FDP-Bundesvorsitzender Lindner (Mitte), neben ihm FDP-Generalsekretärin Beer und FDP-Landeschef Ruppert.

Mit ihrem Bundesvorsitzenden Christian Lindner hat die FDP den Wahlkampf-Endspurt in Hessen eröffnet: Hunderte, auffallend junge Menschen waren dazu auf den Frankfurter Römerberg gekommen. Ein Überblick.

Die Ausgangslage: Mit neuen Wahlplakat-Fotos und alten Videos dominiert FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner das Bild seiner Partei im Wahlkampf. Da gehört schon ein gewisses Maß an Chuzpe dazu, auf dem Frankfurter Römerberg zu sagen: "In diesem Wahlkampf ging es ja auch überwiegend um Oberflächlichkeiten." Das kann Lindner aber mit seiner Rhetorik - und verbindet es gekonnt mit einem Hauch Ironie. Ansonsten kämpft die FDP um Platz 3 im Bundestag. Die FDP erzielte bei der Wahl 2013 bundesweit 4,8%, in Hessen 5,6%, im letzten Deutschlandtrend der ARD lag sie bei 9,5%.

Lindner-Fans im Publikum

Was war los: Die Polizei schätzte die Zahl der Zuhörer auf dem sonnigen Platz am späten Montagnachmittag auf 450, vielleicht waren es auch ein paar mehr. Neben FDP-Honoratioren waren auffallend viele junge Leute gekommen. Lindner stand bei seiner Rede allein auf der Bühne, ohne Rednerpult. Am Ende sorgte die Wahlkampfregie für das übliche Gruppenbild. Der Beifall war munter, nicht euphorisch; am lautesten wurde er, als Hessens FDP-Spitzenkandidatin Nicola Beer Lindner in der "schönsten Stadt in Deutschland" begrüßte. Lokalpatriotismus? Geht immer.

Die Top-Themen: Bildung, Digitalisierung und ein schlanker Staat, der den Bürgern nicht reinredet - das waren die Kern-Themen der Redner. Beer und FDP-Landesvorsitzender Stefan Ruppert attackierten die AfD. Mit Blick auf Äußerungen von AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland, der Stolz auf die Leistungen der Soldaten der Wehrmacht gefordert hatte, sagte Ruppert, dies sei nichts, auf das man stolz sein könne. Die AfD gelte es, so klein wie möglich zu halten. Und er fügte am Ende auch noch das hinzu: Wer nicht FDP wählen könne, möge am Sonntag wenigstens demokratisch wählen.

Wer muss enttäuscht sein: Auch in der FDP soll es noch ein paar Fans des Wettbewerbs starker und eigenständiger Bundesländer geben. Sie hatten auf dem Römerberg nichts zu lachen. Erst wiederholte Beer ihr Plädoyer für mehr Bundeseinfluss in der Bildung. Dann prangerte Linder beim Thema Schule an: "Wir veranstalten einen verrückten Wettbewerb zwischen 16 Ländern." Und er fügte hinzu: "Der Bildungsföderalismus ist nicht mehr Teil der Lösung, er ist selbst zu einer Reformbaustelle geworden." Beim Thema innerer Sicherheit sprach er von "übertriebenem Föderalismus". Das könnte der FDP bei der Landtagswahl 2018 noch argumentative Probleme bereiten.

Die stärksten Sprüche: Linder sagte, bei der digitalen Infrastruktur "sind wir näher an Nord- als an Südkorea". Beer erklärte, in Bulgarien betrage die Glasfaserquote 64 Prozent, in Deutschland 7. Und als sie in Laos im Urlaub gewesen sei, da sei die Internet-Anbindung samt Wlan auf der Elefanten-Farm besser gewesen als hier. "Wer ist jetzt hier das Entwicklungsland: Laos oder Deutschland?", polterte Beer. Nun ja, viele Zuhörer murmelten darauf: Laos.

Das überraschendste Argument: FDP-Landeschef Ruppert fand ein alltägliches Beispiel für die aus seiner Sicht bevormundende Politik der anderen: Grüne und SPD wollten ein Verbot von Süßigkeiten an der Supermarktkasse, kritisierte er. Nicht mit der FDP, machte Ruppert klar: "In meinem Menschenbild ist das Teil der elterlichen Erziehung."

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Bis Freitag berichtet hessenschau.de auch über Wahlkampf-Veranstaltungen von CDU, SPD, Grünen, Linkspartei und AfD in der letzten Woche vor dem Wahltag.

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