Das Treffen der "Aufrechten" traf auf Gegendemonstranten in Obertshausen

Selbst die Landespartei warnte vor ihnen: In Obertshausen trafen sich am Sonntag "aufrechte Mitglieder" der AfD aus ganz Deutschland. Die Vertreter des radikalen rechten Flügels der Partei mussten ihr Treffen früher beenden als geplant.

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hs
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Sie bezeichnen sich selbst als "aufrechte Mitglieder" der AfD. In ihrer Partei aber gelten sie vielen eher als Querulanten und Ballast, als Vertreter eines selbst für die AfD nicht mehr hinnehmbaren rechten Rands. Am Sonntag fand in Obertshausen ein Treffen eben jener "Aufrechten" statt - zum Unmut der eigenen Partei und des Vereins, in deren Gaststätte sie sich trafen.

Der Landesverband der AfD hatte vor der Veranstaltung in einem Rundschreiben seinen Mitgliedern ausdrücklich von einer Teilnahme abgeraten. In einem Schreiben vom Freitag hatte der Landesverband betont: Das Treffen unter dem Motto "Quo Vadis AfD" sei "keine Parteiveranstaltung und durch keine Ebene der AfD legitimiert oder abgestimmt worden".

Poggenburg und Sayn-Wittgenstein anwesend

Der Landesverband hatte zudem darauf verwiesen, dass die Veranstaltung von Doris von Sayn-Wittgenstein beworben wurde. Die ehemalige AfD-Vorsitzende in Schleswig-Holstein, die am Sonntag in Obertshausen ebenfalls beim Treffen war, war im August 2019 aufgrund "parteischädigenden Verhaltens" aus der AfD ausgeschlossen worden. Ausschlaggebend waren Sayn-Wittgensteins Aktivitäten für einen als rechtsextrem eingestuften Verein.

Neben von Sayn-Wittgenstein waren in Obertshausen auch André Poggenburg, der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Stefan Räpple, gegen den ein Parteiausschlussverfahren läuft, und weitere Politiker vom rechten Rand. Das Treffen fand in der Gaststätte des TV 1873 Hausen statt. Der Verein selbst fühlte sich "hinterlistig überrumpelt", wie Alexander Fischer, Präsident des Vereins, dem hr mitteilte.

Der Pächter der Gaststätte habe nicht gewusst, wer bei dem Treffen käme, so Fischer weiter: "Unser Verein steht für etwas völlig anderes. Hier ist kein Platz für Rassisten." Vor der Gaststätte versammelten sich rund 100 Gegendemonstranten. Das Treffen selbst, das eigentlich bis 16 Uhr dauern sollte, wurde vorzeitig gegen 15 Uhr beendet.

AfD Treffen Aufrechte Obertshausen Gegendemo

Offenbach kein Zufall

Dass die Veranstaltung im Kreis Offenbach stattfand, war vielleicht nicht nur auf die verkehrsgünstige, zentrale Lage zurückzuführen. In den AfD-Kreisverbänden Offenbach-Stadt und Offenbach-Land geben zwei Politiker maßgeblich den Ton an, von denen sich die um ein "bürgerlich-konservatives" Image bemühte Landespartei lieber trennen würde.

Die Offenbacherin Christin Thüne ist gerade zum erklärten Ärger ihrer Landespartei einem Parteiausschluss entgangen und als Kreisvorsitzende wiedergewählt worden. Gegen den Heusenstammer Carsten Härle wurde eine Ämtersperre verhängt, bevor er Kreisvorsitzender werden konnte.

Beide, Thüne und Härle, waren vor einem Jahr bereits bei einem Treffen von radikalen AfD-Leuten im baden-württembergischen Burladingen dabei. Thüne forderte dort Gegenwehr gegen "diese Gemäßigten in der Partei". An dem Treffen am Sonntag nahm schließlich auch Härle teil. Thüne offenbar nicht.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.03.2020, 19.30 Uhr