The Parthenon of Books" vor dem Fridericianum in Kassel. Stadt und Region profitieren auch von den Besuchern der Weltkunstschau documenta -alle vier Jahre.

Die Stadt Kassel ist das wirtschaftliche Zentrum im Norden Hessens. Immer mehr Menschen ziehen dorthin - dementsprechend ist der Wohnraum knapp. Auch die Debatte um den Kassel-Airport spielt ein große Rolle.

Die größten Herausforderungen

Die Region Kassel hat in den zurückliegenden zehn Jahren einen beispiellosen Aufschwung erlebt. Das hat zu neuem Selbstbewusstsein geführt, viele Arbeitsplätze gebracht und die Gewerbesteuern sprudeln lassen. Aber dadurch sind auch Probleme entstanden. Immer mehr Menschen ziehen in die nordhessische Großstadt und ihren Speckgürtel. Mieten und Immobilienpreise sind stark gestiegen, günstige Wohnungen knapp geworden. Sozialer Wohnungsbau und die Ausweisung neuer Baugebiete sollen Abhilfe schaffen. Aber in der Stadt Kassel gibt es nur wenig Flächen für neue Siedlungen. Auch freie Gewerbeflächen sind inzwischen Mangelware.

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Derzeit entsteht in Autobahnnähe eine neues Industriegebiet. Auch deshalb, um dem wirtschaftlichen Aufschwung nicht das Wasser abzugraben. Kassel braucht noch ein paar gute Jahre, um sich von Altlasten zu befreien: Durch das erfolgreich absolvierte kommunale Schutzschirmprogramm des Landes Hessen konnte die Stadt zwar einen großen Teil ihrer Schulden abbauen, es gibt aber immer noch Verbindlichkeiten in Höhe von knapp 500 Millionen Euro.

Die Ausgangslage

Stadt und Kreis Kassel sind sozialdemokratisch geprägt. Auch wenn die SPD-Dominanz in den zurückliegenden Jahren schwächer geworden ist, ist sie immer noch spürbar. 2013 erzielte die SPD bei den Zweitstimmen 34 Prozent und wurde damit stärkste Partei vor der CDU (30,9 Prozent) und den Grünen (12,7 Prozent). Die Linke kam auf 8,7 Prozent, die AfD auf 5,1 Prozent, die FDP auf vier Prozent. Seit Gründung der Bundesrepublik im Jahr 1949 wurde der Wahlkreis immer von den Direktkandidaten der SPD gewonnen. Aktuell wird der Wahlreis von Ulrike Gottschalck vertreten. Die frühere Landtagsabgeordnete der  SPD trat 2009 zum ersten Mal zur Bundestagswahl an und folgte damals dem ausscheidenden Bundestagsabgeordneten und Bundesfinanzminister Hans Eichel. 2013 wurde Gottschalck mit 40 Prozent erneut in den Bundestag gewählt. Auch die Kasseler Grünen stellen mit Nicole Maisch über die Landesliste eine Abgeordnete.

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Der Wahlkreis im Kurzporträt

Der Wahlkreis 168 umfasst die Stadt Kassel und elf angrenzende Gemeinden aus dem Landkreis, darunter Kaufungen, Niestetal und Vellmar. Rund 300.000 Menschen leben dort. Kassel ist das Oberzentrum Nordhessens und nach Frankfurt und Wiesbaden die drittgrößte Stadt Hessens. Seit der Wiedervereinigung profitiert die Region stark von ihrer zentralen Lage innerhalb Deutschlands. Sie ist über die Autobahnen A7, A44 und A49 und den ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe angebunden, außerdem über den 2013 neu gebauten Flughafen in Calden. In der Region Kassel schlägt auch das wirtschaftliche Herz Nordhessens. Der Salz- und Düngemittelhersteller K+S sowie der Erdgas- und Ölförderer Wintershall haben dort ihre Zentralen. In Niestetal ist der Solartechnikhersteller SMA ansässig. Allein das VW-Werk im benachbarten Baunatal beschäftigt 17.000 Mitarbeiter. Auch die Universität Kassel (rund 25.000 Studenten) sorgt mit ihrem Technik-Schwerpunkt für neue Impulse. Für Kassel als Kulturstadt steht in erster Linie die documenta. Die Weltkunstschau lockt alle fünf Jahre hunderttausende Besucher an. Zum ständigen Tourismus-Magneten hat sich der Bergpark Wilhelmshöhe entwickelt, seit er 2013 von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt wurde.

