Das temporäre Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle von einem der Ränge fotografiert. In der Mitte sind weiße Kabinen aufgebaut.

Kein sozialer Druck, aber ein breiteres Angebot: So will Hessen jetzt Corona-Impfungen von Kindern ab 12 Jahren forcieren. Auffrischungen für besonders gefährdete geimpfte Erwachsene sollen im Herbst beginnen.

Videobeitrag

Video

zum Video Corona-Impfungen für über Zwölfjährige

hessenschau vom 03.08.2021
Ende des Videobeitrags

Mehr Corona-Impfangebote für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren: Dass Hessen den Beschluss der Gesundheitsminister der Länder vom Montag zügig umsetzen will, war schon klar, als die Grundsatzentscheidung fiel. Wie das laufen soll, hat die Landesregierung am Tag darauf präzisiert: "Möglichst bald" sollen laut einer Mitteilung aus Wiesbaden alle Impfzentren im Bundesland Impfungen für die Altersgruppe anbieten.

Hintergrund der Offensive ist der Versuch, die Impfquote in der Bevölkerung aus Sorge vor einer drohenden vierten Corona-Welle im Herbst zu erhöhen. Besonders soll möglichen Ausbrüchen in Schulen nach den Sommerferien begegnet werden. Bislang können sich die jungen Menschen erst in einigen der 28 hessischen Impfzentren schützen lassen. Außerdem setzt das Land auf Haus-, Kinder- und Jugend- sowie Betriebsärzte.

Auffrischungen für gefährdete Erwachsene

Vom frühen Herbst an will Hessen die dritte, sogenannte Booster-Impfung für besonders gefährdete Gruppen aus dem Kreis der bereits geimpften Erwachsenen ermöglichen. "Wir werden alles tun, damit insbesondere Ältere und Personen mit Vorerkrankungen und Immunschwäche ab September ein erneutes Impfangebot bekommen", sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne) dem hr am Dienstag zu den geplanten Auffrischungen.

Diese Impfungen erfolgen mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna. Sie soll frühestens sechs Monate nach der ersten abgeschlossenen Impf-Serie verabreicht werden. Zusätzlich können sich dem Beschluss der Gesundheitsminister zufolge auch diejenigen eine Auffrischungsspritze geben lassen, die zuvor mindestens eine Impfung mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson erhalten haben. In Israel zum Beispiel laufen Booster-Impfungen bereits.

Minister sieht keine Differerenz zur Stiko

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Hessen will Impfbeschlüsse rasch umsetzen

Das temporäre Impfzentrum in der Frankfurter Festhalle von einem der Ränge fotografiert. In der Mitte sind weiße Kabinen aufgebaut.
Ende des Audiobeitrags

Über die Impfungen für Kinder und Jugendliche, die nun forciert werden sollen, wird seit Wochen gestritten: Es gibt zwar zugelassene Impfstoffe für diese Altersgruppe. Die Ständige Impfkommission will eine generelle Impfung für diese Altersgruppe aber noch nicht empfehlen. Unter anderem hält der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte eine solche Empfehlung für Kinder im Alter ab 12 Jahren für überfällig. Die Ergebnisse bisheriger Studien im Ausland seien klar genug.

Man bleibe mit den neuen Plänen auf der Linie der Stiko, betonte Hessens Gesundheitsminister Klose am Dienstag. "Es soll kein sozialer Druck da sein, aber es soll das Angebot noch weiter verbreitet werden." Schon jetzt seien zehn Prozent der 12- bis 17-Jährigen in Hessen voll geimpft, 20 Prozent hätten die erste Impfung erhalten. Die Zahlen seien somit deutlich gestiegen. Gerade mit Blick auf den Schulbeginn Ende August, könne dies mehr Sicherheit mit sich bringen, erklärte Klose.

Große Impfaktionen für jüngere Menschen, etwa in Schulturnhallen, soll es in Hessen aber nicht geben. Schon weil neben der Zustimmung der Sorgeberechtigten auch ein besonderes ärztliches Aufklärungsgespräch nötig ist, blieben die Impfungen auf Zentren und Praxen beschränkt. "Wir brauchen da ein besonderes Umfeld“, sagte Klose.

Es gebe auch Kinder und Jugendliche, die von sich aus die Impfung wünschten, unterstrich Klose. Auch zum Schutz dieser Altersgruppe sei es besonders wichtig, dass möglichst viele Erwachsene noch Impfschutz erhielten.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen