Die geplante Fusion der Gemeinden Lahntal, Münchhausen und Wetter ist gescheitert. Ein Bürgerentscheid erreichte nicht die Mehrheit. Der Bürgermeister von Wetter spricht von einer "verpassten Chance".

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Die geplante Gemeindefusion in Mittelhessen ist geplatzt. Die Fusion der drei Kommunen Lahntal, Münchhausen und Wetter im Kreis Marburg-Biedenkopf scheiterte mangels Zustimmung. Bei dem Bürgerentscheid sprachen sich am Sonntag Münchhausen (77,7 Prozent Nein-Stimmen) und Lahntal (79,5 Prozent Nein-Stimmen) gegen das Projekt aus. Nur in Wetter stimmte eine knappe Mehrheit (52,8 Prozent Ja-Stimmen) dafür.

Bei einer Fusion wäre im Jahr 2023 flächenmäßig die drittgrößte Stadt Hessens entstanden. In den drei Kommunen nordöstlich von Marburg leben etwas weniger als 20.000 Menschen auf insgesamt 187 Quadratkilometern. Über eine Gemeindefusion wurde in der Region seit Jahren diskutiert. Zeitweise war mit Cölbe auch noch eine vierte Nachbargemeinde im Gespräch. Doch diese Überlegungen wurden nicht weiter verfolgt.

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"Verpasste Chance"

Der Bürgermeister der größten Gemeinde Wetter, Kai-Uwe Spanka (parteilos), sagt: "Es ist immer enttäuschend, wenn man etwas vorschlägt, was nicht angenommen wird. Zumal wir Bürgermeister persönlich einen hohen Aufwand betrieben haben", sagte Spanka.

Die drei Bürgermeister hatten im Vorfeld für die Fusion gekämpft - und das obwohl sie sich und ihre Posten damit quasi selbst abgeschafft hätten. Ambitionen auf den Bürgermeisterposten der neuen Stadt hatte keiner angemeldet. Für eine Fusion wäre in allen beteiligten Kommunen eine Mehrheit für das Vorhaben nötig gewesen. Weitere Voraussetzung: eine Wahlbeteiligung von mindestens 25 Prozent. Sie lag letztlich recht hoch zwischen 72,8 und 79,5 Prozent in den drei Kommunen.

Die Befürworter hatten sich durch den Zusammenschluss jährliche Einsparungen von 1,1 Millionen Euro und schlankere Verwaltungsstrukturen erhofft. Zudem hätte es vom Land einen Schuldenerlass von 6,25 Millionen Euro sowie Fördermöglichkeiten ebenfalls in Millionenhöhe gegeben.

"Stecken den Kopf nicht in den Sand"

Die Menschen in den Kommunen befürchteten aber offenbar vor allem Nachteile einer Fusion - etwa weite Wege bei Amtsgängen. Auch die Sorge vor einem Indentitätsverlust sei Thema gewesen, sagt Spanka. Sein Münchhausener Kollege Peter Funk (parteilos) sagte, Bürger seiner kleinen Gemeinde hätten die Befürchtungen gehabt, nicht mehr gehört zu werden.

Zwei Stimmzettel zur Fusion der Gemeinden Lahntal und Münchhausen mit der Stadt Wetter.

Auch der Lahntaler Bürgermeister Manfred Apell (SPD) erlebte Vorbehalte der Menschen in seiner Gemeinde. Es habe Befürchtungen gegeben, dass die Gemeinde Schulden der anderen Kommunen mitschultern müsse.

Trotz der Ablehnung zur Fusion wollen die Gemeinden nun ihre Zusammenarbeit ausbauen. "Wir werden den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken", sagte Spanka. Schon bisher die Kommunen in vielen Bereichen, etwa bei der Kinderbetreuung oder bei Radaranlagen für die Verkehrsüberwachung.

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Fusionsprojekte auch an anderen Orten

Fusionsprojekte sind in der Vergangenheit unterschiedlich ausgegangen. Nicht weit entfernt, im westlichen Kreis Marburg-Biedenkopf, platzte 2017 der geplante Zusammenschluss von Steffenberg und Angelburg. Während die Angelburger sich im Bürgerentscheid dafür entschieden, stimmten die Steffenberger mehrheitlich dagegen.

Im Odenwald hatte ein Bürgerentscheid 2016 dagegen Erfolg: Die vier Kommunen Beerfelden, Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal stimmten mehrheitlich für die Fusion zu Oberzent, die 2018 verwirklicht wurde.

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