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Audioseite Schauspieler Hans-Joachim Heist aka Gernot Hassknecht ist Pfungstadts neuer Stadtrat.

 Hans-Joachim Heist

Viele kennen Hans-Joachim Heist als Wutbürger aus der "heute-show" im ZDF. Jetzt macht er Kommunalpolitik in Pfungstadt. Wie viel Gernot Hassknecht er dort einbringen will, sagt er im Interview.

Kabarettist, Komiker, Kommunalpolitiker: Hans-Joachim Heist kann vieles. Bekannt ist der gebürtige Hesse vor allem als Gernot Hassknecht, als Wutbürger der Nation, dem in der "ZDF heute-show" regelmäßig der Kragen platzt. Lautstark und schonungslos teilt er dort gegen alles und jeden aus, besonders gern gegen Politikerinnen und Politiker.

Heist sagt jetzt: "Immer nur rumnölen geht auch nicht". Er geht selbst in die Politik. Bei der Kommunalwahl im März kandidierte er für die SPD. Mit Erfolg: Der 72-Jährige erhielt parteiübergreifend die meisten Stimmen aller Kandidaten für die Stadtverordnetenversammlung. In seiner Heimat Pfungstadt (Darmstadt-Dieburg) wurde er nun zum Stadtrat gewählt.

hessenschau.de: Herr Heist, erst einmal Glückwunsch zur gewonnenen Wahl! Jetzt sitzen Sie also im Magistrat der Stadt Pfungstadt. Was sind Ihre Aufgaben, was gehen Sie an?

Hans-Joachim Heist: Ich hab mich ja vorher schon besonders für die Kultur hier in Pfungstadt eingesetzt, ich war Vorsitzender der Kulturkommission. Als Stadtrat werde ich das weitermachen, werde also im Magistrat den Bereich der Kultur, der Vereine, das Museum, die Bücherei - was eben alles dazu gehört - das werde ich betreuen.

Gerade den Bereich Kultur trifft die Pandemie besonders hart. Es ist schlimm, dass da nichts gemacht werden darf. Das Potenzial ist aber nach wie vor da, und das muss wiederbelebt werden. Das Phungo-Festival im alten Freibad hier in Pfungstadt: Das wäre doch zum Beispiel ein schöner Auftakt für den Sommer, wenn das wieder stattfinden könnte. Vorausgesetzt natürlich, dass wir endlich alle durchgeimpft sind.

hessenschau.de: Sie sind Schauspieler, Komiker, und - mit Verlaub - jetzt auch nicht mehr der Jüngste. Trotzdem gehen Sie nochmal in die Kommunalpolitik. Warum?

Heist: Ich war ja früher schon Stadtverordneter in Pfungstadt. Mein Mandat habe ich damals niederlegen müssen, weil es terminlich nicht mehr funktioniert hat. Mit meinem Hassknecht-Bühnenprogramm und dem Heinz-Erhardt-Bühnenprogramm war ich 160 Tage im Jahr bundesweit unterwegs. Da ging nebenher nichts mehr. Ich hatte mir dann vorgenommen, nicht mehr so viel unterwegs zu sein.

Na ja, und dann kam Corona. Alle Veranstaltungen waren abgesagt. Sooo wenig wollte ich aber natürlich auch nicht machen (lacht). Außerdem hatte ich Mitleid mit meiner Frau. Zu Hause stehe ich nur im Weg herum. Da gehe ich lieber in die Kommunalpolitik und packe mit an. Am Stammtisch nur rummeckern und -nölen bringt nichts. Man muss auch etwas tun, um Dinge voranzutreiben.

hessenschau.de: Viele kennen Sie als den Wutbürger Gernot Hassknecht, der ja gerade gegenüber Politikern gerne austeilt. Wie viel Hassknecht steckt im Stadtrat Heist?

Heist: Da unterscheide ich sehr! Hassknecht denkt und spricht parteilos, das tue ich natürlich nicht. Vielleicht kommt es mir aber zugute, dass ich aus verschiedenen Perspektiven auf Themen schauen kann: als Hassknecht, als Heinz Erhardt, als Hajo Heist. Grundsätzlich gilt aber: Gernot Hassknecht ist eine Kunstfigur aus der "heute-show", und die wird natürlich nicht im Magistrat auftreten. Da bin ich Hans-Joachim Heist.

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Hans-Joachim Heist

Der Schauspieler, Sprecher und Moderator wurde 1949 in Seeheim-Jugenheim (Darmstadt-Dieburg) geboren. Heist lebt seit 35 Jahren in Pfungstadt. Dort war er bereits von 2006 bis 2011 Stadtverordneter. Heist wirkt bei Theaterstücken ebenso mit wie in Spielfilmen. Bekannt wurde er vor allem durch seine Rolle als cholerischer Kommentator Gernot Hassknecht in der "ZDF heute-show", aber auch durch Parodien von Heinz Erhardt.

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hessenschau.de: Wutausbrüche à la Hassknecht müssen ihre Mitstreiter also nicht fürchten?

Heist: In mir steckt eigentlich kein Choleriker. Obwohl ich zugeben muss: Auch ich kann, wenn mir etwas gegen den Strich geht, laut werden. Ob das nötig sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Das wird sich zeigen. Eigentlich bin ich aber eher der Heinz-Erhardt-Typ, mit Schalk im Nacken. Und als Hans-Joachim Heist, als Stadtrat, möchte ich verbinden statt zu polarisieren. Hassknecht polarisiert. Heist möchte zusammenführen.

hessenschau.de: Genießen Sie in Ihrer neuen Funktion eigentlich auch ein bisschen Promistatus?

Heist: Bei der Kommunalwahl kam mir mein bekanntes Gesicht aus dem Fernsehen mit Sicherheit zugute. Und ich denke, als Stadtrat wird das auch so sein. Die Leute freuen sich, wenn ich zu Veranstaltungen komme. Vielleicht mehr, als wenn ein anderer Stadtrat käme. Das denke ich mir zumindest so. Im Magistrat selbst bin ich aber keine Sondernummer. Da bin ich einfach Hans-Joachim Heist.

hessenschau.de: Sie haben zu Beginn gesagt, Sie hätten geplant, etwas kürzer zu treten. Heißt das, wir müssen uns früher oder später von Gernot Hassknecht verabschieden?

Heist: Nein, auf keinen Fall! Gernot Hassknecht wird weiterhin Teil der "heute-show" sein. Nur eben nicht mehr auf der Bühne. Ich will einfach nicht mehr so viel unterwegs sein. Das Hassknecht-Bühnenprogramm ist im Februar 2020 ausgelaufen, und ich habe gerade auch keine Ambitionen, das noch mal weiterzuführen. Aber wie gesagt: Solange es die "heute-show" gibt, werden wir auch noch viel von Gernot Hassknecht hören.

Das Gespräch führte Silke Sutter.

Sendung: hr4, hessenschau am Morgen, 23.04.2021, 7.40 Uhr