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Wer sind die Direktkandidaten?

Die Sozialdemokratin Ulrike Gottschalck, die den Wahlkreis 168 acht Jahre lang vertreten hat, kandidiert nicht erneut. Die SPD schickt für sie den bisherigen Landtagsabgeordneten Timon Gremmels (41) aus Niestetal ins Rennen. Für die CDU kandidiert der langjährige Fraktionschef der Kasseler Christdemokraten, Norbert Wett, derzeit Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Für die Grünen tritt Boris Mijatovic an, nachdem die Abgeordnete Maisch auf eine erneute Kandidatur verzichtet hat. Insgesamt haben die Stimmberechtigten im  Wahlkreis 168 die Wahl zwischen zwölf Kandidaten. Auch Linke, AfD, FDP, Piratenpartei, Freie Wähler, Die Partei, MLPD, die Wählergruppe für Gemeinwohl und Volksentscheide und die Charta für Basisdemokratie schicken Bewerber ins Rennen.

Die Topthemen vor der Wahl

Dauerbrenner in der Region ist der Kassel-Airport. Nachdem der Flughafen einen sehr holprigen Start hingelegt hat, scheint sich jetzt dank einer Kooperation von Sundair und dem Reiseveranstalter Schauinsland ein halbwegs normaler Betrieb für Urlaubsflüge zu etablieren. Ein Erfolg wäre wichtig, denn der defizitäre Regionalflughafen steht vor einer Überprüfung. Diese ist grundlegend für die weitere Zukunft des Kassel-Airports und wurde so von der schwarz-grünen Landesregierung vereinbart. Trotz aller Probleme stehen in Kassel SPD, CDU und FDP geschlossen hinter dem Regionalflughafen. Grüne und Linke sehen ihn kritisch. Aktuell rückt die Weltkunstschau documenta Kassel wieder ins internationale Rampenlilcht. Das Konzept mit der Doppelstandort Athen/Kassel hat für viel Kritik gesorgt. Es wurde befürchtet, das der traditionelle Standort Kassel darunter leidet. Dem Besucherstrom scheint dies jedoch keinen Abbruch getan zu haben. Zur documenta 14, die  eine Woche vor der Bundestagswahl am 17. September endet, werden rund eine Million Besucher in Kassel erwartet - mehr als je zuvor.

Das sind die wichtigsten "Köpfe"

Prominenteste Vertreterin des Wahlkreises in der Wiesbadener Landespolitik ist die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), die auch Stadtverordnete in Kassel ist. Auch der ehemaliger Ministerpräsdident und Ex-Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) lebt in Kassel, hat sich aber aus dem politischen Tagesgeschäft zurückgezogen.

So gehen die Parteien in den Wahlkampf

"Neue Energie für den Bundestag“ - mit diesem Slogan will SPD-Kandiat Gremmels nicht nur signalisieren, dass er sich als jungen, unverbrauchten Bewerber sieht. Als Bürger der Gemeinde Niestetal, dem Sitz der Solartechnik-Firma SMA, bricht er damit auch eine Lanze für die konsequente Weiterführung der Energiewende. CDU-Kandidat Norbert Wett setzt auf eine Stärkung mittelständischer Betriebe, um die wirtschaftliche Entwicklung der Region Kassel weiter voran zu treiben. "Boris für Berlin“- das ist die Kurzformel, mit der der Grüne Boris Mijatovic in den Wahlkampf zieht. Inhaltlich macht er sich für Klimaschutz, gerechte Bildungschancen und gelingende Integration stark. FDP-Mann Matthias Nölke sieht sich als "Freiheitskämpfer 2017“, die Kasseler Linke setzt auf das Thema soziale Gerechtigkeit, die AfD auf Heimatliebe.

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