck geraten: Die Opposition hatte die Ministerin für ihre Vorgehensweise und Informationspolitik am Dienstag scharf angegriffen: Die Linke sprach von einem "schweren Behördenversagen mit dramatischen Konsequenzen", die FDP kritisierte "intransparente Informationspolitik" und "Mängel" in der Organisation des Ministeriums. Die AfD verlangte, den Vorfall "lückenlos aufzuarbeiten". Bereits am Montag hatte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Günther Rudolph, der Ministerin vorgeworfen, sie würde sich "einfach wegducken".

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Währenddessen hat die Staatsanwaltschaft Kassel ein Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Geschäftsführer von Wilke eingeleitet. Die Ermittlungen liefen auch wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtergesetzbuch, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag.

Das Verfahren sei aufgrund der Strafanzeige des Landkreises Waldeck-Frankenberg eingeleitet worden. Gegenstand des Verfahrens sei vor allem die Untersuchung der zwei Todesfälle, die mit einer Listerieninfektion in Verbindung stehen sollen, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.10.2019, 19.30 Uhr