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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Landrat räumt vorzeitige Impfung ein

Collage: Stefan Reuß / Impfdosis

Werra-Meißner-Landrat Stefan Reuß erhielt gleich zum Impfstart seinen Corona-Schutz - obwohl er zu keiner priorisierten Gruppe gehört. Nun hat er erklärt, wie es dazu kam.

Der Landrat des Werra-Meißner-Kreises, Stefan Reuß, hat zugegeben, gegen die festgelegte Corona-Impfreihenfolge verstoßen zu haben. Als Erklärung gab der SPD-Politiker am Dienstag an, nach der Impfung der Bewohner eines Seniorenheims seien noch Impfdosen übrig gewesen.

Der Impfstoff habe innerhalb kurzer Zeit gespritzt werden müssen, sagte Reuß. Eine Liste von möglichen Nachrückern sei abgearbeitet gewesen. So hätten er und der Erste Kreisbeigeordnete eine Spritze bekommen.

Landrat: "Wir entschuldigen uns dafür"

"Uns ist bewusst, dass dies dem Vertrauen in die Politik schaden kann und entschuldigen uns dafür", sagte Reuß nun, der Jahrgang 1970 ist: "Für uns war von Anfang an klar, dass wir niemandem eine Impfung wegnehmen oder uns vordrängeln werden."

Beide Politiker hätten daher die Zweitimpfung abgelehnt, die für den möglichst vollständigen Corona-Impfschutz erfolgen muss. "Wir gelten formal als ungeimpft und werden uns dann impfen lassen, wenn wir an der geplanten Reihe sind", sagte der Landrat am Dienstag. Die Impfung erfolgte nach Angaben des Kreises Ende Dezember, also gleich zu Beginn der Impfkampagne.

Fälle von Impf-Vordränglern häufen sich

Der Vorfall im Werra-Meißner-Kreis ist längst kein Einzelfall mehr: Auch in anderen hessischen Städten und Kreisen wurden Impfwillige früher als vorgegeben geimpft. Darunter waren Mitarbeiter der Kreisverwaltung im Vogelsberg und im Lahn-Dill-Kreis, Innendienstler der Feuerwehr-Leitstelle in Gießen und Geschäftsführer einer Klinik in Bad Wildungen (Waldeck-Frankenberg).

Auch der Landrat des Kreises Limburg-Weilburg, Michael Köberle (CDU), ließ sich Anfang Januar gegen Corona impfen, obwohl er nicht zur Personengruppe mit der höchsten Priorität gehört. Er habe die Impfung am Neujahrstag spontan angeboten bekommen, weil in einer Einrichtung deutlich zu viele Impfdosen vorbereitet worden waren, erklärte Köberle. Es sei ein Fehler gewesen, die Bürger nicht sofort über die ungeplante Aktion zu informieren.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat jüngst angekündigt, Sanktionen gegen Menschen zu prüfen, die sich bei Impfungen gegen das neue Coronavirus unrechtmäßig vordrängeln. In manchen der hessischen Fälle gab es schon Konsequenzen.

Sendung: hr-iNFO, 17.2.2021, 6 Uhr