Wolfhagen
Wolfhagen ändert seinen Namen. Bild © Imago Images

Kennen Sie die Friedrich-Ludwig-Weidig-Stadt oder wissen Sie, wo die Liebenbachstadt liegt? Zahlreiche hessische Gemeinden tragen Namenszusätze. Jetzt holt sich Wolfhagen den Abenteurer Hans Staden aufs Ortsschild. Doch warum eigentlich?

Kassel ist Documenta-Stadt, Darmstadt nennt sich Wissenschaftsstadt und mit Hanau und Steinau gibt es gleich zwei Brüder-Grimm-Städte: Jetzt bekommt auch Wolfhagen (Kassel) einen Namenszusatz: Am Donnerstag reiste Innenminister Peter Beuth (CDU) nach Nordhessen, um offiziell den Zusatz Hans-Staden-Stadt zu verleihen.

"Hans wer?", dürfte sich mancher Ortsfremde fragen. Hans Staden wurde - vermutlich - 1525 in Homberg (Efze) geboren. Er reiste zwei Mal nach Brasilien, um für portugiesische Siedler gegen einheimische Indianer zu kämpfen. Zeitweise war er Gefangener eines Stammes. Nach seiner Rückkehr schrieb er in Wolfhagen das erste ausführliche deutsche Buch über die portugiesische Kolonie und sein bewegtes Leben. Staden starb im Jahr 1576 - wohl auch in Wolfhagen.

Staden-Pfad geplant

Wolfhagen wird "Hans-Staden-Stadt"
Holzschnitt von Hans Staden und ein Denkmal in Wolfhagen. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

"Wir haben schon die einzige Hans-Staden-Ausstellung in Wolfhagen", sagt Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos). "Jetzt soll Hans Staden Botschafter unserer Stadt werden." Mit dem Namenszusatz solle eine touristische Vermarktung des Abenteurers in den Fokus rücken.

Deswegen sollen nicht einfach nur Ortsschilder und städtische Briefköpfe ausgetauscht werden, erklärt Schaake. Die Stadt plant einen Pfad, der von einer Staden-Skulptur in der Innenstadt zur Ausstellung führt und an zwei Stationen über Stadens Leben informiert. Außerdem seien historische Führungen geplant. Das Ziel: mehr Touristen nach Wolfhagen zu locken.

Effekt kaum messbar

Ob ein Beiname tatsächlich mehr Touristen in eine Stadt zieht, lässt sich kaum messen, wie mehrere hessische Städte auf Anfrage von hessenschau.de bestätigen. Zusätze seien aber gerade für kleinere Gemeinden ein gutes Mittel, eine Identität und ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln, bestätigt ein Sprecher der Stadt Butzbach.

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Ausgewählte hessische Städte und ihre Beinamen

  • Barbarossastadt Gelnhausen
  • Liebenbachstadt Spangenberg
  • Dom- und Kaiserstadt Fritzlar
  • Schöfferstadt Gernsheim
  • Konrad-Zuse-Stadt Hünfeld
  • Karolingerstadt Lorsch
  • Friedrich-Ludwig-Weidig-Stadt Butzbach
  • Hansestadt Korbach
  • Reformationsstadt Homberg (Efze)
  • Point-Alpha-Gemeinde Rasdorf
  • Hochschulstadt Geisenheim und Idstein
  • Konfirmationsstadt Schwalmstadt
  • Oranienstadt Dillenburg
  • Philipp-Soldan-Stadt Frankenberg
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Die Fachwerk-Kommune in der Wetterau ist seit 2011 Friedrich-Ludwig-Weidig-Stadt. Der Theologe Weidig (1791 - 1837) war ein Wegbereiter der Revolution von 1848 - und auch er dürfte inzwischen nicht mehr allen Hessen bekannt sein. Deswegen sei es wichtig, den Namenszusatz mit Leben zu füllen - durch Ausstellungen, Denkmäler und Ähnliches.

Von der Atom- zur Grimm-Stadt

So geschehen auch in der Stadt Hanau. Sie trägt ihren Zusatz Brüder-Grimm-Stadt seit 2006. "Für uns ging es vor allem um eine stärkere Vermarktung einer anderen Seite von Hanau", sagt eine Sprecherin. "Früher waren wir gerade für ältere Menschen ja die 'Atom-Stadt'. Davon wollten wir weg, und das haben wir geschafft."

Der Vermarktungsprozess sei auch nicht abgeschlossen: Jetzt stehe das Kindermuseum "GrimmsMärchenReich" im Fokus, das derzeit im Schloss Philippsruhe entstehe.

"Austausch mit Augenmaß"

In Wolfhagen steht nun erst einmal der Austausch von Ortsschildern an: "Den betreiben wir mit Augenmaß", versichert Bürgermeister Schaake. "Das machen wir, wenn ausgebleichte Schilder sowieso erneuert werden müssten. Auch die Briefköpfe werden ausgetauscht, wenn wir sowieso neues Papier bestellen müssen. Insgesamt veranschlagen wir dafür etwa 8.000 Euro."

Der Staden-Pfad werde aus einem Spendenüberschuss finanziert, berichtet Schaake: "Wir hatten zu Spenden für die Skulptur aufgerufen. Damals kam so viel Geld zusammen, dass wir noch etwas übrig haben." Doch der Bürgermeister denkt noch weiter: "Staden ist in Brasilien sehr bekannt", weiß er. "Wir sind in Kontakt mit Tourismusbehörden dort und in Portugal. Eines Tages könnte der Staden-Pfad auch Stationen an seinem Abfahrtshafen Lissabon und seinem Landeplatz in Brasilien haben."

Sendung: hr-iNFO, 21.10.2019, 16 Uhr