Das temporäre Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle von einem der Ränge fotografiert. In der Mitte sind weiße Kabinen aufgebaut.

Nach dem Ende der Herbstferien steigen die Corona-Fallzahlen. In Hessen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 124,2. Bundesgesundheitsminister Spahn fordert, die Impfzentren für Boosterspritzen wieder zu öffnen. Hessen lehnt das ab.

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Braucht Hessen wieder seine Impfzentren? Am 30. September schlossen die letzten Zentren ihre Türen - seitdem muss jeder, der sich für eine Impfung oder Auffrischung entscheidet, dafür in der Regel eine Arztpraxis aufsuchen. Jetzt steigen die Inzidenz-Zahlen wieder.

Hessen will seine Impfzentren aber nicht wieder öffnen. Sozialminister Kai Klose (Grüne) sagte dem hr am Montag: "Es gibt keine Notwendigkeit, die Impfzentren zu reaktivieren."

Hessen erteilt Spahn Absage

Angeregt hatte die erneute Öffnung der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er sagte der Rheinischen Post am Montag: "Um möglichst vielen möglichst schnell eine Auffrischungsimpfung zu ermöglichen, sollten die Länder die Impfzentren, die sie seit Ende September in Stand-by bereithalten, nun wieder startbereit machen."

Von welchen Stand-by-Zentren Spahn spricht, ist unklar. Viele dieser Zentren sind schlicht abgebaut, in großen Hallen wie etwa der Festhalle in Frankfurt finden wieder Veranstaltungen statt.

Dass die Impfzentren in Hessen geschlossen bleiben, begründet Sozialminister Klose damit, dass es im ganzen Land eine Vielzahl von Möglichkeiten gebe, sich impfen zu lassen. Alle niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte stünden bereit. "Wer sich impfen lassen will, der findet in Hessen jede Menge Gelegenheiten dazu", sagte Klose.

Der Gesundheits- und Sozialminister Kai Klose (Grüne) mit einem Mundschutz.

Impfung im Zentrum vergleichsweise teuer

Als die Zentren Ende September geschlossen wurden, fiel die Bilanz gemischt aus. Rund 4,7 Millionen gesetzte Spritzen - aber Gesamtkosten von rund 600 Millionen Euro, die sich Bund und Land teilen. Pro Impfung macht das circa 130 Euro, und da ist der Impfstoff noch gar nicht dabei. Im Vergleich zu den 20 Euro, die eine Arztpraxis für eine Impfung abrechnet, ist das sehr viel. Das hat auch die Kassenärztliche Vereinigung oft und lautstark bemängelt und gefordert, die Zentren viel früher zu schließen.

Dass die Corona-Zahlen derzeit so steigen, hatte der Frankfurter Virologe Martin Stürmer bereits Anfang Oktober im Interview mit dem hr vorausgesagt: "Wir haben eine vierte Welle bekommen, die jetzt gerade etwas Pause macht, aber demnächst wieder Gas geben wird."

Obwohl die offiziellen Impfzentren des Landes geschlossen wurden, gibt es dennoch in Landkreisen einzelne Stellen, an denen eine Impfung möglich ist. Unter anderem:

  • Der Landkreis Kassel hat eine Impfstelle am kaum genutzten Flughafen in Calden eingerichtet. Dort ist eine Impfung allerdings nur noch einmal die Woche, mittwochnachmittags, möglich. Auch am City Point in der Innenstadt kann man sich eine Spritze geben lassen.
  • In Frankfurt wurde zwar das Impfzentrum in der Festhalle aufgelöst, aber ein kleineres in einer Messehalle nebenan eingerichtet, wo nach wie vor bis zu 1.000 Menschen täglich geimpft werden. Hinzu kommen die mobilen Impfteams und die Impf-Straßenbahn.
  • Im Landkreis Darmstadt-Dieburg verweist das Gesundheitsamt auf die Arztpraxen, bietet aber auch eine Impfambulanz an mehreren Tagen in der Woche an.
  • Im Main-Kinzig-Kreis gab es zwei Impfzentren in Sporthallen - stattdessen gibt es jetzt drei andere Anlaufstellen, sogenannte Dein-Pflaster-Impfstellen: in Hanau (Kanaltorplatz), Gelnhausen (Seestraße) und Schlüchtern (Bahnhofstraße).
  • Ein Impfzentrum betreibt auch der Landkreis Limburg-Weilburg: Direkt gegenüber des alten Impfzentrums hat der Landkreis ein kleineres neues (Auf der Heide 3) geöffnet.

Bisher wenige Booster-Impfungen verimpft

Knapp 145.000 Menschen haben nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bereits eine Auffrischungsimpfung bekommen. Das ist nicht viel: Es gibt rund 400.000 Menschen, die über 80 Jahre alt sind und für die diese sogenannte Booster-Impfung schon vor Monaten dringend empfohlen wurde.

In Hessen sind den Angaben zufolge derzeit 4,1 Millionen Menschen vollständig geimpft - das entspricht einer Impfquote von 65,9 Prozent.

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